Beziehungsstatus „Wir schreiben wieder WhatsApp“

Ich bin im Urlaub – quasi allein. Also nicht mit Mr. Unauffällig. Hab nun ein paar Tage Zeit all die Dinge nach zu bloggen, die in Zeiten trauter Zweisamkeit nicht verbloggt werden konnten. Ich lerne, Beziehungen schaden meinem Blog 🙂

Nun denn, bevor ich das Vergangene nachschreibe – aktueller Status: Verdammt gute Frage. Eigentlich getrennt. Aber… Aktuell schreiben wir miteinander. Die zwei Eigenbrötler, die sich gut tun, aber auch nicht. An einem Sonntag vor genau vier Wochen habe ich alle meine Sachen bei ihm gepackt und mich erst mal aus seinem Leben verzogen. Ich war an diesem Tag arbeiten gewesen auf einer Firmenveranstaltung. Kurz vor Dienstende schrieb ich ihm eine WhatsApp, worauf er antwortete, dass er auf Krawall gebürstet sei.. Ich würde meinen Hobbys nachgehen und er zu Hause putzen – darauf habe er keinen Bock mehr. Rumms, darauf war ich auch auf Krawall gebürstet und packte meinen Krempel schmiss ihm den Schlüssen hin und ging.

Das war natürlich nur eine kleine Nuance, die auf beiden Seiten das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Er ist viel viel ordentlicher als ich. Was zwangsläufig immer dazu führen wird, dass er früher das Gefühl hat, dass geputzt werden muss. Ich weiß gar nicht, wie man das jemals beheben könnte. Ich komme aus einem Haushalt in dem man eigentlich nie den Klodeckel runtergeklappt hat. Das kann man finden, wie man will, ist aber halt so. Ich musste ihm erst mal erklären, dass ich das gar nicht absichtlich mache, sondern, dass es für mich erst mal keine Relevanz hat oder mir einfach nicht aufgefallen ist. Als er mir gesagt, dass es für ihn nun mal so gehört, habe ich mich bemüht, das abzuändern und immer dran zu denken. Das ist gar nicht so leicht, sich umzuprogrammieren. Und der Klodeckel war einfach nur ein kleines Beispiel, das unser Dilemma verdeutlich soll. Seine Wohnung in der wir eigentlich immer waren – seine Rules. An so machen Stellen gelang es mir mich anzupassen, manches merkte ich auch einfach nicht. Und dass ich so ordentlich werde, wie er, das halte ich sowieso für völlig ausgeschlossen. Ich habe ihm angeboten, dass er mir einfach sagen soll, wenn ich was aufräumen soll. Aber das war ihm zu doof. Ich mag das gar nicht werten. Er konnte da nicht raus aus seiner Haut.

Ich war am Ende erstaunt, dass ihm die Ordnung wichtiger ist als Nähe, als Lachen und Lieben. Oder muss ich fairerweise sagen, dass er Lachen, Leben und Lieben nicht genießen kann, wenn ich die Decke auf der Couch nicht ordentlich zurücklege und meine Socken noch neben dem Bett liegen. Meine Prioritäten sind da andere.

Die zweite Baustelle war dass ich immer auf Hummeln sitze – Angst habe (oder keine Lust) habe, dass Lebenszeit sinnlos an mir vorbeizieht. Will nicht einfach mein Leben absitzen. Mache sicherlich auch manchmal zu viele Dinge. Er ist eigentlich ganz gern zu Hause. Bis zu einem gewissen Punkt hat er sich darüber gefreut, dass ich ihn auch mal rausscheuche, aber das wurde auch ganz schnell Druck für ihn mein Tempo nicht mithalten zu können. Mehr Ruhe zu brauchen.

