Flaschendrehen für Erwachsene

Heute Abend habe ich meine Probleme durch Weglaufen gelöst. Eigentlich nicht meine bevorzugte Strategie. Aber ich hatte völlig unerwartet eine Art depressiven Schub. Wie wenn ich schon wieder PMS habe. Wie Hormone, die ich nicht kontrollieren kann. Das irritiert mich sehr, denn ich habe erst vor knapp zwei Wochen meine Tage noch gehabt. Und ich habe die letzten beiden Tage hart trainiert, was Launenschwankungen immer sehr eindampft. Aber nach einer Sitzung im Ehrenamt ist meine Laune plötzlich in den Keller gefallen. Ich habe mich unfair behandelt gefühlt. Eine Kleinigkeit, aber ich bin da nicht mehr rausgekommen. Das kenne ich sonst nur wenn ich meine Tage bekomme.

Jetzt habe ich die andere Club-Geschichte von Mr. Gentleman noch nicht fertig geschrieben. Aber ich muss auch diesen Abend mir von der Seele bloggen. Damit es mir besser geht. Mr. Gentleman hatte mich gefragt, was ich heute Abend anstellen würde und bot mir dann an, dass wir nach der Sitzung etwas gemeinsam unternehmen könnten. Er hätte so bis 23 Uhr Zeit. Der Gedanke ihn zu sehen freute mich sehr. Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass wir die Gelegenheit haben würden. Er schrieb mir aber auch gleich, ob ich nicht Lust auf FFM habe. Ein andere Bekannte hatte ihm auch gerade geschrieben. FFM, Puh. Ich mag doch nur ganz wenige Frauen. Aber bei einem Clubbesuch zu Dritt würde es ja noch andere Alternativen geben, da konnte ich es mir gut vorstellen. Als ich mich geistig schon auf den Clubbesuch eingestellt hatte, schrieb mir Mr. Gentleman plötzlich, dass er gerne auf eine private Party gehen wolle. Diese war wie eine Art Dategesuch auf der Rirarammel-Seite eingestellt. Dirty Games. Kleine private Party 5 Frauen, 10 Männer. Man konnte die Profile der Organisatorinnen und einiger weniger Teilnehmer angucken. Ein Model und eine Gogo-Tänzerin. Na wundervoll. Da passte ich ja Null rein. Ich schrieb ihm meine Vorbehalte. Er machte mir Komplimente und sagte, dass ich mir umsonst Sorgen machen würde. Dann auch noch so Schnöseltypen. Zumindest hinterließen die Profile diesen Eindruck. Wir könnten ja jederzeit gehen und seine andere Frau hat eine ähnliche Statur wie ich. Nicht überraschend, denn er mag ja ein wenig Kurven.

Alles in mir schrie Nein. Aber irgendwie wollte ich ihn nicht hängen lassen. Aber düstere Gedanken hingen über meinem Kopf seit der Sitzung und wollten nicht weggehen. Ich kam aus der schlechten Laune nicht raus. Aber ich mag ihn. Und raffte mich auf, mich aus meiner Komfortzone zu bewegen. Das war wirklich hart. Aber ich packte mein Rucksäckchen, wie für einen Clubbesuch. Ich fuhr dort hin. Die beiden warteten bereits im Auto. Es fiel mir schwer meine depressive Laune zu verbergen. Ich wollte das nicht an den beiden auslassen, schließlich konnten die beiden auch nichs dafür. Aber kam nicht aus dem Tief raus. Ich mühte mich redlich. Wahrscheinlich hätte ich der Welt einiges erspart, wenn ich einfach zu Hause ins Bett gegangen wäre.

