Ich werde in der Büroaffären-Hölle enden – der Dritte.

Ich hinke mit dem Schreiben immer noch ein wenig hinterher. Aber immerhin geht bei meiner Wohnung so langsam was vorwärts. Im Laufe des Novembers will ich meinen Umzug fertig haben.

Jetzt bin ich ein wenig länger als ein Jahr in meinem neuen Job. Ich liebe ihn sehr. Gehe nach wie vor jeden Tag gern in die Arbeit. Was auch viel mit meinen Kollegen und meinem Chef zu tun hat. Jetzt finden gerade Mitarbeitergespräche statt, was mich dazu zwingt über meinen Job nachzudenken. Ich hätte nicht gedacht, dass es bereits nach einem Jahr schon darum geht, wie ich mich weiterentwickeln kann. Eigentlich wollte ich mir über Karriere gar keine Gedanken machen. Aber es bleibt nicht aus, wenn sich vieles bewegt in einer Firma. Hat man eigentlich jemals das Gefühl adäquat bezahlt zu werden? Ich komme mit dem Geld aus. Aber man vergleicht sich automatisch mit den Kollegen. Wahrscheinlich überschätzt man die eigene Leistung dabei und ist irgendwie immer unzufrieden. Lustig, dass es mir auch so geht, obwohl ich dachte es wäre mir egal. Vermutlich muss man nur das Gefühl haben fair bezahlt zu werden. Am Gedanken Karriere zu machen schreckt mir eigentlich nur, dass ich das Gefühl habe, dass sich der Fokus im Leben dann noch mehr auf Arbeit verschiebt. Das wollte ich eigentlich nie.

Zuviel über die Arbeit geschrieben. Aber ist ja nicht so, das meine Arbeitsstelle nicht auch blogrelevantes liefern würde. Kollege Eins hat unsere Affäre, nachdem seine Freundin dahinter gekommen ist auf Eis gelegt. Es gab einen Versuch, dass wir uns kennenlernen, allerdings war ich an dem Abend nicht in der Stadt und konnte ihr Angebot nicht wahrnehmen. Die beiden haben Zuviel anderen Stress im Leben gerade, so dass das keine Relevanz hat. Aber das ist auch okay. Es läuft ja nicht davon. Nachdem ich eine ganze Weile ziemlichen Affärenkummer hatte, geht es jetzt eigentlich wieder. Ich hab mich damit abgefunden, dass zwischen uns nichts mehr läuft. und wir haben es geschafft, dass wir wieder entspannt miteinander umgehen. Wir blödeln immer noch mehr mit einander rum, also so die meisten Kollegen, aber alles im Rahmen. Ich mag ihn als Mensch nach wie vor sehr gerne und bin froh, dass wir das so unkompliziert hinbekommen haben. Mein zweiter Kollege Mr. Gere, mit dem ich ja so manches Mal durch die Clubs gezogen bin, ist mittlerweile in Ruhestand gegangen. Wir haben nach wie vor Kontakt, aber sehen uns halt nicht mehr jeden Tag. Ich glaube wir werden auch in Zukunft immer mal wieder ausgehen, aber irgendwie seltener.

Man sollte meinen zwei Affären in der Arbeit reichen, bzw. eigentlich waren es dann ja Null, weil die eine nicht mehr läuft und der andere Kollege nicht mehr da ist. Dann ergab es sich, dass ich mich intensiver mit einem anderen Kollegen unterhielt. Den fand ich immer schon sympathisch. Ich nenne ihn jetzt mal Mr. Kollege Unauffällig. Ein wenig nerdig. Knapp 20 Jahre älter als ich. Vermutlich der Typ Mann bei dem man gar nicht wirklich über sein Sexleben nachdenkt.

Jedenfalls habe ich an einem Nachmittag ihm mein Leid geklagt, dass ich einsam bin in meiner Stadt. Das war in der harten Phase der Wohnungssuche, da war ich ziemlich überfordert mit dem Gedanken, dass sich nun alles ändert. Ich glaube es hat in damals sehr verwundert aus zwei Gründen: zum einen habe ich ihn relativ weit in mein Seelenleben hineinblicken lassen. Zugeben, dass man einsam ist, kommt nicht so häufig vor. Ich hab mich da für meine Verhältnisse schon echt nackig gemacht. Aber ich habe auch gelernt, dass Menschen zu selten darüber reden, wie es ihnen wirklich geht und sich aber auch nichts ändert, wenn man Dinge nicht auch mal ausspricht. Zum Anderen hätte er mich vermutlich anders eingeschätzt. Dass die immer lustige Kollegin mit der großen Klappe nach der Arbeit auch manchmal einsam ist, das war so nicht zu erwarten.

