In eine andere Welt eingetaucht…

Es hat sich gefügt. Auch wenn ich nach der Ankunft am Urlaubsort erst mal wirklich verschreckt war und Zweifel hatte, ob ich jemals allein wieder in meine Unterkunft zurück finden würde. Mitten in den verwinkelten Gassen der Altstadt. Eigentlich war ich mir am ersten Abend gar nicht sicher, dass ich mich am nächsten Tag allein in die verwinkelten Straßen raustrauen würde. Aber am nächsten Morgen bin ich einfach losgegangen. Habe mich rausgetraut. Und die Wege gemeistert. Wieder zurück gefunden. Jetzt würde ich sofort wieder nach Marrakesch fliegen.

Dort war in einer gayfriendly Unterkunft gelandet. Was mir bis zu meiner Ankunft nicht klar war, dann aber sofort. Das ist an sich nicht der Rede wert trotz dem es ein muslimisches Land ist. Aber die wenigen Tage haben mir Einblick in eine Welt verschafft, in der ich mich nicht allzu oft herumtreibe. Insofern fand ich es spannend. Ich bin dort auf eine mondäne gutbetuchte homosexuelle Elite getroffen. Beispielsweise: Älterer weißer Mann aus München trifft sich dort mit seinem jungen schwarzen Freund, der aus Dakar angereist ist. Beide mutmaßlich einigermaßen vermögend. Sie treffen dort Bekannte aus Südfrankreich. Zwei Tage später kommt noch ein junger Österreicher hinzu. Der wiederum eine Weile im Libanon gelebt hat, jetzt aber von seinem aktuellen Job aus Portugal angereist ist. Alle sprechen mehrere Sprachen, Reise-Erfahrungen werden Namedroppingmäßig beim Minztee rausgehauen. Da bin ich dann das kleine Licht trotz knapp 50 bereister Länder. So richtig anknüpfen habe ich bei den Jungs nicht können. Auch weil mir mutmaßlich das einschlägige Vokabular in Englisch gefehlt hat um alle Witze immer zu verstehen. Aber am letzten Abend bin ich mit den Jungs Essen gegangen. Mit fünf wirklich aufgerüschten Männern. Im dicken Jeep des Chefs. Was einigermaßen steil ist, wenn man damit durch die schmalen Gassen sich zwischen Eselskarren und kaputten Fahrrädern schlängelt. Ich hätte vorher mal fragen sollen, wo wir hingehen. Deutlich zu pragmatisch angezogen finde ich mich dann im Schickimicki-Fischrestaurant wieder, rechne in meinem Kopf kurz aus, was ich mir leisten können werde.

Ich bin mit Ryanair geflogen, die Unterkunft war nicht teuer, aber auch nicht supergünstig (ich hatte aber auch das günstigste Zimmer im Riad). War aber ziemlich abgebrannt jetzt am Jahresanfang. Wollte nicht viel Geld ausgeben. Ehe ich mich versah bekam ich eine Margarita in die Hand gedrückt und es standen Unmengen an Tapas auf dem Tisch. Reiche Marrokaner schlürften hier ihre Cocktails, ältere Herren sind mit jungen attraktiven Damen beim Essen. Ich mit meiner Bauchtasche und den praktischen Klamotten die ins winzige Handgepäck gepasst haben. Am Ende ist das Preisniveau wie in meiner Heimatstadt, es wird gehen.

Ich muss schmunzeln wo einen das Lebens so hinführt, wenn man sich darauf einlässt. Sauge die Atmosphäre auf, aus einer Welt in der ich mich nicht dauernd rumtreibe. In Gedanken tausche ich mit der jungen Dame. Sehe mich dort sitzen in einem Kleid, das ich nicht habe, in Highheels, die ich nicht besitze. Schiebe den Escortgedanken schnell wieder beiseite. Und beschließe, dass ich mal einen Knigge-Kurs besuchen sollte, damit ich die Regeln und Umgangsformen kenne, wenn es mich hin und wieder in einen Laden dieser Preisklasse verschlägt. Damit ich mir am Ende nicht wie in ungehobelter Klotz vorkomme. Habe auch ein First an diesem Abend: Zum ersten Mal Austern gegessen.

Die Herren amüsieren sich prächtig. Als wir zurückkommen verkrümel ich mich zügig in mein Zimmer und überlasse ihnen das Spielfeld, für was auch immer sie tun wollen. Die Herren interessieren sich ja sowieso nicht für mich, aber auch sonst hatte ich nicht eine Sekunde an Sex gedacht in einer Gesellschaft, die von Frauen wie mir nicht sehr viel hält. Deswegen war für mich Sex für die wenige Tage sowieso kein Thema.

Ein Gedanke zu „In eine andere Welt eingetaucht…

  1. Marrakesch! Schön! Genieß es. Das Gefühl mit den Gassen der Medina kenne ich. Da denkst du: finde ich nie mehr zurück! Rede mit den jungs, ob sie mit dir in eine Gerberei und Wollfärberei gehen…, das muss man mal gesehen haben… viel Spaß noch!

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