Wir gingen Richtung der angegebene Adresse. Ein Mann geschätzt Anfang 50 sammelte uns ein. Er nahm uns mit in die Wohnung. Ich hab gar nicht abschließend verstanden, wer da eigentlich wohnte. Ein junge schlanke aufgestylte dunkelhaarige Frau begrüßte uns. Toter Fisch… Quasi kein Händedruck. Kurz drauf kam die zweite Organisatorin vorbei uns begrüßte uns mit Wangenküsschen. Ach, du hast zwei schöne Frauen dabei Floskel. Ja die beiden sahen aus wie Model und Gogo-Tänzerin. Wir zogen unsere Jacken und Schuhe im Gang aus und gingen dann ins Wohnzimmer. Dort waren noch ein paar Männer und eine Frau. Wir begrüßten alle mit Handschlag. Soweit erst mal ganz okay. Ich hatte noch keine Meinung zu den anderen. War so sehr mit mir beschäftigt, dass ich versuchte mich in eine hinterste Ecke zu stellen ohne interagieren zu müssen und einfach mal das Geschehen beobachten zu können. Zeit um mich mit der Situation zu akklimatisieren. Ich bekam einen Drink in die Hand gedrückt. Es fühlte sich an als hätten die Mädels es eilig loszulegen, mit was auch immer. Es sollte Flaschendrehen gespielt werden. Vorher gab es noch eine kleine Vorstellungsrunde. Die Gastgeberin begann und es wurde offensichtlich, dass unsere zwei Welten nichts eint außer Sex. Sie erzählte was von viel Geld in Club ausgeben für Getränke, deswegen Partys selbst organsieren…. bla bla blubb… Mittlerweile waren wir wirklich 10 Männer und 5 Frauen. Ein Teil war schon auf so privaten Feten, ein Teil war ganz neu. Ich erzählte was von doofer Sitzung und brauche noch ein wenig bis angekommen…

Dann ging es los – Flaschendrehen. Hab ich seit meiner Jugend nicht mehr gespielt. Ich fand es schräg, weil eigentlich nicht notwendig in dem Kontext. Beim Regeln erklären hieß es schon ’nur einmal Wahrheit‘ . Und man darf nur ein Veto gegen eine Aufgabe einlegen. Aha, nachdem man vorher in keinsterweise wissen konnte worauf man sich einlässt finde ich ein wenig krass, dass man nicht gefragt wird, ob man das auch möchte. Dann ging es los: Der erste drehte. Der war schon öfter auf so einer Party gewesen. Wirkte ein wenig arrogant. Die Flasche blieb stehen und zeigte immerhin nicht auf mich, sondern auf einen jungen Mann. Er entschied sich für Pflicht. Mutig dachte ich. Der, der gedreht hatte, sagte ohne lange zu überlegen, dass er strippen sollte, bis auf die Shorts. Alter, beim ersten gleich in die Vollen. Das fand ich ziemlich gemein. Das kriegte so was von die anderen Bloßstellen. Ich konnte gar nicht hingucken (ich hasse fremdschämen) als er sich ungelenk aus seinen Klamotten schälte. Spätestens jetzt war mir klar, dass ich im falschen Film bin. Die nächsten zwei die es traf entschieden sich für Wahrheit. Schon da sagte das Model immer: „Jeder darf nur einmal Wahrheit….“ Ich hatte sehr sehr sehr wenig Lust mich da zum Kasper zu machen. Wenn ich mich weigern würde, wäre ich der Idiot und wenn ich mitmachte auch. Was eine Auswahl.

