Benutz mich – als Trostpflaster

Zur Zeit passiert viel in meinem Leben. Vielleicht weil ich Zeit hatte. Es tut mir ja wirklich leid, dass in meinem Leben so ein Kommen und Gehen herrscht. Ist wahrscheinlich gar nicht so leicht, bei den immer wieder neuen Männern den Überblick zu behalten. Manche haben sich auch einfach so schleichend verabschiedet, so dass ich nie über das Ende geschrieben habe. Manche verschwinden für eine Weile in eine Beziehung und melden sich dann wieder, manche sind für immer weg.

Ein neuer Mann ist in mein Leben gehüpft. Erst mal ganz unspektakulär. Er hat mich auf der Rirarammelseite nach einem Date gefragt. Seine Mail ist erst untergegangen. Aber er war schlau genug, das nicht persönlich zu nehmen und nochmal nachzufassen. Abendessen und quatschen – guter Ansatz. Gucken, ob man sich versteht, dann kommt der Sex, wenn es passt schon von ganz allein. Das mit dem Essen ist aber irgendwie versandet. Bis er mich auf einen Kommentar auf meiner Pinnwand hin, dass mein Wanderpartner abgesagt hatte anschrieb, dass er auch Lust hätte raus in die Natur zu gehen. Er unterfütterte das mit einem konkreten Tourenvorschlag und zack da klappte es mit dem Date. Es war perfekt. Einfach einen Tag draußen zu verbringen. In der Natur. Neben Sex, Reisen und Essen, mache ich das am allerliebsten, aber irgendwie zu selten.

Rein in die Bergschuhe, den Rucksack umgehängt und los ging es. Bin vermutlich eher ein langsamer (noch) Wanderpartner, aber zäh. Mein Wanderpartner war wenige Jahre älter als ich, sportliche Figur, dunkle Haare, hübscher Mann. Der Typ Rennradfahrer. Und wirklich nett. Mein Unsicherheit, dass er mich nicht attraktiv/spannend finden könnte, verflog schnell, da er den Eindruck erweckte an mir als Menschen interessiert zu sein. Wandern mit einem spannenden Gespräch. Das ist nur mit gutem Sex zu toppen. Fast.

Ich nenne ihn Mr. Montage, weil er einen nicht unerheblichen Teil seines beruflichen Lebens für seine Firma irgendwo anders verbringt. Er ist seit kurzer Zeit Single. Hat eine langjährige Beziehung hinter sich, die unter anderem an mangelndem Sex gescheitert ist. Irgendwann war er fremd gegangen, es ist rausgekommen und sie haben sich getrennt. Eine klassische Geschichte. Bis dahin gar nicht so ungewöhnlich. Aber irgendwann erzählte er mir, dass er beim googeln vor einiger Zeit auf meinen Blog gestossen war und dieser sein Interesse an Sex wieder geweckt hatte. Woraufhin er zum einen die Affäre angefangen, aber auch sich auf der Rirarammelseite angemeldet hatte. Und mich dann doch irgendwann angeschrieben hat. Das ist sehr verrückt. Ich fühle mich ein ganz klitzekleines bißchen schuldig. Und ein klitzekleines bißchen gläsern.

Auch meine Geschichte hat ja mit einem Buch begonnen, das meine Lust auf Sex wiedererweckt hat. Nur war das eben ein Weltbestseller. Bei ihm ist es mein Blog. Das finde ich sehr verrückt. Aber es macht mich auch ein kleinwenig Stolz. Dass meine Worte ein klitzekleines bißchen Einfluss auf das Leben anderer Menschen haben. An dieser Stelle lässt sich trefflich streiten, ob dieser Einfluss nun positiv oder negativ ist. Immerhin habe ich damit eine Beziehung auf dem Gewissen – Stand heute. Plötzlich war klar, dass er ziemlich viel über mich weiß und ich wenig über ihn. Der Mann mit der sehr überschaubaren Anzahl an Sexualpartnerinnen, der meiner Einschätzung nach eher ein Mensch für monogame Beziehungen ist, trifft sich mit der Sexbloggerin, die wenige Gelegenheiten in den letzten Jahren ausgelassen und der Monogamie abgeschworen hat. Verschiedener könnten die Welten nicht sein, die in uns aufeinander treffen. Aber das macht es auch spannend.

Um so erstaunter war ich, als er mich auf dem Heimweg fragte, ob ich noch mit zu ihm auf ein Abendessen kommen will. Mutig. Ich hatte damit gerechnet, dass wir nach der schönen Wanderung und dem guten Gespräch einfach wieder auseinander gehen, weil ich mich nicht fragen traue, weil mich hübsche Männer immer verunsichern. Plus ich ihm einfach mal eine Runde zu erfahren bin. Was es Männern erfahrungsgemäß gar nicht so leicht macht, die Initiative zu ergreifen. Ich hatte Lust, denn es fühlte sich danach an, als würde das den schönen Tag noch runder machen. Es war so herrlich unkompliziert alles. Er kochte, ich duschte, er duschte, Essen, reden, Couch. Irgendwann fragte er mich, ob ich übernachten wolle. Och, naja Lust schon, aber dann musste ich am nächsten Tag in der Arbeit mit Klamotten erscheinen, die ich noch auf der Rückbank im Auto zufällig finde. Denn ich in meinen Wander-Sportklamotten konnte ich natürlich nicht ins Büro gehen. Aber mein innerer Rockstar sagte „Scheiß auf das Outfit in der Arbeit und bleib“. Also blieb ich. Badetasche und ein frisches Höschen hatte ich noch im Auto liegen, weil ich von der letzten Reise die Tasche noch nicht aus dem Auto geräumt hatte. Hihi. Manchmal ist das ja glatt mal für was gut.