Ich glaube, das war der Auftakt dazu, dass sich unsere Gespräch von normalen Arbeitsplatzgesprächen wegverlagerten und intimer wurden. Er erzählte mir irgendwann, dass er am Online-Dating macht… und so ergab es sich nach und nach, dass ich ihm irgendwann von meinem Blog und von der Rirarammelseite erzählte. Mit der Einschätzung, dass das Wissen darüber bei ihm gut aufgehoben ist und ich mich keine Sorgen machen muss, dass er es an die große Glocke hängt. Das brachte den Stein ins Rollen. Er war nicht verschreckt. Sondern gefühlt eher froh, dass es da auch in der Arbeit jemanden gab, mit dem man mal darüber einfach offen reden konnte. Damit wusste er natürlich auch von der Affäre mit den beiden anderen Kollegen. Ich sagte dem Kollegen, der noch da ist Bescheid, dass es noch einen Mitwisser gab. Ich fand das fair. Es hilft ja auch nix. Das geht nur nicht in die Hose, wenn man mit offenen Karten spielt und das habe ich getan. Eine Garantie hat man nie. Aber alle Beteiligten wissen worauf sie sich einlassen.

Kollege Unauffällig hatte durchaus in meinem Blog geschmökert und kam am nächsten Tag breitgrinsend ums Eck und fragte durchaus das ein oder andere nach. „Würde ich dich nicht kennen, dann würde ich nicht glauben, dass das alles stimmt, was da im Blog steht“ Ich grinste. Er deutete an, dass auch er deutlich wilder unterwegs ist, als man vermutlich annehmen würde und dass es da so das ein oder andere dunkle Geheimnis geben würde. Spätestens jetzt war mein Interesse geweckt. Menschen, die da ein wenig „Out of the box“ sind, finde ich immer spannend. Er ist aktuell Single, aber hatte durchaus die eine oder andere Affäre gehabt in letzter Zeit. Er nahm auch die meine Nicht-Monogamie positiv zur Kenntnis. Sehr spannend. Wir schrieben zwei Tage per WhatsApp hin und her und tauschten uns über Sex und das Leben aus. Irgendwann schrieb ich, dass ich gerade gar keine Couch habe, auf die ich mich am Feierabend legen könnte. Da lud er mich zu sich nach Hause ein. Ich freute mich. Erst einmal, weil uns beiden jemand zum Quatschen nach der Arbeit gut tun könnte. Gar nicht so sehr weil ich damit rechnete, dass was laufen könnte. Ich schloss es nicht aus, aber es wäre für mich auch sehr okay, wenn uns einfach gut verstehen und es schaffen mehr als Kollegen zu werden, also freundschaftlich. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass es schwierig werden würde, dass einer von uns beiden den ersten Schritt unternimmt. Ich bin ja anfangs eh immer zurückhaltend und er eigentlich so gar nicht der Typ der da mal sagt, wo es langgeht.

Irgendwann relativ spät Abends klingelte ich an seiner Tür. Er öffnete mir grinsend die Tür. Das war das erste Mal, dass wir uns im Nicht-Arbeits-Kontext trafen. Er zeigte mir seine Wohnung, relativ groß für einen Single. Aber sie war halbwegs bezahlbar. Er war voll ordentlich, alles strukturiert und aufgeräumt.. Ich fühlte mich wohl bei ihm. Wir chillten uns auf die Couch, kuschelten relativ schnell. Ich würde in der Büroaffären-Hölle landen, wenn ich jetzt auch noch mit einem dritten Kollegen eine Affäre anfange, dachte ich mir.. Noch könnte ich einfach gehen. Aber es war schön bei ihm…

 

3 Kommentare zu “Ich werde in der Büroaffären-Hölle enden – der Dritte.

  1. Ich konnte mit dem Spruch „Don’t fuck the Company“ noch nie so wirklich was anfangen. Wenn es passt, dann passt es eben. Belastend wird es nur, wenn man sich irgendwie nicht mehr „riechen“ kann und trotzdem auf Arbeit miteinander auskommen muss. Nur mit dem Chef sollte man sich nicht einlassen. Dann zieht man nachher immer den Kürzeren.

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