27 Schwänze in einer Woche – Grindr sei Dank

Dank der Besties habe ich schon eine geraume Weile Einblick in die Gay-Welt und ich finde es so mega spannend. Ich wollte nicht so viel drüber schreiben nicht weil es nicht berichtenswert wäre, sondern weil es in erster Linie mein Blog ist und ich nicht ungefragt deren Geschichte erzählen wollte. Aber jetzt fühlt es sich okay an.

Ich muss schmunzeln, wie sehr es sich für mich normalisiert hat mit den Jungs auch einfach über ihre Sexpraktiken zu reden. Mein Blog gibt es schon lange. Damit war wohl auch der Ausgangspunkt gelegt, dass man einfach über Sex reden kann innerhalb unserer Clique, zu der noch drei weitere unfassbar coole Menschen gehören. Aber über Sex im Großen und Ganzen zu sprechen und sich zu erzählen, was man so konkret anstellt ist nochmal ein himmelschreiender Unterschied. Ich glaube, ich weiß noch gar nicht so superlange, wer in der Beziehung der beiden der aktive und wer der passive Part ist. Und dass mir zumindest vorher noch gar nicht klar war, dass das neben der Liebe ja auch irgendwie zusammen passen muss, weil es sonst schwierig wird. Es wird schon auch mal geswitcht, aber in den meisten Fällen ist die Präferenz klar. Ficken oder gefickt werden – die meisten haben eine bevorzugte Spielart.

Ich kenne den Stellenwert von Grindr in der Szene und dass man als hetereo mit den Ohren schnackelt, was die Möglichkeiten und die Geschwindigkeit von unverfänglichem Sex angeht. Dass die PrEP als Mittel um eine Ansteckung mit HIV zu verhindern nochmal ein völliger Gamechanger ist. Mit der Einnahme geht eine regelmäßige Testung auch auf alle anderen klassischen STIs einher. Ich weiß, wo in unserer Heimatregion Cruising-Spots sind und man beispielsweise einfach auf dem Heimweg von der Arbeit vorbeidüst, wenn man Lust hat. Man findet da fast sicher jemanden, der einem den Schwanz bläst oder den man blasen kann oder anderes mehr. Für den Hetero-Bereich kenn ich keine Cruisings-Spots. Die gibt es sicher auch und mit Recherchieren würde ich das auch rausfinden, aber sie sind mir nicht so geläufig wie die Gayspots. Ich weiß, dass man sich als passiver Mann im Regelfall vorbereitet, bevor man aufreißen geht, deswegen geht das nur mit ein wenig Vorlauf – Spülung. Ich kenne das Spielzimmer der Jungs, weiß was Twinks sind. Welche Art sich zu kleiden angesagt ist in einem Teil der Szene. Ich habe also durchaus schon ein wenig Ahnung von dem was die Jungs da so treiben. Aber manches wurde mir in diesem gemeinsamen Urlaub noch viel plastischer vor Augen geführt.

Wir haben immer bedauert, dass es so wenig Möglichkeiten gibt gemeinsam loszuziehen und hatten nun den festen Vorsatz, dass ich in Maspalomas mal mit zum Aufreißen gehen würde, um zu sehen, wie es bei den Jungs so abgeht. Einfach als sexpositiver Mensch, der sich gerne ansieht, wenn Menschen miteinander Spaß haben. Eigentlich haben wir sogar gewitzelt, dass wir einen Blowjob-Contest machen. Wir würden einen Bi-Mann suchen und uns duellieren – wer kann besser blasen ich oder Qutie.

In der Woche vor der Winter-Pride-Week waren wirklich schon viele schwule Männer auf der Insel. Sie ist ja sonst schon ein Hotspot für die Szene, weil man sich da frei bewegen kann, weil es einschlägige Bars gibt. Diese Woche dort vor Ort hat mal kurz meine Realität völlig verschoben. Denn es waren quasi nur noch schwule Männer und Pärchen überall. Man kann den Eindruck bekommen, dass es viel mehr sind, als man denkt. Ich fand die Sichtbarkeit wunderbar. Für mich ist es kein ungewohntes Bild, dass meine Besties sich mal küssen oder Händchen halten, aber es ist sonst so unglaublich selten sichtbar. Hier war ich an einem Ort, an dem ich das Gefühl hatte, dass die Anwesenden einfach so sein konnten, wie sie wollten. Jeder ganz bei sich. Die bärigen alten Rockertypen, die man zu Hause nie Händchenhaltend sehen würde. Alte Pärchen, blutjunge Männer, dick, dünn, Sugardaddys mit Jungs, Männer die sehr feminin gekleidet sind, auftrainierte Schönlinge, wilde Dreierkonstellationen. Männer, von denen ich glaube, dass sie zu Hause nicht geoutet sind, ziehen durch die einschlägigen Locations. Es wird geflirtet, geknutscht und gefummelt. Man fühlt richtig die Befreitheit, das Angekommen sein. Dafür liebe ich diesen Ort. Jeder kann das sein, was er will. Bei der Auswahl findet auch jeder wonach er sucht. Endlich mal ein Pool in dem man fischen kann.

Nachdem wir am Gay-FKK-Strand lagen, habe ich dort Unmengen an Schwänzen gesehen. Schwänze haben im Gay-Schnell-Dating-Game auch eine viel größere Bedeutung, als bei heteros. Während sich Hetero-Männer hüten sollten ihr Dating-Gesuch bei einer Frau ungefragt mit einem Schwanzbild zu unterstreichen, weil sie sonst mittlerweile im Zweifelsfall auch angezeigt werden, gehört es zum guten Ton bei den Jungs gleich ein Bild von dem was man so an Ausstattung hat mitzuschicken. Ich muss auch darüber schmunzeln, wie sie mit den weiblichen Begriffen wie Slut und Bitch spielen können und sich diese um die Ohren hauen. Auch bunte Farben und Klamotten, die üblicherweise eher Mädels getragen haben finden sich alle in der Szene wieder. Die Hotpants der Jungs sind auch mal wirklich hot kurz. Aber sie können es halt auch tragen.