Bis dahin war noch gar nichts zwischen uns gelaufen und ich dachte, dass wir einfach kuschelnd einschlafen würden und gut. Aber auch das hätte mir was gegeben. Ich hatte keine Erwartungen. Er lieh mir ein Schlaf-Tshirt. Wir gingen ins Bett. Ich hatte Lust auf Nähe und kuschelte mich an ihn hin. Und dann doch. Aus Kuscheln wurde streicheln. Er ließ sich sehr bereitwillig von mir begrabbeln. Was einen sensationellen Body er doch hat. Rrrr. Perfekt trainierter Hintern. Wahnsinnsschultern. Leichter Waschbrettbauch. Nicht, dass das sonst den Ausschlag geben würde, aber wenn ein netter Typ, dann noch so ein Leckerbissen ist. Wohooo. Lottogewinn. Und er kann auch noch küssen. Fast schon der Jackpot.

Manchmal wenn ich Männer date, die mein Blog gelesen haben, sind die völlig gefangen in der Frage, was ich wohl über sie schreiben würde. Ich glaube, er hat nicht einen Gedanken daran verschwendet. Falls ihn mein mehr an Erfahrung irgendwie beeindruckt hat, dann hat er es sich in keiner Sekunde anmerken lassen. Ich hingegen konnte nicht abstellen, dass ich innerlich immer mal wieder schmunzelnd seinen Mut bewunderte. Sein Vertrauen auf das eigene Vermögen. So cool. Wir hatten ganz klassischen Sex. Vorspiel-Blowjob, er leckte und fingerte mich (Dabei merkte man, dass er aus einer Beziehung kam und bisher nicht seine Zeit damit verbracht hat, der ausfuchsteste Frauenkörperversteher zu werden) Das heißt nicht, dass er sich schlecht anstellte. Er konnte gar nicht aufhören zu knutschen. Dann fickte er mich. So gut. Er hatte einen Orgasmus, ich kam gefingert mit Nachhelfen. Der schönste Moment war falsch herum im Bett zu liegen danach und sich nah zu sein. Als wir dann eigentlich schlafen wollten, konnte ich meine Finger nicht von ihm lassen. Ich merkte, dass er schon wieder konnte und fing sofort erfreut an ihn zu blasen. Bis er mir gestand dass wir das einzige Kondom, dass er da gehabt hatte, ja gerade schon verbraucht hatten. Hihi. Na gut. Dann halt nur ein Blowjob. Am nächsten Morgen übermüdet in die Arbeit, in unzusammenpassenden Klamotten. Mit dem Grinsen über die letzte Nacht im Gesicht. So gut.

Ich hatte keine Ahnung, was aus dieser Nacht werden sollte. Ich fand ihn attraktiv, aber hatte Zweifel, dass er mit meinem Lebenswandel auch in stark abgeschwächter Form auch nur irgendwie klarkommen würde. Am Besten einfach auf uns zukommen lassen. Nach ein wenig holpriger Kommunikation sahen wir uns eine Woche später wieder. Er war überraschend reserviert. Wir kuschelten auf der Couch und sahen fern. Kein Kuss. Ich blieb wieder übernacht. Als wir ins Bett gingen, kuschelten wir. Und ich begrabbelte ihn wieder, wie schon beim ersten Mal. Knutschen und blasen. Er fingerte mich. Aber es flog nicht so recht. Er wirkte abwesend. Irgendwann stellte ich meine Blasebemühungen ein und kuschelte mich wieder an ihn hin. Dann schüttete er mir sein Herz aus. Seine Affäre hatte die Affäre heute wirklich beendet. Beziehungsweise den Versuche eine Beziehung aus der Affäre zu machen. Sie wollten das wohl beide, aber in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Er konnte nicht so schnell wie sie, weil er ja gerade erst aus seiner Beziehung kommt und auch Dinge wegen seiner Kinder nur langsam angehen will. Er war an diesem Abend also liebesverkummert und brauchte eine Schulter zum Anlehnen. Ich versuchte zuzuhören und nicht so superschlaubischlumpfige Ratschläge zu geben. Auch schön mal als Schulter zum Anlehen gebraucht zu werden. Auch wenn ich nun noch weniger Ahnung habe, was das mit uns eigentlich so ist und ob er das überhaupt will. Und warum er das beim ersten Mal wollte. Und damit meine ich auch den Sex. Es wird sich zeigen.

Erleichterung

Ich hatte völlige Funkstille mit dem „Ehrenamtskollegen“. Die anderen Kollegen haben sich mit Sicherheit schon gewundert, da wir voher wie die Weltmeister rumgeblödelt hatten. Nach 5 Tagen mit überwiegend Schweigen und am Ende Ignorieren ergab es sich, dass wir uns im Gang am Drucker trafen. Wir sprachen über was Arbeitsinhaltliches. Er sah mitgenommen, müde und abgekämpft aus. Konnte ich voll nachvollziehen, mir war es auch Scheiße gegangen, hatte gelitten unter der Situation. Ich sagte: „Dir gehts scheiße oder. Zumindest siehst du echt so aus. Mir im Übrigen auch“ Und dann sprachen wir uns aus. Mitten im Gang, zwischen den Kollegen. Der konkrete Inhalt des Gesprächs ist gar nicht so wichtig. Jedenfalls ist zwischen uns erst mal alles wieder okay. Wir reden miteinander und werden, wie vorher auch, wieder Rumalbern miteinander. Der Rest wird sich fügen. Damit kann ich gut leben. Es ist nicht ausgeschlossen, dass mich seine Partnerin wirklich kennenlernen möchte. Mal sehen, was die Zukunft bringt. Ich hatte ja kurz befürchtet, dass mich mein Bauchgefühl im Stich gelassen hat. Dass ich ihn falsch eingeschätzt habe. Aber jetzt sieht es nicht mehr danach aus. Was eine Erleichterung, dass die Funkstille weg ist. Dass wir einfach ganz normal wieder miteinander sprechen. Schweigen ist schon echt eine Qual. Ein hartes Mittel.

Völlig unkritisch im Übrigen meine Affäre zu dem älteren Kollegen mit dem ich auf den HÜ-Partys war. Unser Umgang miteinander hat sich überhaupt nicht verändert dadurch.