Und er hat noch eine schwierige Phase meines Ehrenamts abbekommen. Musste viel zuhören und auffangen. Fand am Ende seine Rolle doof. Ich mit meinen „Hobbys“ dauernd unterwegs und komme dann abhetzt und durch bei ihm an. Ich musste innerlich sehr schmunzeln. Wenn man als Frau mal jemanden brauchen kann, der einem den Rücken freihält in einer schwierigen Phase… Aber er hat mir auch wirklich viel bei meiner Wohnung geholfen. Das will ich an dieser Stelle nicht unterschlagen. Hätte er nicht müssen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Er spiegelt mir, dass es ihm ohne meinen Krempel besser geht und er das auch nicht mehr so haben will. Das glaube ich ihm teilweise, da ich auch sehe, dass ihm das Alleinsein schon auch zu kämpfen gibt. Aber er will sich wohl nicht ausgenutzt vorkommen. Das respektiere ich. Das soll er auch nicht.

Jetzt ist ein wenig Gras drüber gewachsen. Ich gewöhne mich wieder an mein Single-Leben. Aber die Nähe fehlt mir sehr. Vor Allem auch der überragende Sex mit ihm. Darüber muss ich noch ein paar Einträge schreiben… Ich hab die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass wir noch irgendeine Variante finden, die uns beiden mehr gibt als sie nimmt. Mir mehr Freiheiten lässt und ihm weniger Chaos macht, aber uns beiden Nähe und guten Sex

18 Kommentare zu “Beziehungsstatus „Wir schreiben wieder WhatsApp“

  1. Oooch Remi… Ja, Zusammenleben lernen ist schwer. Aber, Du hast der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass Ihr vielleicht einen Weg findet, Euch gegenseitig zu lassen, wie Ihr seid und doch die Euch verbindenden Sachen zu pflegen und zu genießen. Genau dafür wünsche ich Euch viel Glück! Es ist möglich! Weil das Leben ist bunt, jenseits der Konventionen, wie Du weißt…😉 Viel Erfolg! ❤️
    Liebe Grüße
    R.🐝

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  2. die ersten 12 meiner Beziehungsjahre war Aufräumen so der Hauptstreitpunkt… ich bin der Unordentlich.. mit den Kindern kam ich dann etwas aus dem Feuer.. die letzten 13 Jahre sind ganz harmonisch… Nicht aufgeben 😀

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  3. Es sind meistens Kleinigkeiten die eine Beziehung scheitern lassen, aber man kann weiter daran arbeiten,
    am besten auf neutrale Boden. Ich wünsche Dir viel Erfolg.

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  4. Schön dass Du wieder schreibst. 🙂
    Wieso geht der erweiterte Gaststatud nicht. Er hat Dir doch geholfen mit Deiner Wohnung. Nun müsst ihr doch nicht immer „aufeinander hängen “ bis ihr, oder du ihn nervst. Siehe es als Freiheit. Vielleicht entdeckt er dabei dass Du ihm fehlst und seine Toleranz steigt.
    Wenn es genug Punkte gibt die einen verbinden, dann sollte es einen gehbaren Weg für beide geben. Bestimmt. Es gibt nicht die ideale Partnerschaft. Es gibt nur ausreichend Toleranz.

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  5. Warum siehst du es so kompliziert? Ihr müsst euch doch nicht permanent auf der Pelle hocken. Jeder hat seine eigene Wohnung, man trifft sich für Sex oder andere Aktivitäten – alles ganz zwanglos. Wenn man sich nicht sehen mag, kann man sich, ohne sich rechtfertigen zu müssen, aus dem Wege gehen. Und wenn es überhaupt nicht mehr geht, nicht mal für Sex, dann c’est la vie.

    PS: Mir wäre es auch zu blöd, einem erwachsenen Menschen sagen zu müssen, dass er mal aufräumen soll. Ein Grundverständnis für Ordnung sollte schon vorhanden sein.

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  6. Haha, ja die Ordnung. Da können beide schon unterschiedliche Schwellwerte haben, ab denen sie anspringen und „wieder aufräumen“. Das kann wirklich zum Problem werden. Und wenn den einen dieses permanent nervt, den anderen dafür jenes und der jeweils andere das nicht ändert – oh ja, da kocht schnell das Feuer.