Ich würde dem Model/Gogo-Gespann noch nicht mal Absicht unterstellen. Ich glaube nur deren Reflexionsvermögen geht nicht so weit, dass sie auf die Idee kommen, dass nicht alle Menschen so unglaublich scharf drauf sind sich sofort alle Klamotten vom Leib zu reißen. Dass das was sie treiben schon in Richung Mobbing geht. Dass der Gruppendruck in so einer Situation schnell ziemlich hoch wird. Na klar, wenn ich mit meinem Körper punkten kann und nur drauf warte endlich von allen bewundert zu werden, dann komme ich vielleicht nicht drauf, dass es nicht allen so geht. Irgendwann traf es Mr. Gentleman und er entschied sich mutigerweise für Pflicht. Und auch er sollte sich sein Hemd ausziehen. Tat er und beeindruckte mit seinen Tanzkünsten. Und dann blieb die Flasche in meine Richtung stehen. Ich sagte Wahrheit und wurde nach einer halben Ewigkeit gefragt, ob ich denn einen Fetisch hätte. Ich sagte: Bondage. Aber ich fühlte mich so unwohl. Ich flüsterte Mr. Gentleman zu, dass ich gehen würde und dass die beiden ihren Abend genießen sollen. Ich hoffte sehr, dass die andere kurvige Frau, die mit uns gekommen war den Rest des Abend nicht bloßgestellt oder vorgeführt wurde. Ich nahm es ihm nicht übel, dass er mich mitgenommen hatte. Schließlich wußte er ja auch nicht, wie es dort ablaufen würden. Dann packte ich wortlos meine Sachen, zog meine Schuhe und Jacke an und ging einfach. Ich lief vor der ganzen Situation davon. Auch an einem Abend mit besserer Laune wäre das eine Katastrophe geworden. Oberflächliches Geficke. Not my style. Mein dramatischer Abgang tat mir ein wenig leid für die beiden, die ich zurückgelassen hatte. Ich fuhr ins Motel One, setzte mich an die Bar und fragte Mr. Jazz, der in der Stadt war, ob er nach der Veranstaltung auf der er war, mit mir einen Absacker trinken wollte. Jetzt geht es mir wieder gut und ich freue mich darauf auszuschlafen.

15 Kommentare zu “Flaschendrehen für Erwachsene

  1. Warum taten Dir die beide anderen leid? Du hast alles richtig gemacht. Der Gentleman hat die Dich zu einer Sache überredet, die Du eigentlich gar nicht wolltest.
    Ich wäre auch abgehauen. Bin ich übrigens auch schon, zwar nicht von einer Sex Party, aber von einer Veranstaltung, die mir schon vorher suspekt war.

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  2. Einerseits hast Du ja schon geschrieben das es vielleicht besser gewesen wäre wenn Du nicht gegangen wärst. Aber oft hat man es ja auch, dass es dann ein toller Abend wird, weil man ohne Erwartungen in den Abend geht. Gut, so war es diesmal nicht. Also ist Deine Reaktion, also das Gehen, richtig und gut gewesen. Und niemand sollte oder braucht Dir da leid zu tun. Also keinen Kopf darüber machen!!! Lächel

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  3. Ich verstehe, dass du gegangen bist und meine Art von Party wäre es auch nicht gewesen! Für mich lebt Sex von gegenseitiger Anziehung, Knistern und nicht von Flaschen drehen und künstlich erzeugter Atmosphäre!

    Aber ich kann nicht verstehen, warum den Menschen auf der Party, den Vorwurf machst, dass sie andere vorführen würden? Wahrscheinlich ist das für diese Menschen einfach teil des Spiels, sie finden es geil, wenn sie im Mittelpunkt stehen und z.B. strippen dürfen. Meins wäre wie gesagt auch nicht, aber ich denke nicht, dass es Ziel der Party ist andere bloß zu stellen.

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  4. Deine Reaktion war doch okay? Du hast kein Drama gemacht, sondern hast Deinem Partner gesagt, dass Du gehst und gut ist. Den anderen bist Du ja keine Rechenschaft schuldig und wirst sie (wahrscheinlich) nicht mehr Wiedersehen.
    Mich würde interessieren, ob Mr. Gentleman sich meldet und ihr über sowas redet und wieder gemeinsam ausgeht. Drück‘ Dich.

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  5. Auch von mir große Achtung und Respekt vor deinem Schritt! Ich denke, dass es nur richtig ist, wenn man, gerade in einem solchen Kontext, auf sein Bauchgefühl hört. Und ich kann auch nachvollziehen, was du in Bezug auf Mobbing usw. schreibst. Klar, dafür müsste man wissen, mit welchem Hintergrund die Betreffenden da waren, wie ihre Erfahrungen sind, aber beim Lesen, wie du es schilderst, hatte ich auch einen fiesen Beigeschmack.

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