Nachdem sich jetzt erst mal alles wieder beruhigt hat, kann ich dann in Ruhe den Rest meiner Erlebnisse nachbloggen. Nach dem Regen kommt die Sonne, denn auch im restlichen Leben tut sich was. Morgen Vormittag habe ich nun erst mal einen Besichtungstermin für eine Wohnung. Über Vitamin B. Plötzlich ist eine Option da, aus dem Nichts. Eigentlich kann da nicht mehr wirklich viel schief gehen. Preis wäre perfekt, Lage gut. Morgen weiß ich mehr. Es würde meinem Leben gut tun.

Und auch die Waage zeigt mir aktuell sehr freundlichen Zahlen. Intervallfasten und dauerhafte Ernährungsumstellung lassen mich langsam aber stetig abnehmen und die Waage war sehr nett zu mir heute morgen. Ich habe es auch trotz des Gefühlsstresses geschafft, mich weiterhin ordentlich zu ernähren und weder Frust zu Fressen oder zu Trinken. Das ist gut. Der Moment, wenn man mal wieder Kleidungsstücke aus dem Schrank holen kann, die man eine ganze Weile nicht mehr angehabt hat.

Dein Mann, Du und ich

Liebe Freundin meines Kollegen,

eigentlich habe ich nicht die geringste Ahnung, wie man der Partnerin eines Mannes schreibt, mit dem ich eine Affäre angefangen habe. Vielleicht sollte ich mit einem aufrichtigen „Es tut mir leid“ anfangen, falls ich dir damit seelische Schmerzen bereitet habe. Das war nicht meine Intention. Das Ziel war und ist auch nicht irgendetwas an eurer Beziehung zu ändern. Dass er dich von ganzem Herzen liebt und du seine Traumfrau bist, daran hat er nie Zweifel gelassen. Das war auch für mich immer außer Frage gestanden. Aber ja, er und ich, wir mögen uns. Kann man das aushalten? Für mich ist das gar nicht so abwegig, da ich an polyamore Beziehungen glaube. Daran, dass man für mehr als einen Menschen Gefühle haben kann.

Ich hatte aus der Tatsache, dass ihr ein Joyprofil habt erst mal den falschen Schluss gezogen, dass ihr euch sexuell Freiheiten gönnt und war dann erstaunt, als mir klar wurde, dass das nicht so war bisher. Man soll nicht von sich auf andere schließen, ich weiß. Ihr seid D/s-mäßig unterwegs. Nicht polyamor. Und ja ich habe schon auch darunter gelitten, dass ich da in was Heimliches geraten bin. Ich bin erleichtert, dass du es weißt. Ehrlich erleichtert. Erleichtert, dass du ihn zur Rede gestellt hast. Dass ihr wohl ein gutes Gespräch hattet. Euch ausgesprochen habt. Etwa zur selben Zeit, als ich den Eintrag gestern geschrieben habe.

Nachdem ihr ein gemeinsames Profil auf Joy habt, ist es nicht sehr verwunderlich, dass du mein Blog gefunden kennst, dass du erkannt hast, wer er ist. Dass ich mich einer Hilfskonstruktion bedient habe, um über ihn zu schreiben können. Es war echt schwierig für mich abzuwägen, schreibe ich darüber oder nicht. Wenn er küsst lässt es einen nicht kalt. Er weiß, was er tut. Weiß, wie er eine Frau anfassen muss. Man kann mit ihm lachen, reden, verrückte Dinge tun. Das wirst unendlich viel besser wissen, als ich. Aber es hat mich nicht kalt gelassen. Es war in meinem Kopf, er ist da herum gegeistert. Ich schreibe in meinem Blog mir immer die Dinge aus dem Kopf, die darin herumgeistern. Dadurch, dass wir Kollegen sind, sehen wir uns oft. Er ist immer präsent. Lässt sich nicht verdrängen.

Andererseits habe ich aber auch den Vorsatz nie eine Beziehung zu gefährden. Das war bisher immer mein mir selbst gegebenes Gesetz. Das habe ich insofern verkackt, weil du Bescheid weißt. Darüber ärgere ich mich. Aber es ändert nichts daran, dass ich nichts an eurer Beziehung ändern will. Auch wenn ich ein wenig in ihn verschossen bin.

Wenn du es aushalten kannst, würde ich mich freuen dich kennenzulernen. Wir wären uns früher oder später sowieso mal in einem Club über den Weg gelaufen, vermute ich. Aber eigentlich ist es mit Offenheit viel schöner. Immerhin lag ich mit dem Bauchgefühl richtig, dass eure Beziehung auf einem so tragfähigen Fundament steht, dass euch das nicht komplett aus der Bahn werfen wird. Das ist beneidenswert. Es gibt mir aber auch die Hoffnung, dass es für mich da draußen auch noch einen Mann gibt, der für mich so ist, wie er für dich. Er war auch erleichtert heute.

Keine Ahnung, wohin das mit uns zwei führen wird. So eine Situation hatte ich noch nie. Aber du bist cool. Handhabe es so, wie es für dich passt.

LG Remi

Würde unseren unglaublich guten Fick gegen eine Freundschaft tauschen…

Nur lesen, nicht bedauern, nicht meine Probleme lösen. Es muss nur aus dem Kopf.

Vermutlich bin ich ziemlich verschossen in den Ehrenamtskollegen und eigentlich müsste ich noch so viel nachschreiben, was so alles mit ihm passiert ist. Mal sehen, ob ich das noch hinbekomme. Viele Gedanken in meinen Kopf heute. Bin sehr gequält. Muss mich erleichtern und schreiben. Ich hoffe es gibt am Ende Sinn, was ich zu Papier bringe.