Als wir an einem Abend ins Yumbo-Center losgezogen sind, war ich mit einer Gruppe von acht Jungs unterwegs. Zwei Paare mit jeweils noch einem Toyboy und meine Besties. Was sehr lustig war und auch eher exotisch. Ich bin da einfach überall hinterher gedackelt, das hat erst mal keiner hinterfragt. Die anderen guckten kurz irritiert, ob meiner Anwesenheit, aber ich fühlte mich nie ungewollt. Es war spannend das Geflirte untereinander mitzubekommen. Von den drei Paaren mit denen ich unterwegs waren, lebt keines eine monogame Beziehung. Viel Geflirte und Geknutsche auch untereinander. Qutie ist am wildesten von allen unterwegs. Die anderen Jungs kannte ich noch nicht, bzw sie mich auch nicht. Ich glaube sie waren überrascht, dass da eine Hetero-Frau sitzt, die halbwegs unscheinbar aussieht, die aber ähnlich wild unterwegs ist, wie sie selbst. Die bei den meisten Themen einfach mitquatscht. Blowjobs, Streamen, sich nageln lassen, Fetischzeug… Alles kein Ding.

Wir endeten in einer Gaykneipe. Ich parkte mich auf einer erhöhten Bank im Außenbereich und saugte das Treiben in mich auf. Da ich kein Part des Flirting-Games war und nichts zu verlieren hatte, konnte ich einfach alle anquatschen. Ich las einem Schönling die Leviten, der sichtbar frustriert war, dass er noch nicht erfolgreich war. Zu seinem Übel kokketierte auch noch ich damit, dass ich ja auch schon jemanden kennengelernt hatte, am Abend vorher, nämlich Mirco. Ich sagte zu ihm, dass ich wette, dass er es mag wenn er mit jemandem was hatte sich am nächsten Tag nicht mehr zu melden und zu genießen, wenn der andere ihm hinterher läuft. Er ist ein schöner Mann, aber er lebt zu sehr von der Aufmerksamkeit dafür. Ich fühlte das. Mit meiner Aussage traf ich den Nagel auf dem Kopf. Ich sagte, dass das Problem sei, dass er weiß dass er hübsch ist und das auch ausstrahlt. Als er ein wenig jammerte, dass ihm sein Aussehen nichts mehr helfe, seit er älter wird, sagte ich, dass das nicht das Problem sei, sondern dass die anderen sich mittlerweile an Männern wie ihm schon mal die Finger verbrannt hätten und sich deswegen nicht mehr darauf einließen.

Keine Ahnung, ob er ein wenig darüber nachdenkt. Ich glaube er war erstaunt, dass ich das so analysiert hatte, obwohl wir uns erst zwei Stunden kannten. Aber in manchen Dingen unterscheiden sich Heteros und Nicht-Hetereos halt doch nicht so sehr. Während ich da saß, trieben die Jungs sich herum. Fummeln auf dem Klo… immer was los. An dem Abend war es sogar eher harmlos.

Qutie schoß im Laufe des Urlaubs den Vogel ab. Eines morgens zum Beispiel hörte ich wie er unseren Bungalow verließ. Es muss so kurz vor 6 Uhr gewesen sein. Die Erklärung hinterher: Bestie2 und ich hätten geschnarcht, er hat nicht schlafen können. Also Grindr auf. Mit einem Typen geschrieben, der auch auf unserer Anlage war und auch nicht schlafen konnte. Klamotten angezogen, drei Bungalows weitergegangen, den Typ einmal ordentlich durchgefickt (oder verräumt, um in seinem Chargon zu bleiben) und dann wieder ins Bett gegangen… So ging das öfter. Eigentlich ist passiv sein eher seins, aber für den schnellen Spaß übernimmt er öfter mal die aktive Rolle. Im Laufe des Urlaubs hatte er so ziemlich alle Bungalows um uns herum durch.

Mit den Party-Abenden in den Cruising-Bars, wo ich nicht dabei war, entweder weil ich mit Mirco unterwegs war oder weil ich am Türsteher gescheitert bin, kam er am Ende des Urlaubs auf 27 Typen. Der zurückhaltende Bestie noch auf 3 und ich, die wilde Sex-Bloggerin auf 1. Völlig verkehrte Welt aus meiner Sicht. Qutie hatte es in Darkrooms und Gloryholes krachen lassen, bei uns in den Bungalows. Aktiv (überwiegend), passiv (selten), zu zweit, zu dritt, Belgier, Iren, Spanier… alles wild durcheinander. Eines Morgens saß er mit einem riesigen Knutschfleck am Hals da. Und er sah einfach so völlig glücklich gefickt aus.

Corona-konform war das alles nicht. In der Hoffnung, dass die Gaypride das nicht völlig aus dem Ruderlaufen lässt. Qutie hat es genossen sich oberkrass auszuleben, ist nun erst mal wieder abstinent und geht jetzt nach Rückkehr sich auf alles testen. Die Zeit ist aktuell doof für sowas, aber ansonsten freue ich mich, dass es dort einen Platz gibt, wo meine Besties es so wild treiben können, wie sie wollen, völlig offen, ganz frei. Sollte überall so sein.

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