Harter Kampf mit mir selbst

Heute habe ich meine letzte schriftliche Klausur für die Uni gehabt. Meine Studienzeit geht nun wirklich unaufhaltsam dem Ende entgegen. Ich gehe einen Schritt nach dem Anderen. Erst Uni fertig, dann kommt das Leben danach. Aber ich bin schon deutlich entspannter als noch vor ein paar Wochen, was das Leben nach der Uni angeht.

Mr. Bondage ist gerade in Japan. Seit 10 Tagen ist er fort. Anfangs haben wir mal noch geskypt, jetzt hat er nicht mehr so leicht Zugabg zum Internet, jetzt schreiben wir uns zwei oder drei Nachrichten am Tag. Er fehlt mir durchaus als Bezugsperson mit der ich mich täglich austausche, aber ja ich überlebe es auch, wenn er nicht da ist. Und ich fange an mich daran zu gewöhnen, dass wir in Zukunft nicht mehr so viel Zeit verbringen werden.

Heute ist allerdings ein komischer Tag. Denn ich habe lange nur auf die heutige Klausur hingearbeitet und immer ein Ziel gehabt. Jetzt fühlt es sich an wie ein kleines Loch. Das wird zwar nur von kurzer Dauer sein, da ich in rund 10 Tagen noch mündliche Prüfungen habe. Dennoch hat dieser heutige Tag mit der Klausur verhindert, dass ich mit ihm nach Japan fliegen konnte. Schade, sehr schade. Aber gut.

Ich wollte den Besuch der Messe und Party noch auflösen. Durh meine Studienfahet konnte ich nicht am kompletten Wochenende teilnehmen, sondern nur am Samtag dabei sein. Das hatte Mr. Bondage so gewolt. Mich ärgerte das und ich fühlte mich bestraft. Am Freitag Abend vor dem Messe und Partybesuch haben wir noch telefoniert. Ich muss aber dazu sagen, dass ich in der Zeit auch ordentlich PMS geplagt war. Das war so ein Scheißtelefonat. Er war allerdings gerade unterwegs nach einer Veranstaltung und ich allein zu Hause. Die Ausgangslage für ein ernstes Gespräch denkbar schlecht. Ich erinnere mich gar nicht mehr konkret an den Inhalt, aber er machte mich so wütend, dass ich das Gespräch abgebrochen hatte. Ich war so sauer, dass ich Angst hatte im Affekt Dinge zu sagen, die ich später bereuen würde. Deswegen habe ich das Gespräch dann beendet. Er hatte mir das Gefühl gegeben nicht wichtig zu sein. Ich schrieb mir noch in langen Nachrichten an ihn meine Gefühle von der Seele. Dass er keine Rücksicht nehme, dass immer alles so laufen müss3, wie er es möchte, dass ihm Fesseln wichtiger sei als ich. Dass ich ihm alles untergeordnet hätte, er aber nicht. Dass er mich am Telefon ziemlich zweckökonomisch behandelt hatte und nicht wie seine Freundin. Ich schmiss ihm eine ganze Latte von Vorwürfen um die Ohren. Und ließ offen, ob ich am nächsten Tag mitgehen würde. Ich wollte eine Nacht darüber schlafen.

Das wollte ich wirklich. Ich wußte, dass ich gerade sehr emotional reagierte. Ich hatte einen langen Tag gehabt mit der Rückreise von der Studienfahrt und dann noch ein wenig gearbeitet. Dazu hatte ich PMS, war nicht ausgeschlafen und hatte die Tage vorher deutlich zu wenig Zuneigung bekommen. Ich schaltete mein Telefon aus und legte mich schlafen. Ich wollte hören was mein Bauchgefühl am nächsten Morgen sagt. Von den schlechten Gefühlen dieses Abends allein wollte ich mich nicht leiten lassen.

Morgens wachte ich auf. Telefon wieder an. Mr. Bondage hatte mich nachts noch versucht zu erreichen. Es war aber wohl besser, dass wir nicht nochmal an dem Abend gesprochen hatten. Beim Aufwachen war ich längst nicht mehr so geladen und sauer wie ich beim Einschlafen gewesen war. Ich war zwar noch ein wenig sauer, aber ich wollte zu der Messe/Party gehen. Allerdings entschied ich mich dafür getrennt von den Beiden hinzufahren und ein wenig später nachzukommen. Ich wollte mich in meinem Rhythmus fertig machen und kam dann eben später nach. Dort angekommen musste ich erst mal am Eingang Schlange stehen. Mr..Bondage und seine Begleiterin waren schon auf der Messe. Ich gab ihm Bescheid, als ich eingelassen wurde. Er holte mich am Eingang ab. Es war sehr seltsam. Ich hatte ihn so vermisst, aber ich war auch sauer und verletzt. Er wußte das und respektierte meine Gefühlslage. Deswegen umarmten wir uns im ersten Moment nicht, sondern redeten und ich weinte. Aber es war nicht der Ort um grundlegende Probleme zu lösen. Irgendwann umarmten wir uns doch. Es war okay und schön und schwierig. Ich hatte ihn sehr vermisst, war aber auch einfach sauer.