    Sich neue Schwellwerte zu schaffen ist nicht ganz einfach. Weil man es ja dann doch nur macht, weil es der andere so will. Und nicht, weil man es selbst so akzeptiert. Das ist glaub ich der Knackpunkt.

    Und die Hummeln, die werden sicherlich weniger mit der Zeit und du etwas ruhiger. 😉 Ich bin gespannt, ob ihr einen Konsens findet.

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  7. Dear Remi,
    Für mich (und meine Partnerin) in meiner langjährigen Beziehung ist wirklich das wichtigste, sich Freiraum zu lassen, das scheint bei Euch nicht so gut funktioniert zu haben.
    vermutlich wäre es besser bei getrennten Wohnungen geblieben – you never know…
    aber in einer frischen Beziehung ist einfach viel erotische Spannung, so das die kritischen Punkte erst später hochkommen.
    Life goes on… so oder so
    Herzlich Michael
    P.S. ich iebe Deinen Blog!!

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  8. Ganz ehrlich? Ich bin ziemlich erstaunt wie du speziell mit dieser aktuellen Situation umgehst. Ich lese schon länger immer mal wieder bei dir rein, und wann immer es irgendwie Beef gab in deinem Leben, hast du das gut reflektiert und die Bemühung, fair und selbstkritisch mit der Situation umzugehen, kam immer gut rüber. In dieser Situation erlebe ich dich auf einmal ganz anders. Es geht primär um dich, deinen Freiheitsdrang, der für mein Empfinden mit zunehmenden Lebensjahren immer größer wird, deine Interessen, deine Werte usw. usf. Verständnis für deinen in welcher Form nun auch immer gearteten Partner lese ich jedoch wenig heraus. Vielmehr kommt er als pedantischer Party-Pooper rüber, was ich nicht fair finde. Deine Forderungen an ihn sind kilometerlang, dir aber ist es zuviel (überspitzt gesagt), deine Socken beiseite zu räumen und den Klodeckel zu schließen. Für mein Empfinden versuchst du immer mehr, dir die Rosinen aus dem Kuchen zu picken. Das ist nicht fair. Ich denke, dieser Mann liebt dich wirklich, und das ist das, was dir tatsächlich angst machst. Die Angst vor Nähe, Bindung und Verbindlichkeit. In einem deiner vorigen Blogposts hast du das selbst angesprochen, und ich finde, gerade dieser aktuelle Post haut sehr schön in genau diese Kerbe. Vielleicht liegt es diesmal wirklich primär an dir. Könnte das sein?

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    • Hmm. wie antworte ich nun auf diesen Kommentar..
      Ich weiß nicht, was daran unreflektierter ist als sonst. Mein Freiheitsdrang wird nicht größer, sondern ist immer noch derselbe. Ich hatte mich ein halbes Jahr in eine quasi monogame Beziehung begeben, obwohl ich eigentlich weiß, dass das nicht mein Modell ist. Ich habe aber auch nicht festgelegte Erwartungen, wie ein Modell aussieht. Ja, nur ganz monogam habe ich auf Grund von mangelndem Erfolg des Modells in meinem Leben ausgeschlossen. Das habe ich sehr wohl reflektiert.
      Meine Beitrage sind immer subjektiv. Seine Variante sähe wohl ganz anders aus.
      Was sind denn meine Forderungen an ihn?
      Ich stehe viel mehr vor der generellen Frage, wie man löst, wenn unterschiedliche Level von Ordnungsliebe in eine Beziehung einbringt,
      Der Klodeckel und die Socken sind da nur kleine Beispiele.
      Kennst du meinen Kollegen, oder woher willst du wissen, dass er mich wirklich liebt? Dass ich mir die Rosinen picke? Dass er das nicht vielleicht auch tut….

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  9. Ich versuche es mal anders.