Ich bin auf der Suche nach einer neuen Wohnung, weil ich das Gefühl hatte, dass sich was ändern muss. Bisher ohne Zeitdruck. Bis heute morgen. Da habe ich mitgeteilt bekommen, dass ich mir bis zum Jahresende was Neues suchen soll. Eigentlich nicht schlimm. Aber irgendwie doch. Aus mehrerlei Gründen. Ich wäre lieber gegangen, bevor man mich loswerden will. Das ist aber nur ein kleiner Randaspekt, der mich quält. Ich habe versucht, was zu finden, was nicht so weit weg ist von da, wo ich bisher war. Bisher sehr sehr frustrierend, weil mir klar wird, dass ich vermutlich überhaupt keine Wahl habe, sondern nehmen muss, was ich kriegen kann. Hier hatte ich zumindest noch meinen Ex als Ankerpunkt, mit allem Für und Wider. Jetzt habe ich Zeitdruck und es muss halbwegs schnell gehen. Und zack die mega Blockade im Kopf. Ich habe Angst, dass wenn ich ans andere Ende der Stadt gehe, werde ich komplett vereinsamen. Dann kommt zu dem Faktor, dass mich der Umzug zwingt, endlich was zu tun, was ich lange vor mir herschiebe, nämlich mein Leben zu entrümpeln, auch noch ins kalte Wasser zu springen. Ich hätte gern nur ersteres getan.

Ich habe vor ein paar Jahren einen Blogeintrag über Einsamkeit und keinen besten Freund zu haben geschrieben. Daran hat sich nichts geändert. Kein bester Freund/in da. Ich habe immernoch meine Freunde, die ein Stück weg wohnen. Aber die Treffen sind seltener geworden. Deren Leben haben sich weiterentwickelt mit Familie oder Haus. Bin nicht ganz einsam insofern ich in der Not immer weiß, bei wem ich mich melden kann.

Aber bin doch einsam hier. Ich LIEBE diese Stadt, in der ich bin. Hier ecke ich mit meinem Lebensentwurf nicht an. Ich will auf keinen Fall weg. Bin glücklich im Job. Aber einsam. Ich habe jeden Abend, wenn ich keinen Termin habe, einen Kater, wenn ich aus der Arbeit nach Hause gehe. Ich liebe meine Kollegen. Die Zeit in der Arbeit. Wir lachen viel, ich kann sein wie ich bin (mit all meinem Sexzeugs). Dann gehen alle heim in ihr gefestigtes Leben, in dem Freunde und ein Partner auf sie warten und ich bleibe einsam zurück. Hoffe, dass schnell der nächste Arbeitstag kommt. Und habe dann nach Feierabend wieder einen Einsamkeitskater. Sonst kompensiert sich das mit einem Zweitjob der Zeit bindet und viel Ehrenamt. Aber in der Ferienzeit habe ich auf der einen Seite zum Glück mal weniger Termine, deswegen kann ich schreiben. Aber auf der anderen Seite mehr Zeit in der mir auffällt, wie allein ich bin.

Der Ehrenamtskollege – wir haben zwischenzeitlich eine ziemlich intensive Affäre begonnen. Ich hab mich mal wieder unglücklich verknallt, wobei ich bin mir gar nicht so sicher, ob ich wirklich verknallt bin. Ich denke dauernd an ihn. Er fühlt sich so seelenverwandt an. Verknallt sein in einen vergebenen Mann wäre nicht so das Problem. Da hab ich ja nun in den letzten Jahren ein wenig Expertise angesammelt. Das geht wieder weg. Und ich habe und werde auch dieses Mal keine Beziehung zerstören. Lieber als eine Beziehung hätte ich ihn als guten Freund. Keine Ahnung, ob das ohne Affäre was geworden wäre. Vermutlich ist auch das mit einer Beziehung meist nicht so einfach, wenn da jemand irgendwie dazu kommt. Aber durch die Affäre bin ich die Frau, die er versteckt. Das hat mich noch nie so sehr gequält, wie bei ihm. Vermutlich auch weil die Einschränkungen, die er mir macht größer sind. Ich kann ihm nicht einfach Nachrichten schreiben, so wie den meisten anderen Affären. Nur zu bestimmten Uhrzeiten. Is nix mit einfach einen Freund um Rat fragen. Das quält mich richtig. Ich mag ihn doch einfach als Menschen so sehr. Auch wenn ich eigentlich keinen Kuss, keine Berührung, keinen Fick und keinen Blowjob mit ihm missen möchte, weil sie sensationell gut waren. Aber vielleicht wäre die Nummer mit der Freunschaft dann irgendwie geworden. Jetzt fühlt es sich ein wenig nach Sackgasse an, aus der ich nicht weiß, wie ich rauskommen soll. Mal sehen, was mir als Kompensation einfällt.

Hatte ihn vorhin, als mich viele Gedanken gequält hatten, angeschrieben und gefragt, ob ich ihm schreiben darf. Die Anwort war Nein. Ich weiß, er meint es überhaupt nicht böse. Er kann nur meine Hoffnungen/Erwartungen nicht erfüllen. Das konnte ich auch nicht erwarten.

Jetzt sind die Gedanken fürs erste aus dem Kopf und die Seele fühlt sich ein wenig gereinigt an. Es geht mir besser als vor 800 Wörtern.

One more night …

Noch eine Nacht schlafen, dann weiß ich Bescheid. Dieses Warten ist irgendwie doof. Aber wird jetzt auch noch rumgehen.

Nach dem verunglückten Sex mit dem Piraten, schlief ich mich in meiner Unterkunft erst mal aus und verbrachte den Tag dann weitestgehend mit googeln. Und nahm die Pille danach. Ich hatte Respekt von den Hormonhämmern. Und mein Hirn erst mal so: Hoffentlich wirkt das südafrikanische Zeug auch wirklich. Um mir im zweiten Moment zu denken: Warum sollte die Pille hier schlechter sein als zu Hause. Oh Mann… was denke ich nur. Und spielte in meinen Gedanken den Moment durch, wie ich im Dorf meiner Eltern mit einem dunkelhäutigen Kind ohne Vater ankomme. Das ließ mich wirklich schmunzeln. Aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Auch wenn ich mir relativ sicher war, dass es zyklusmäßig der falschen Moment gewesen wäre. Lieber auf Nummer sicher gehen.