Als ich mich fürs erste eingekriegt hatte, gingen wir zu seiner Begleiterin. Sie war in etwa in Mr. Bondages Alter. Nett, aber sehr reserviert. Für sie war es auch schwierig. Wir hatten uns ja nicht wirklich in Ruhe kennenlernen können, sondern trafen uns gleich auf der Messe. Dann kam ich da an und sie konnte bestimmt spüren, dass das Verhältnis zwischen Mr. Bondage und mir belastet war. Vielleicht glaubte sie auch, dass ich ein Problem mit ihr hatte. Wir saßen gemeinsam an einem Tisch und die Stimmung war gedämpft. Ich trug innere Kämpfe aus. Ich war genervt von meiner schlechten Laune, die sich auf die anderen übertrug. Noch dazu war es unfair seiner Begleiterin gegenüber, die mir sogar noch ein Kostüm für den Abend genäht hatte. Ich sagte zu mir selbst, dass ich nun zwei Möglichkeiten hatte: Ich konnte zwei anderen Menschen komplett den Tag versauen, indem ich entweder ein Drama machte und wieder ging oder den ganzen Tag eine beleidigte Fresse zog oder ich konnte mich zusammenreißen und versuchen das beste aus der Situation zu machen. Dann entschied ich mich. Ich setze mich neben die andere Frau, (ich nenne sie die Italienerin) und sprach sie an. ich entschuldigte mich für mein Gefühlschaos, das ich nur schwerlich in den Griff bekam, versicherte ihr, dass es nichts mit ihr zu tun hatte und erwähnte noch die PMS, die mich quälten. Ich wollte versuchen mich nicht so davon runterziehen zu lassen. Meine Offenheit verbesserte unser Verhältnis sehr. Sie entspannte sich sichtlich. Und auch mir hatte es gut getan. Ab da war ich bereit mich einfach auf den Tag einzulassen. Mir all die verrückten Menschen auf der Messe anzusehen, die Fesselshows zu bewundern.

Bei unserer Aussprache im Urlaub, sagte mir Mr. Bondage auch, dass er sehr stolz auf mich war und es einen sehr großen Moment fand, als ich von mir aus auf die Italienerin zugegangen war.

Ich mag es nicht meine eigene Unzufriedenheit an Anderen auszulassen. Aber es war harte Arbeit das an diesem Tag hinzubekommen, Aber es hat sich gelohnt. Ich war so neugierig auf die Fetisch-Party gewesen und hatte mich zum Glück nicht um die Gelegenheit gebracht in dem wunderschönen Rotkäppchen-Kostüm dass die Italienerin für mich genäht hatte, auf die Party zu gehen. Vorher fesselte uns Mr. Bondage und noch ein weiterer Rigger in dem Kostüm einem Messestand. Das war zum ersten Mal, dass ich mich öffentlich fesseln ließ. Inklusive irgendwelcher sabbernder Fotografen, die mich nun in ihrem privaten Album verewigt haben.

Im Nachgang schrieb die Italienerin, dass sie sich freuen würde, wenn wir uns nochmal wiedersehen und dann nochmal bei Null anfangen. Ich finde das ist eine gute Idee.

8 Kommentare zu “Harter Kampf mit mir selbst

  1. Erstmal: Glückwunsch zur Klausur und zum baldigen Ende des Studiums! Bin gespannt, was dann kommt 🙂

    Zu Eurer Kommunikationspolitik ist schon alles gesagt worden – mir fehlt weiterhin Einsicht und Feingefühl bei ihm … 🙂

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      • Was nach dem Studium kommt oder zu Mr. Bondage? 😉

        Zu letzterem: Ich kenn‘ ihn nicht, aber so wie Du schreibst, möchte ich ihn auch nicht kennenlernen … Sondern ihm was sehr schweres oder spitzes über die Rübe ziehen … 🙂

        Gefällt 2 Personen

        • Wie gesagt: Ich kenn‘ ihn nicht.

          Aber ganz ehrlich? Du schreibst noch sehr milde über ihn…
          (Es ist immer einfach von außen zu urteilen – ich weiß! 🙂 )

          Aber er hat sich ne Menge Faux-Pas geleistet und er hätte Situationen mit seiner Erfahrung besser lösen können … Das weißt Du auch 😉

          Und nein, nicht Du hättest sollen/können/müssen… Du bist hier der unerfahrene Teil, der den er beschützen sollte – es sollte ihm immer um das Wohlergehen seiner subs/Frauen gehen… Und darauf achtet er nicht, zumindest nicht genug.

          Ja, Du müsstest öfter Klartext reden (grade was das Spielen und Deine Emotionen angeht) aber er müsste Dich einfach auch mehr zum offenen Reden bringen und selbst reden 🙂

          Und wie gesagt: Ich glaube, Du schreibst noch sehr positiv über ihn 🙂

          Aber ich bin gespannt auf den Beitrag über ihn und bis dahin drücke ich Dir die Daumen für Deine Mündliche!!! du rockst das!!!! 🙂

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  2. An das Gefühl der Leere nach dem Examen erinnere ich mich noch gut, obwohl das bei mir schon lange Zeit zurück liegt. Ich denke, das ist normal. Wahrscheinlich nach vollständig bestandener Prüfung wird das nochmals kommen. Aber tröste dich, es gibt auch ein Leben nach der Uni und alles im Leben hat seine Zeit.
    Und da bin ich schon bei deinem Mr Bondage.
    Ich verfolge deine Twitter-Nachrichten. Du scheinst jetzt ja jemand zu sein, der genügend Lover findet, wenn du willst und SMler gibt es auch genug, die sich die Finger nach dir lecken.
    Mache dir daher nicht unnötig Stress und schau nach dem, der dich verdient hat.
    L.G.
    R.deSade

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