Learn it the hard way…

Unabhängig davon, dass ich krass Urlaubsreif bin, weil ich dieses Jahr erst 5 Tage genommen habe, bin ich irgendwie durch mit meinem aktuellen Arbeitgeber. Da gab es den einen Job auf den ich spekuliert hatte, weil er wirklich zu mir passen würde. Leider ist der Vorgänger ein Jahr eher in Rente gegangen als ich gedacht habe. Deswegen war meine Bewerbung zu früh. Und da ich nicht davon ausgehe, dass der Job so schnell wieder zu haben ist und ich sonst so gar nicht in diese Firma passe, muss ich nun überlegen, wo denn der Weg hingeht.

Während so manch andere Frau, die (langsam!) auf die 40 zu geht, sich beruflich und familiär aufgestellt hat, sich vielleicht fragt, ob das sexuell schon alles war im Leben und ihre Midlife-Crisis in diesem Bereich bekommt, muss ich mich beruflich völlig neu aufstellen, weil ich so gar nicht zielführend Fuß fassen kann. Sexuell hingegen habe ich wenig Leidensdruck. Über die letzten 8 Jahren habe ich ziemlich gut ausprobiert, was ich mag, was mir gefällt. Scham abgelegt, Zweifel beseitigt. Keine akuten „Das muss ich unbedingt ausprobieren“ mehr.

Aber ich hadere aktuell wieder sehr mit der Oberflächlichkeit der Welt. Während der Schöpfer es bei der Brain-Ausstattung ganz gut mit mir gemeint hat, hat er mich optisch ziemlich durchschnittlich aussehen lassen. Das wäre wohl auch kompensierbar, wenn ich nicht in meiner letzten Beziehung von normal auf mollig gewechselt hätte. Wir sprechen nicht von fett, sondern von kurvig. Aber so, dass ich mich so gerade an der Grenze des Klamottengrößen-Korridors befinde, den H&M so im Angebot hat.

Ich habe in meiner Teenager/Twen-Zeit hart dran gearbeitet, nicht uncool zu sein. Cooler Style, viele Klamotten geshoppt, war ganz gut angezogen. Mit der relativ krassen Gewichtszunahme in kurzer Zeit in der unglücklichen Beziehung mit meinem Ex so vor etwa 11 Jahren ist das verschwunden, weil ich in den Läden in denen ich vorher eingekauft hatte, plötzlich in nichts mehr reingepasst habe. Oder die Klamotten waren auf ne 36 designt und dann einfach vergrößert, aber nicht sehr schmeichelhaft in 46 (wenn man denn mal eine gefunden hat). Das führt dazu, dass ich Shoppen hasse. Ich nur noch gehe, wenn es gar nicht mehr anders geht. Ich habe ne ganze Weile einfach nur getragen, was ich sich gefunden hat, in das ich reinpasse. Nicht wirklich Style, Hauptsache es passt und sieht okay aus. Okay, mehr nicht. Eigentlich krass, dass ich nun schon 10 Jahre brauche um die Scherben in meinem Leben aus dieser doofen Beziehung endgültig zu beseitigen. Die Figur habe ich immernoch nicht wieder.

Ich merke, dass aber nun im Berufsleben in das ich zwischenzeitlich eingetreten bin, die Optik wieder eine viel entscheidendere Rolle spielt. Auf der ersten Ebene noch nicht so sehr. Aber wenn du weiterkommen willst. Dress to impress wie heute jemand auf Twitter schrieb. Ich sehe jetzt nicht super unordentlich aus, aber auch nicht topgestylt. Ich trage meine Klamotten wirklich lange, was man vermutlich irgendwann sieht, bin nicht der größte Bügler, meine Hände sind mehr pragmatisch als durchmanikürt und Sneakers sind mein Freunde. Und dann müsste ich mich vermutlich in den Augen der Arbeitswelt noch perfekter stylen, so dass man mir das Mollig sein verzeiht und mir Kompetenz zutraut.

Da sitze ich nun da und denke: Hättest du statt dem Coolsein wollen mit mittelprächtiger Optik, doch wenigstens was aus dem nerdigen Brain gemacht, dann müsste ich jetzt nicht rumjammern. Aber auch der Gedanke hilft mir jetzt nicht. Aber wenn ich eben nicht führen will, weil ich auf diese Business-Kasper-Optik-Nummer keinen Bock habe, dann muss ich jetzt eben noch was lernen. Irgendwas, das gefragter ist, als das Politik-Ding, dass ich studiert habe. Und dann den harten Weg. Nebenbei. Neben dem Job. Alles andere kann ich mir eh nicht leisten. Und keine Abkürzung mehr, nur weil sich mal schnell ein bequemes Jobangebot auftut, das aber wieder unter dem liegt, was ich kann. Denn es wird dann nicht schon werden und jemand erkennt, was du kannst. Hahahaha. Ne so läuft das nicht. Das hab ich jetzt ausprobiert.

The good thing: Ich habe gerade eine Phase, in der ich abnehme. Mein Körper drängt mich gerade gute Dinge zu essen und ich habe die Zeit und die Nerven ordentlich zu kochen, gut zu essen. Das ist wohl die einzige gute Seite an meinem aktuellen Job. Der nervt mich zwar, weil er mich unterfordert und keine Perspektive bietet, aber ich gehe meist nicht gestresst heim. Und arbeite auch nicht zu viele Stunden. Ist also auch was Gutes dran. Vielleicht habe ich diesen Blogeintrag auch gebraucht, um mir das vor Augen zu führen.