HIV-Rate in Südafrika verhältnismäßig hoch. Aber auch wenn infiziert, muss nicht ansteckend sein. Ansteckungswahrscheinlichkeit bei heterosexuellem Verkehr relativ gering. Las mir auch alles über die anderen STIs durch und würde das im Auge behalten. Trug mir den Testtermin nach 6 Wochen in den Kalender ein. Und beschloss dann, es eh nicht ändern zu können und den Rest meines Urlaubs zu genießen. Ich hatte noch zwei Abende. Die würde ich beide mit Tatenda verbringen. Den ersten hatte er frei, den zweiten musste er arbeiten. Und ich bereue gerade sehr, dass ich diesen Eintrag nicht früher geschrieben habe. Mein Erinnerung ist schon sehr vage. Wir knutschten, würden wieder in der Kiste landen. Er zeigte mir ein Hotel, zwar kein Stundenhotel, aber schon eher so eine Pärchenausweichmöglichkeit, als normale Unterkunft. Ich schmunzelte kurz, wie selbstverständlich er wußte, wohin man gehen konnte. Aber als ich drüber nachdachte fiel mir auf, dass es gar nicht so sehr an Seitensprüngen liegen musste. Er wohnte zwar nicht im Township, aber auch dort wo er wohnte, teilte man sich mit mehr Familienmitgliedern eine Bleibe, als bei uns so üblich ist. Er hatte mir auch seinen Bruder vorgestellt, was ich sehr kurios fand. Aber das führt auch bei ganz normalen Paaren dazu, dass sie manchmal einfach einen Ort zum Ungestört sein benötigen.

Das Zimmer war sehr karg. Ein Bett und ein Tischchen. Wie immer musste ich über die Blicke des Rezeptionisten schmunzeln. Dass einer eine weiße Frau mit in diese Location bringt ist eher nicht so üblich. Ich würde da allein auch nicht hingehen. Aber ich war gewillt mich darauf einzulassen, keine deutschen Standards anzulegen. Ich erinnere mich an keine konkreten Details mehr. Außer dass der Sex besser war, als beim ersten Mal. Er schaffte es einen Gang runterzuschalten. Es langsamer angehen zu lassen. Mehr streicheln, nicht gleich reinstecken und durchnageln. So ganz einfach war es für meinen Kopf nicht durch die geplatzte Kondom-Geschichte vom Vortag, was ich nicht thematisieren wollte. Aber ich achtete darauf, dass alles Safe ist. Und wir verwendeten seine Kondome. Nicht, dass ich da wieder mit meinen zu kleinen europäischen Standard-Dingern ankomme. Er weiß besser was passt, als ich.  Sex war gut, aber auch sonst fühlte es sich menschlich einfach gut an zwischen uns. Was auch bleibt ist das Gefühl für ihn wirklich attraktiv gewesen zu sein, mit jeder Kurve meines Körpers. Es gibt Menschen mit denen hat man einfach gleich den richtigen Draht. Wir lachten viel und kuschelten zusammen. Eine schöne Urlaubsaffäre. Er ließ mich nicht gern gehen, merkte ich ihm an. Er fragte auch, wann ich wiederkommen würde. Aktuell sieht es eher nach nicht so bald aus.

Nach meiner Rückkehr schrieben wir noch eine Weile hin und her. Seit ein paar Tagen sehe ich auf WhatsApp nur noch einen Haken. Möglicherweise hat er mich blockiert. Versuche das entspannt zu sehen. Ansonsten habe ich immer noch Kontakt zu einer Freundin von ihm. Die kann ich notfalls mal fragen, was mit ihm los ist.

Wenn das morgen noch gut ausgeht, dann war es ein Wahnsinnsurlaub. Ich hab das Alleinreisen nicht eine Sekunde bereut und werde es mit Sicherheit wieder tun. Auch das hat mir viel gegeben, dass es so cool war, obwohl ich echt Respekt hatte vor dem Alleinreisen. Welt ich komme. Nicht mit dem Vorsatz überall zu vögeln. Aber offen auf Menschen zuzugehen.

Geghosted

Ich sitze gerade bei Freunden auf der Couch, bin mal wieder in den Norden gefahren. So wie letztes Jahr um die Faschingszeit auch. Mit dem Unterschied, dass ich letztes Jahr Tom noch getroffen habe. Eintrag hier nach lesbar. Wir hatten unter dem Jahr mal noch losen Kontakt. Direkt nach dem letzten Treffen war es mehr Kontakt , dann übers Jahr verteilt, war es weniger geworden. Ich war letztes Jahr nur zu Fasching in den Norden gefahren. Also gab es auch keine weitere Gelegenheit für ein Treffen. Das letzte Mal hatten wir im August mit einander geschrieben. Wir hatten quasi gemeinsam per WhatsApp miteinander masturbiert. Es hat sich nichts daran geändert, dass ich finde dass er ein wirklich toller Mann und Mensch ist, der sowas von genau mein Beuteschema wäre. Ich habe mir eigentlich nicht viel dabei gedacht, dass wir seit August keinen Kontakt hatten. Es gab immer mal wieder Phasen in denen wir nicht geschrieben hatten. Nur dass wir uns keine Neujahrgrüße geschrieben haben war anders.

Ich schrieb ihm also in der Woche bevor ich hierher gefahren bin per WhatsApp, dass ich kommen würde und auch hoffe, dass es ein Wiedersehen zwischen uns gibt. Schickte die Nachricht ab. Ich merkte dann zwei Tage später, dass die Nachricht nur einen Haken hatte. Hmm, hatte er mich auf WhatsApp blockiert? Jetzt wurde ich doch stutzig. Lass nochmal unsere letzten Chats durch, ob ich was verpasst hatte. Er hatte mich vor unserem letzten Treffen schon mal aus seinen Kontakten gelöscht, dass aber dann wieder zurückgenommen. Dieses Mal war mir nicht bewußt, dass ich irgendetwas vorgefallen war. Hmm, sehr seltsam. Ich dachte eigentlich, dass unser loser Kontakt für uns beide okay war. Für einen kurzen Moment machte ich mir Sorgen, dass ihm was passiert sein könnte und fing an seinen Namen zu googeln. Da er doch das ein oder andere Ehrenamt macht, würde ich damit zumindest nachlesen können, ob bei ihm alles okay ist. Und ich musste erstmal wirklich hart nachdenken, wie er denn eigentlich mit ganzem Namen heißt. Als es mir wieder einfiel, googelte ich ihn und es schien alles okay mit ihm zu sein. Hieß aber, dass er mich auf WhatsApp wohl blockiert haben musste. Der Gedanke traf mich ehrlicherweise schon ein wenig.