    Natürlich ist mir bewußt, dass Blogposts immer subjektiv sind. Dennoch habe ich dich trotz dieser zwangsläufigen Subjektivität bislang reflektierter erlebt. Beispielsweise im Zusammenhang mit Mr Bondage, der dich mit einigen für dich ziemlich fiesen Triggerpunkten konfrontierte (die anderen Subs, u.a. daraus resultierende Selbstzweifel usw), mit denen du, wie ich finde, einen wirklich guten und reifen Umgang gefunden hast. Da hat man irgendwie gesehen (oder sehen wollen, welche Formulierung dir besser gefällt ;)): man hat gemerkt, wie wichtig dir diese Beziehung und das Finden einer annehmbaren Lösung für dich ist. Ich bin mir sicher, da bist du relativ weit über deine bisherigen Grenzen hinausgewachsen. Bei deinem Kollegen erlebe ich dieses Engagement nicht so sehr. Natürlich hast du dich auch hier mit der Situation auseinandergesetzt, aber ich erlebe es als relativ halbherzig und bist irgendwie schneller mit einem „ishaltso“ dabei.

    Es wird immer so sein, dass die Person, in deren persönlichen Bereich du eintrittst, erstmal automatisch die Regeln macht (und ich z.B. habe kein Problem damit, mich in den „Hoheitsgebieten“ anderer erstmal „unterzuordnen“ – das übrigens ganz ohne submissive Persönlichkeitstendenz ;)). Speziell dann, wenn es sich um ältere Semester handelt, die evtl. auch schon länger allein gelebt haben. Völlig geschlechtsunabhängig. Ich glaube, euch beiden war das relativ wenig bewußt in dem Moment, als du in sein Leben und Wohnung getreten bist. Und ja, natürlich gibt es sehr unterschiedliche Formen von Ordnungsliebe. Ich kannte mal jemanden, der hat nach jedem Duschen das halbe Bad geputzt (und das mehrfach, wenn er Besuch hatte). Das fällt für mich schon unter die Kategorie „Neurose“. Ich erlebe es in deinem Bericht so, als ob du dir nur halbherzig Mühe gemacht hättest, dich seine Strukturen anzupassen/einzufinden. Daran zu denken, den Klodeckel zu schließen (beispielsweise) sollte eigentlich machbar sein. Das Rechtfertigen hierüber („bin in einer Familie aufgewachsen, wo der Klodeckel nie unten war“und „bin halt verpeilt“ (sinngemäß)) ist z.B. ein Punkt wo ich sage, du machst es dir einfach. Klar, ist nur ein Abriß der Gesamtsituation. Wenn er dir einen ganzen Plan in die Hand gedrückt hat, woran es zu denken gilt,sieht die Siutation natürlich schon wieder ganz anders aus. Keine Frage. Aber das weiß ich ja nicht. Ich kann mich nur auf das beziehen, was geschrieben steht.

    Bzgl. des Rosinenpickens: ich bin mir schon sicher, dass ihr beide Nutznießer eures Beisammenseins wart. Es geht mir auch gar nicht darum, deinen Kollegen (den ich übrigens nicht kenne) in Schutz zu nehmen. Ich meine herauszulesen, dass du ihm sehr viel bedeutest, denn ein Ordnungsfanatiker wird sich beispielsweise fünfmal überlegen, ob er jemanden in sein Leben holt, der ihm seine heilige Ordnung ins Chaos stürzt 😉

    Ich würde ich mich freuen, wenn sich das mit euch vielleicht im zweiten Anlauf etwas eingroovt. Für mich klang diese Verbindung trotz Widrigkeiten recht stimmig, und du wirktest eine Weile recht „angekommen“. Also kann das sooo verkehrt alles gar nicht gewesen sein. Und vielleicht hat es auch seinen Grund, dass dir das Schicksal jemanden schickt, der vielleicht etwas Struktur in dein Leben bringt und ihr im besten Fall auch auf anderer Ebene profitiert. Solche Verbindungen können echt anstrengend sein, das weiß ich aus Erfahrung, aber sie bergen auch jede Menge Potenzial, einen nach vorne zu bringen.

    Ich wünsche dir sehr, dass es sich für dich fügt.

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