Did I go black

Da habe ich mir jetzt ganz schön was eingebrockt. Über was cooles lustiges schreiben, wenn man so semigut gelaunt ist. Aber da ich ja einen Cliffhanger stehen lassen habe, kann ich auch schlecht das Thema wechseln.

Kleiner Stress in der Arbeit, ein wenig Eifersucht, ein Telefonat von letzter Nacht.. ich könnte zehn Blogartikel schreiben…

Puuhh.. Ich versuche es und hoffe, dass ich dem Erlebnis gerecht werde.

Jamaika. Mr. Logistik und ich verließen das Schiff zum Landgang. Und trafen am Ausgang das ältere Ehepaar, mit dem wir uns schon auf dem ersten Jamaika-Landgang ein Taxi geteilt hatte. Ich freut mich sehr, denn ich war gern mit den beiden unterwegs. Wir hatten keinen Ausflug gebucht, sondern wollten wieder auf eigene Faust losziehen.  Als wir gerade am Infostand angekommen waren und die Preise der Taxis und Busse sondierten, sagte Mr. Logistik plötzlich, dass er wieder aufs Schiff zurück wollte. Er war am Vortag zu lange in der Sonne gelegen und hatte einen ziemlichen Sonnenbrand. Der Rucksack auf seinen Schultern schmerzte und er hatte keinen Bock. Ich war überrascht. Aber mit zurück aufs Schiff war für mich keine Option, zumal das endlich mal ein wirklich langer Landgangstag war. Er drehte also noch im Hafenterminal um und ging wieder aufs Schiff. Da war ich nun ganz alleine unterwegs. Ich freute mich trotzdem auf einen bestimmt lustigen Tag mit den beiden.

Wir entschieden uns mit dem Bus bis in die Stadt zu fahren und dort mal weiter zu gucken, ob sich da eine günstige Taxifahrt ausgehen würde. Am Hafen wollen einem alle immer ihre Touren andrehen, das wollten wir vermeiden und erst mal in die Stadt.

Der Bus wurde voll gemacht. Es passten etwa so 20 Menschen rein. Dann ging es los. Ich bin ja ein altes Fluchttier, also hatte ich mir den Einzelplatz direkt am Eingang geschnappt. Dann ging es los. Am Ausgang des Hafenbereichs hielt der Bus nochmal und ein Jamaikaner stieg ein. Dunkelrote Hose, weißes Hemd, Krawatte. Ein Tourguide. Er verkaufte die Hin- und Rückfahrttickets. Sehr witziger Kerl. Stellte sich unter dem Namen Sugardaddy vor. Verbreitete gute Stimmung. Sugardaddy, hahahaha, er war weder alt noch reich. Ein klein wenig älter als ich vielleicht. Aber den Namen konnte sich jeder merken, von dem her schlau gewählt. Sugardaddy, weil er die Zuckersüßen Angebote dabei hat. Er bot zusätzlich zu Hin- und Rückfahrt gegen einen kleinen Aufpreis noch eine kleine Rundtour mit dem Bus an. Er stand die ganze Zeit direkt vor mir in der Tür. Wir verstanden uns auf Anhieb gut. Die witzigen Sprüche flogen hin und her. Außerdem sprach der Rest wieder nicht besonders viel Englisch, also übersetzte ich hin und wieder oder übernahm eine Vermittler-Rolle. Wir fuhren also in die Stadt setzt die ab, die nur in die Stadt wollten. Am Ende waren wir etwa 10 die mit ihm auf die Rundfahrt gingen. Wir fuhren auch. Sugardaddy und ich flirten die ganze Zeit. Es ging mit gut. Er war smart und lässig, witzig. Ein schöner schwarzer Mann, mit einem darüber hinaus noch ganz ansehnlichen Körper, auch wenn das für mich das fast am wenigsten relevante war. Keine Rastas 🙂

Er machte mir Komplimente. Wirkte so, als würde er nicht dauern mit einer Touristin so intensiv flirten. Was ich beim Durchschnittsalter der Mitreisenden auf dem Schiff auch gar nicht so unwahrscheinlich finde. Ich hatte auf der ganzen Reise schon so unglaublich viele tolle Komplimente bekommen. Das tat so gut. Balsam für die Seele. Meine Offenheit und das Interesse an den Menschen wurde belohnt. Ich war sehr glücklich. Der Flirt mit Sugardaddy setzte dem ganzen noch einen drauf. Ich fühlte mich als unabhängige schlaue selbstbewußte Frau geschätzt. Das Gefühl gab er mir.