Ich überlegte lange hin und her, ob ich es damit nun bewenden lassen wollte. Sollte ich einfach akzeptieren, dass er mich aus seinem Leben gelöscht hatte – Ghosting at its best? Wir eigentlich immer nur per WhatsApp kommuniziert. Anrufen ist wohl eher heikel bei ihm. Ich habe mich immer an unsere vereinbarte Form der Kommunikation gehalten. Er hatte eben nicht wie Mr. Bondage eine offene Beziehung, sondern hatte das immer heimlich getan. Das nahm in seinem Leben mal mehr und mal weniger Platz ein.

Das ganze geisterte mir ein paar Tage im Kopf umher. Ich merkte, dass ich so ein Ende nur schwerlich akzeptieren konnte. Also entschloss ich mich, ihn anzurufen. Wählte eine Zeit in der ich mutmaßte, dass er sicher in der Arbeit sein würde. Wählte die Nummer, die ich von ihm abgespeichert hatte. Ich hatte mir eigentlich keine Gedanken gemacht, was ich zu ihm sagen wollte. Es klingelte ganz normal. Ein gutes Zeichen. Er schien zumindest seine Nummer behalten zu haben. Immerhin. Es klingelte wenige mal, dann ging er ran und sagte seinen Nachnamen. Ich war sehr perplex im ersten Moment. Keine Ahnung, was ich erwartet hatte. Aber es klang so, also wußte er nicht mit dem Blick auf sein Display wer ihn gerade anruft. Äh hallo Remi hier. (Ich nannte meinen vollen Namen) und überlegte, ob er dann gleich wissen würde wer ich bin. Die Erkenntnis, dass er wohl meine Nummer ganz gelöscht hat, hatte mich so aus dem Konzept gebracht, dass ich eigentlich gar nicht wusste, was ich sagen wollte. Ich erzählte ihm dann einfach, dass ich von Freitag bis Montag in seiner Gegend sein würde und fragte ihn, ob er denn auch da sei und Zeit haben würde. Er klang mindestens genauso unbeholfen und überrascht wie ich und erzählte was von „Nicht da“ und „Zeit mit der Familie“.

Ein schräges Gespräch, in dem wir beide überrumpelt aber sehr höflich zu einander waren. In dem wir aber auch beide die Wahrheiten nicht angesprochen haben. Ich habe nicht gefragt, ob er keinen Kontakt mehr haben will und mich deswegen gelöscht hat. Er hat mir nicht gesagt, dass er mich nicht wiedersehen will, sondern nur dass es gerade schlecht ist. Ein sehr unbefriedigendes Ende. Während ich hier bin (noch bis morgen) hatte ich gehofft, dass er vielleicht auf die Idee kommt, mich doch nochmal wiedersehen zu wollen. Er ußte, wo ich zu finden bin. Er hatte nach dem Anruf auch sicher meine Nummer. Hätte sich einfach melden können. Ein weiteres Mal Nachhaken meinerseits  geht nicht, dann käme es mir vor wie nachlaufen. Bei den WhatsApps bin ich weiterhin blockiert.

Jetzt sitze ich hier. Ich hatte trotz allem eine tolle Zeit. Ich bin bei Freunden. Ich komme ja auch nicht seinetwegen her, sondern um sie zu besuchen. Er wäre nur das Zuckerl gewesen. Der letzte Abend bricht an. Wehmut macht sich breit. Ob er nicht kann, oder nicht will, weiß ich nicht. Zweiteres ist wahrscheinlicher. Es scheint als endet hier unsere gemeinsame Geschichte. Sehr schade. Er hat mir doch auch viel gegeben an Selbstbewußtsein, an schönen unvergesslichen Momenten. Auch an Liebeskummer, an Gefühlsachterbahnfahrten. An Verbundenheit zu Bremen.

Sollte er irgendwann wieder auftauchen, wäre ich nicht nachtragend, sondern würde mich einfach freuen. Aber es fühlt sich nach Ende an. Irgendwie so entgültig. So schade. So überflüssig. Bye bye Tom. Hab ein gutes und erfülltes Leben. Und hoffentlich ein paar Blowjobs, die so gut sind wie meine 🙂

Weil es mir noch wichtig ist…

.. muss ich das noch schreiben.

Mr. Bondage war immer ehrlich zu mir. Er hat (mit einer Ausnahme) nie etwas versprochen, dass er nicht halten konnte.

Das Problem waren meine Hoffnungen und Erwartungen, die sich nicht erfüllt haben.

Auch wenn es bitter ist, verstehe ich rational, warum er entscheidet, wie er es tut.

Er ist verheiratet, hat eine Partnerschaft mit seiner Frau. Die beiden haben sich auf ein Lebenskonzept geeinigt mit dem beide klarkommen und wollen. Nehmen die Verantwortung, die sie für sich gegenseitig haben, wahr. Er braucht also keine Partnerin. Die hat er schon. Das was fehlt ist der Bondage/BDSM/Sex-Teil.

Das hatten wir versucht. Semi erfolgreich. Ich musste beim ersten Spiel safeworden, weil es mir zu viel war. Bin nicht so weit und gefestigt in meinem BDSM-Dasein. Für mich sind Kleinigkeiten noch neu. Er kommt nicht zum Spielen, weil ich als SUB immernoch mit dem Finden meiner Rolle beschäftigt bin.

Er hat eine Familie und einen Job, der ihn sehr fordert. In der wenigen Zeit, die ihm bleibt hat er nicht die Muse sich mit meinen Anfängerproblemen auseinanderzusetzen.

Da gibt es eben noch seine SUB, die in etwa in seinem Alter ist, die das schon länger macht. Gefestigter in ihrem Sub-Sein. Die masochistischer und devoter ist, als ich. Besser zu seinen Vorlieben passt. Mit ihr läuft es einfacher, wenn er sich die Zeit zum spielen nimmt.