Und habe ich einen schönen Balkon jetzt. Auf dem lässt es sich gut lernen. Bloggen auch.

9 Gedanken zu „Learn it the hard way…

  1. Wie schön du es reflektiert hast.. ich bin auch eine 44 / 46 und kenne das „Problem“.. eine Frau mit mehr auf den Hüften kann im Business Bereich nur positiv auffallen / herausstechen, wenn sie wirklich gut gekleidet und gestylit ist. Zumindest ist das bei uns so. Sie haben gerne intelligente Damen in ihren Business Kasper Kreisen, aber doch bitte möglichst eine Adrette, und wenn schon mehr auf den Hüften, dann eine, die trendy, stylisch oder im positiven „edgy“ wirkt.

    Muss man dieses Gepflogenheiten toll finden? Nein. Dennoch ändert es nichts an der Tatsache. Wobei ich auch dazu sagen möchte, dass selbst viele männliche Kollegen sich an die sportlich-gestylt Nummer halten – längst nicht so viele wie Frauen, aber immerhin spüre ich auch bei den Kollegen den „Druck“ was her zu machen.

    Vielleicht ist das für dich der Anlass eben weiterzulernen, dann hat dieser Business Kasper Mist für dich sein Gutes. Meist ändert man ja nur was an der Situation wenn der (Leidens)druck zu hoch ist. Zieh das Beste für dich daraus. Das wünsche ich dir.

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  2. Ja dein Beitrag ist sehr reflektierend. Ich habe seit 5 Jahren einen Job der mir zwar sehr Spaß macht und sehr nette tolle Kollegen aber ich bin unterfordert. Jede Möglichkeit aufzusteigen ist gescheitert da kleines Familienunternehmen. Also habe ich mein Abendgymnasium gemacht und studiere nebenher und komme ins 3 Semester. Ist zwar hart aber dafür habe ich den perfekten Job 🙂 also positiv was aus der Situation machen. Grüßle

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  3. erstaunlich, dass wir immer die gleichen Lebensphasen haben – außer dass ich 10 Jahre älter bin und alleinerziehende Mutter… Job, Klamotten, hasse es zu shoppen…alles ganz genauso und seit 10 Tagen meinem Körper durch PALEO Ernährung mal was gutes tun (obwohl wir sonst auch sehr gesund leben) und seit gestern ständig die website eines Instituts auf und überlege diesen Kurs zu machen…aber einfach mal 4000.- so raushauen ? im Moment gibt es für jede Sparte nen Coach und jemand der angeblich kompetent ist…. Mir fehlt einfach der Arschtritt oder jemand der sagt: JA; das ist genau deins-mach es! Danke, dass du wieder schreibst…tut immer so gut es zu lesen .

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  4. Ist schon irgendwie faszinierend, wie sich unsere Lebenswege auseinanderentwickelt haben.
    Wir waren doch vor Jahren, als wir uns auf blog.de kennengelernt haben, in ähnlicher Situation. Aber inzwischen sind die Unterschiede größer als die Gemeinsamkeiten.

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  5. Liebe remi,
    seit Jahren verfolge ich deinen Blog, sogar damals schon, als du noch auf der anderen Plattform gepostet hast. Bitte lass dich nicht unterkriegen! Jeder hadert mal mit seinem Leben, seinen (Job)Chancen, Möglichkeiten, seinem Körper und seinem Gefühl. Du bist eine bewundernswerte, tolle Frau und gibst hier draußen so vielen Menschen Mut, weiter zu machen. Ich bin mir ganz sicher, dass es auch wieder eine Phase gibt, in der du wieder mit dem erfolgreich wirst, was dich glücklich macht. Bitte, bitte lass uns daran teilhaben.
    Liebe Grüße
    cassiopeia

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  6. Hallo remi,
    In der Annonymität des Internets fällt es leicht etwas zu schreiben:
    Deshalb ein kurzes Feedback!
    Ich finde deinen Blog wirklich gut. Es zeigt mir einen kleinen Einblick in den Kopf von Frauen. Auch wenn du mich wsl mit Ende 20 als ziemlich jung bezeichnen würdest, versuche ich ein wenig von dem zu lernen, was du so schreibst!
    Grüße und mach bitte weiter mit deinem Projekt!

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  7. Hi Remi,
    Ich lese auch schon lange aber eher ab und an deinen Blog. Danke, dass du diesen schreibst. Dein Mut und dein Leben sind absolut inspierend. 🙂
    Als Frau kann ich dir die IT-Branche empfehlen, gerade wenn man keine Lust auf dieses Business-Theater hat. Entwickler bzw alle Personen im technischen Bereich werden gut bezahlt, die Arbeit ist geistig sehr anspruchsvoll und Business Look ist zweitrangig bis nicht vorhanden. Ich habe diesen Bereich selber für mein zweites berufliches Leben gewählt und es bisher nie bereut. Einen guten Job zu finden ist mit einem passenden Abschluss bzw Skills auch nicht schwer, selbst wenn man kein Nerd ist, da sowieso überall Personalmangel herrscht und Frauen absolute Wunschkandidatinnen sind, da diese extrem unterrepräsentiert sind.

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