Nach zwei Stunden war die Rundfahrt zu Ende und auch wir stiegen aus. Wir wollten an den Strand und später mit Sugardaddy wieder zurückfahren. Es waren drei Zeitpunkte für die Rückfahrt angeboten. Das ältere Pärchen und ich wir gingen an einen Strand für Einheimische. So ziemlich als die einzigen Weißen. Als ich mich so umsah, wurde mir klar, warum ich das Gefühl hatte bei den Jamaikanern ganz gut anzukommen. Die meisten Frauen waren doch eher kurvig. Das bin ich ja auch. Mit dem für Jamaika-Exotenbonus, dass ich weiß bin. Whitey, wie sie mich so schön riefen.

Wenn mich früher im Urlaub jemand von der Seite angequatscht hat, dann wäre ich in vielen Fällen dem ganzen mit Ignorieren aus dem Weg gegangen. Jetzt ließ ich mich auf kleine Flirts ein, mit dem Wissen dass ich auch in Englisch schlagfertig genug bin. Ließ  mich auf Gespräche ein, bereute keines davon. Ich fühlte mich sehr bei mir. Sehr leicht. Keine Selbstzweifel.

Nach einer Weile am Strand wollten die beiden schon den vorletzten Bus zurück zum Schiff nehmen. Das fand ich schade. Mir war auch eigentlich der letzte Bus noch zu früh.  Der letzte Bus ging schon um 16 Uhr, wir mussten aber erst bis 19:30 auf dem Schiff sein. Naja, mal sehen dachte ich. Wir liefen zum vereinbarten Treffpunkt und ich hoffte sehr, dass wir Sugardaddy dort wieder treffen würden. Ich hatte Bock auf Flirten. Und juhu er stand da und wartete auch auf den Bus. Und auch er freute sich. Ich erzählte ihm, dass die anderen beiden schon zurück wollten, dass mir das aber zu früh sei. Ich würde den letzten Bus dann nehmen und solange noch mit ihm abhängen. Er kümmerte sich darum, dass die Fahrgäste in den Bus kam und fuhr aber dann nicht mit zum Hafen sondern blieb mit mir an der Promenade. Er war bei den anderen Guides bekannt wie ein bunter Hund. Und er musste sich wohl auch den ein oder anderen Spruch gefallen lassen, dafür, dass er offensichtlich mit mir Zeit verbrachte. Es war ihm egal. Sollen sie doch reden, kommentierte er.

Wir spazierten und redeten. Es ergab sich ein interessantes tiefgründiges Gespräch über Gott und die Welt. Auch irgendwann über Sex. Ich hielt mit meiner Einstellung nicht hinter dem Berg. Hihi, da erzähle ich ihm auch noch das grundsätzlich gerne Sex habe und so mehrere Männer am Start. Ohne Hintergedanken, einfach weil es ein Teil von mir ist. Hätte er mich irgendwann im Laufe des Gesprächs platt angegraben oder zu Sex überreden wollen, dann wäre ich gegangen. Aber das tat er nicht. Wir landeten in einer Einheimischen-Bar, in die ich mich mit dem älteren Ehepaar vorher nicht reingetraut hatte, weil ein unglaublicher Lärm aus der Bar gekommen war. So als ob sich Menschen prügeln und andere anfeuern. Lustiges Missverständnis. Der Lärm hatte einen einfachen Grund wie ich lernen sollte. Die Männer spielten an zig Tischen ein Spiel – Domino. Ja, so habe ich auch geguckt. Domino, das Steinanlege-Spiel. Der Gewinner muss schreien und auf den Tisch hauen.

Wir tranken ein Bier. Ich bezahlte. Ich genoss einfach die Zeit und Situation. Das Land pur zu erleben. In einer Bar zu sitzen, mich zu unterhalten. Was zu lernen. Wir mussten ja nach einer Stunde wieder zurück an der Bushaltestelle sein, denn er musste ja schließlich noch arbeiten. Die letzte Tour zurück ich stieg mit ihm ein. Er fragte mich, ob ich noch Zeit mit ihm verbringen wollte. Mein Bauch gab grünes Licht und er sagte, dass wir am Hafeneingang aussteigen würden. Im Nachhinein wurde mir klar, dass er für mich auf sein Trinkgeld verzichtete indem er mit mir vorher ausstieg und den Bus mit den übrigen Gästen allein in den Hafen fahren ließ. Krass, vor allem wenn man davon lebt. Ich war sehr gespannt, was wir noch anstellen würden..

 

 

4 Kommentare zu “Did I go black

  1. Hoffe bei Dir beruhigt sich alles bald wieder . Stress kann so sch…. sein…Aber ,so wie ich dich bisher einschätze ,hast du alles fest im Griff.
    Selbst mein Fieber nach der Fortsetzung.

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