Fesseln. Wenn er Dinge tut, dann richtig. Geht gleich zum großen Meister nach Japan um zu lernen. Will es am liebsten Bühnenreif performen können. Ich bin gerne Ropebunny. Aber von den körperlichen Voraussetzungen her nicht so einfach fesselbar wie eine kleine Asiatin, aber auch nicht wie ein schlankes, biegsames deutsches Bunny. Man kann das mit mir tun, aber es ist komplizierter und aufwändiger. So gefestigt in seinem Rigger-Dasein ist er auch noch nicht, dass es ihm potentiell egal ist, wie sein Bunny aussieht, wenn die anderen alle Modelmäßige Frauen aufhängen. Und wie auch bei der BDSM-Geschichte ist es am Ende eine Zeitfrage.

Also war ich am Ende eine unkinky Freundin zum Reden, zum gelegentlichen Sex, zum Nähe geben. Wie eine Partnerin, aber eben hinter den anderen Dingen angestellt. Das hat so lange funktioniert, solange sich meine Erwartungen in Grenzen gehalten haben.

Dadurch, dass ich nun auch einen Vollzeitjob habe kommt der größte Vorteil den ich mitgebracht habe nicht mehr zum Tragen. Ich war zeitlich superflexibel. Das ist nun nicht mehr in dem Maße gegeben. Im Gegenteil durch viele ehrenamtliches Engagement muss man nun auch auf mich und meine Termine Rücksicht nehmen.

So, wie ich eigentlich mit allen Exfreunden klar komme, wird sich auch hier ein Weg finden wie wir miteinander umgehen können. Denn trotz aller Rationalität muss ich jetzt erst mal die kleinen Wunden auf meinem Herz heilen und feststellen, dass ich seit 5 Jahren Single bin. Krass lange ist das mittlerweile.

Im Faschingstreiben

Manchmal nehmen und manchmal geben. Wenn man nicht aufrechnet, sondern gibt wenn man Lust dazu hat und nimmt, wenn es einem gegeben wird, dann passt das am Ende meist.

An Fasching hat es mich in den Norden verschlagen. Nach einer ganzen Weile mal wieder in die Stadt in der Tom wohnt. Nicht primär um ihn zu sehen, sondern weil ich meine Freunde dort mal wieder besuchen wollte. Darüber hinaus wusste ich gar nicht, ob Tom noch Interesse daran hat mich zu sehen. Er hatte zwischenzeitlich nach eigener Aussage meine Handynummer gelöscht. Warum? Er war ein wenig genervt, dass ich manchmal sehr kurz angebunden auf WhatsApp. Was daran liegt, dass er manchmal zu unmöglichsten Zeiten sexten wollte, manchmal auch weil ich viel um die Ohren hatte und nicht die Muse zu schreiben. Ja, es ist auch nicht ganz leicht mit mir und ich bin nicht immer der zuverlässigste Zurückschreiber.

Aber die Nummer, dass der verheiratete Mann mir die Affäre kündigt, weil ich nicht oft genug zurückschreibe ließ mich schmunzeln. Wer ist da nun das Mädchen von uns Zweien? Ich wußte auch, dass er soviel Arbeit hatte, dass er seine anderen Affären nach eigener Aussage eingestellt hatte. Also war untervögelt noch gewaltig untertrieben, um seinen aktuellen Zustand zu beschreiben. Von daher war es für mich auch wenig überraschend, dass er relativ schnell antwortete, als ich ihm schrieb, dass ich in seiner Gegend bin. Der Plan war mit meinen Freunden einen Faschingsumzug zu besuchen. Der fand passenderweie ganz bei Tom in der Nähe statt. Heimspiel quasi. Normalerweise wäre er mit Sicherheit auch auf den Umzug gegangen, allerdings musste er arbeiten und konnte nicht. Wahrscheinlich wäre es dann eh schwierig geworden, weil ihn jeder kennt dort.

So ging in meinem Kostüm mit meinen Freunden auf den Umzug. All das Nummern löschen war vergessen, als ich ihm sagte, dass ich dorthin gehe. Wahrscheinlich hatte er einen Blowjob vor seinem geistigen Auge. Er konnte es sich nach der Arbeit einrichten mich zu treffen und wollte mich dort mit seinem Auto einsammeln. Ich freute mich sehr. Immerhin verbinde ich doch einige schöne Erinnerungen mit ihm. Guten Analsex zum Beispiel hatte seit ihm nicht mehr. Ich freute mich auf wildes Knutschen. Wenn sich das Ergeben würde, dann war ich schon zufrieden. Es war aufregend sich vom Umzug zustehlen und sich von ihm einsammeln zu lassen. Er hatte sich nicht verändert. Immernoch genau mein Typ. Ich stehe einfach auf ihn. Beim Einsteigen war klar, dass würde in Knutschen und einem Blowjob in seinem Auto enden. Aber alles cool. Wir fuhren eine Weile durch die Gegend bis er eine abgelegene Stelle zum Parken fand. Es war eine Mischung aus er ist sexuell völlig ausgehungert und er steht auf mich. Gott wie geil, weil Leidenschaft, weil Gier, weil Gefühle. Schon allein für dieses Geknutsche hat es sich gelohnt, dass wir uns treffen.

Er bekam danach auch seinen Blowjob, der easy war, weil völlig untervögelter Mann und gut blasende Frau einen Orgasmus nach gefühlt zwei Minuten ergeben.

Er lieferte mich wieder auf dem Umzug ab und ich mischte mich grinsend wieder unter die Narren, mit dem Gefühl es nicht nötig zu haben jemand abzuschleppen. Sondern einfach einen spaßigen Tag und Abend haben zu können.

Unterpenetriert

Ich kann mich nicht über mangelnde Orgasmen beklagen, aber alle ohne Penetration.

Zum einen ist mir irgendwann mal mein Vibrator abhanden gekommen. Ich habe keine Ahnung, wo der abgeblieben ist. Sollte mir mal einen neuen anschaffen oder einen Dildo.

Zum Anderen habe ich Mr. Undercut wieder getroffen. Ich hatte ihn gefragt, ob er doch wieder Tandem springen will. Die Lust auf mich überwog wohl der Abneigung gegen das Kondom. Zumal ich darüber hinaus immernoch nicht wieder verhüte. Wollte mich immer noch nicht entscheiden.

Ich war Abends allein und hatte Lust. Ich schrieb ihn in der Hoffnung, dass er nicht seine Kinder hatte. Und ich hatte Glück. Ich mag das Unkomplizierte. Spät Abends zu schreiben. Nach ner kurzen Dusche einfach bei ihm Auftauchen zu können. Er hätte nicht aufgeräumt. Völlig wurscht. Ich mag ihn so wie er ist. Chaotisch, rotzig, wild. Einer der wenigen Männer, bei dem mich das Rauchen nicht stört, weil es das Bild komplettiert. Er schrieb noch, weil ich ja erst spät kommen würde, ob wir nicht das Reden weglassen und gleich vögeln könnten. Darüber musste ich schmunzeln, weil ich wusste, dass wir sicher wie immer erst Reden würden. Wir hatten uns schon ein paar Monate nicht gesehen.

Schon in der Türe wußte ich, dass ich Bock hatte auf ihn. Aber erst mal auf die Couch quatschen. Nachdem wir uns wieder akklimatisiert hatten, setzte er sich auf seine Couch auf die Rückenlehne hinter mich und begann mich zu massieren. Er tut, was er tut mit Leidenschaft. Er ist ganz dabei. Das überträgt sich. Mein Körper sprang sofort auf seine Berührungen an. Er kann das, er tut es gerne. Genießt den Frauenkörper.

Er massierte meine Schultern, meinen Hals, meinen Kopf. Er zog mich langsam aus. Und stellte dann fest, dass ich abgenommen hatte. Richtig erkannt. Und das Kompliment ging runter wie Öl. Er streichelte wertschätzend meinen Körper, meine Brüste. Dann zog er mich auf sein Bett. Und leckte mich gekonnt und mit viel Genuß zu einem Mega-Orgasmus. Und kommentierte hinterher, dass das für ihn ja eine Art Fetisch ist. So geil. Ich Glückspilz. Er wollte keine Gegenleistung. Wirkte zufrieden und glücklich. Und ich erst. Und wir konnten so die Kondomfrage außen vor lassen. Ich konnte in seiner Wohnung ausschlafen und mit kürzerem Arbeitsweg grinsend am nächsten Tag in die Arbeit fahren.

Ich mag das.

Auch wenn jetzt ein klein wenig in mir schreit: Kann mich mal bitte jemand wieder richtig nehmen…

Affäre gescheitert

Bin das ganze Wochenende schon ein wenig liebesverkummert. Es hatte sich ja schon eine Weile abgezeichnet, dass das mit Mr. Bondage so nicht weitergehen würde. Aber final wurde es dann am Freitag morgen, als er mich anrief. Schon die Tatsache, dass er mich morgens anrief war ungewöhnlich.  Dann auch noch an einem Tag, an dem ich wirklich Respekt hatte vor meinem vollgestopften Zeitplan. Viele Termine wenig Zeit zum Durchschnaufen. Er würde am kommenden Wochenende heimfahren und nicht in seiner Wohnung bleiben, wie eigentlich geplant. Das wußte ich schon. Familientermin, kein Ding. Wir hatten ja noch unser Wochenende im Mai. Da wollten wir uns endlich mal wieder Zeit für einander nehmen und gucken, wie es um uns steht, ohne Stress und Arbeit. Ich freute mich da sehr drauf. Wir hatten schon vor Wochen den Termin ausgemacht, weil es gar nicht so leicht war ein Wochenende zu finden, an dem wir beide können. Ich hatte ihn am Abend vorher noch gefragt, ob das Wochenende steht.

Er rief mich an, weil er es mir persönlich sagen wollte und nicht als Nachricht schreiben. Er wird das Mai-Wochenende nicht mit mir verbringen, sondern mit seiner SUB. Sie hätte da zufällig auch frei und deswegen böte es sich an. Ich dachte mich zerreißt es. Ich sagte nur Okay und Tschüß.

Jetzt ist das drei Tage her. Die erste Wut ist ein wenig abgeflaut. Aber jetzt wo ich es aufschreibe, zerreißt es mich fast wieder. Oh Gott, wie weh das tut. So wenig wichtig bin ich ihm also. An erster Stelle kommt Sex und dann lange nichts. Und dann ich. Das war ja mal deutlich.

Ich schrieb, dass er damit seine Entscheidung getroffen habe, wünschte ihm ein gutes Leben und dass er den Rest meiner Sachen behalten könne… Ich dem Moment war ich mir sehr sicher ihn nie wieder sehen zu wollen. Er bot mir noch einen Fesselabend nächste Woche an.

Ich schrieb ihm, dass das vermutlich nicht mehr zu kitten sein wird. Er könne das verstehen und würde sich an unsere schönen Momente erinnern. Es gingen noch zwei drei Nachrichten hin und her.

Ich habe im Laufe des Wochenendes schon drüber nachgedacht, ob ich mir vorstellen könnte aus einer Affäre eine Freundschaft zu machen. So viele Menschen, denen ich mich so Seelenverwandt gefühlt habe, habe ich noch nicht getroffen. Und wir hatten wirklich viele wundervolle Momente.

Aber jetzt beim Niederschreiben merke ich wie sehr mich das kränkt, dass ich ihm so wenig wichtig bin. Es zerreißt mich. Ich denke über meinen Selbstwert nach. Ich weiß nicht, ob ich das jemals verzeihen kann. Wenn wird es noch ganz schön lange dauern.

Ich hoffe für ihn, dass er wenigtens überragenden Sex hat an unserem Wochenende. Wäre bedauerlich, wenn er für weniger als überragenden Sex unsere Beziehung weggeworfen hat.

Mir schießen noch 1000 Gedanken durch den Kopf, werde das im Blog sicher nochmal aufarbeiten. Für mehr reicht es heute nicht.