Die BDSM-Szene und ich

Ich hatte mich ja bisher weitestgehend geweigert mich in der BDSM-Szene herum zu treiben. Bis auf ein paar kleine Stammtischbesuche mit Mr. Bondage und den Fesselabenden hatte ich wenige Berührungspunkte. Aber auch gewollt so. Denn ich hatte immer das Gefühl, dass ich mir dann Gedanken darüber machen muss, ob meine Art zu spielen „richtig“ ist. Ob ich wirklich devot oder masochistisch bin. Ob ich da rein passe, in die Szene. Oder ob ich doch nur eine von den Shades of Grey-Tanten bin, die so ein wenig Fesseln spielt. Diesen Fragen wollte ich mich nie stellen. Denn ich mochte meine Art zu spielen. Wollte mich nicht einsortieren lassen. Finde jedes Spiel hat auch seine Berechtigung.

Andererseits war ich neugierig, vor allem auf ästhetischen Input. Eine schöne Location, schönes Spiel, Menschen mit einander umgehen sehen. Da kam es, dass in meiner Stadt eine BDSM-Spieleparty stattfand und Mr. Bondage mich fragte, ob ich da mit ihm hingehen möchte. Ich wollte. Vor allem, weil ich gerne mit ihm da hin gehen wollte. Es gemeinsam mit ihm erleben wollte. Aber ich hatte ZWeifel, ob ich irgendwelchen Ansprüchen gerecht werden würde, wie man sich dort verhält, ob mir das liegt. Die Karten waren teuer und man war namentlich angemeldet, so dass ich auch keinen Rückzieher machen konnte. Und ich hatte mal wieder nichts zum Anziehen. Also zumindest unten herum. Ich wollte meine Korsett anziehen, aber ich besitze keinen Rock.

Mr. Bondage und ich gingen am Tag der Party zum Shoppen los. Da ich leider noch arbeiten musste blieb und nicht so wirklich viel Zeit. Er schleppte mich in zwei Sexshops, die er kannte. Dort versuchten wir Strapse für mich zu kaufen. Allerdings finde ich es in normalen Sexshops nicht so einfach etwas passendes zu finden, wenn man ein wenig kurviger ist. Die meisten Sachen sind da so für das Modell Gogo-Tänzerin mit gemachten Titten.

Das Einkaufen wurde zwischenzeitlich ein wenig dramatisch, weil ich PMS hatte und mir mal wieder die Düse vor der Veranstaltung ging. Wegen Klamotten, wegen der Tatsache, dass ich nicht wußte, ob ich mich richtig verhalten können würde. Mr. Bondage war ein geduldiger Engel und ging mit mir eine Runde spazieren, bis ich mich wieder einbekommen hatte. Ja, einer der seltenen Dramamomente bei mir. Aber wir wurden fündig, wenn ich auch nicht abschließend zufrieden war. Also wir kauften ein Strapsband und drei oder vier Paar Strümpfe.

Dann sahen wir uns noch Halsbänder an. Also klassische BDSM-Halsbänder meist mit einem Ring. Schon beim Anprobieren war ich mir nicht mehr sicher, ob ich so eines denn tragen würde. Das sagte ich ihm aber auch. Es gab keines, dass ich für mich passend fand. Wir probierten bestimmt fast zehn so Halsbänder an. Aber in keinem fühlte ich mich widergespiegelt. Die waren alle sehr standardisiert. Meist Schwarz oder schwarz-rot. Er kaufte zwei, sagte aber beim zweiten schon, dass er es nicht für mich kaufen würde, sondern es einfach nur für seinen Fundus sei. Was mir war nicht gefiel waren die Metallketten. Das sagte mir vom Material her schon gar nicht zu. Ich trage auch sonst keinen Schmuck vor allem nicht aus Metall. Aber so eines kaufte Mr. Bondage auch nicht mit. Wir landeten noch in einem Sexshop, wo uns aber die Besitzerin gleich signalisierte, dass sie keinen passenden Rock für mich habe. Sie schickte mich in einen normalen Laden weiter, in dem ich mir einfach einen ganz simplen schwarzen Minirock kaufen sollte.

Zu HAuse vor dem Einkaufen hatte mir Mr. Bondage schon sein Outfit gezeigt. Anzug, darüber ein Mantel und eine venezianische Maske. Das gefiel mir gut. Er hatte auch für mich eine sehr stilvolle Maske. Deswegen war ich irritiert, dass er mich in dem Laden noch sehr nicht dazu passende Masken anprobieren ließ. Aber er war nicht davon abzubringen. Was sowohl die Verkäuferin, als auch mich irritierte. Aber ich probierte an und er war dann auch überzeugt, dass sie nicht passen. Zum Glück.

Ich musste dann allein noch losziehen und mir unter Zeitdruck einen schwarzen Rock kaufen. Meganervig. Ich fand einen. Der passte so halbwegs. Nicht optimal, aber okay. Dann düste ich wieder zu Mr. Bondage und wir machten uns fertig. Leider hatten wir am Ende halbwegs Zeitdruck, weil es nur ein gewisses Einlassfenster auf die Veranstaltung gab. Und wir waren auch prompt die letzten, die dort einmarschierten.

So stand ich da, führte zum ersten Mal mein Korsett aus. Schwarz, vorne mit einem weißen Einsatz unter schwarzer Spitze, so dass es silbern wirkt. Darüber ein schwarzes Bolerojäckchen. Einem schwarzen Minirock, drunter die Strapse und unten nicht allzu hohe Pumps. Ich sah schnell, dass mein Outfit völlig okay war, sehr zurückhaltend, aber das war okay so. Vorerst mal kein Halsband. Ich wollte mir erstmal alles ansehen, mich herantasten. Am liebsten in eine Ecke stellen und einfach nur gucken, was da für Menschen sind, wie sie miteinander umgehen, was so alles passiert.

Mr. Bondage hatte mir vorher noch gesagt, dass er das Profil von einer unfassbar tollen Frau gefunden hatte, die er an diesem Abend unbedingt mal kennenlernen wollte.

Bevor ich mich richtig eingewöhnen konnte drehten wir eigentlich schon eine Runde um alle Menschen zu begrüßen die Mr. Bondage so kannte. Das war mir fast schon zuviel, weil mir nicht so klar war, wie ich mich verhalten sollte. Die meisten anderen waren sehr klar in dominant und devoten Rollen. Manche knieten vor ihrer Herrin.

Ich bin eine starke Persönlichkeit im normalen Leben. Auch emanzipiert. Und mit der Tatsache nur über eine devote Rolle wahrgenommen werden zu können, komme ich noch (bewußt noch) gar nicht klar. Das sollte an diesem Abend unsere Beziehung noch ganz ordentlich auf die Probe stellen.

Aber vorher erlebten wir auf der Begrúßungsrunde noch eine Überraschung. Mr. Bondage entdeckte die Frau, die er kennenlernen wollte. Sie war in der Tat außergewöhnlich schön. Sie hatte einen Mann an ihrer Seite. Mein Herz machte einen Sprung als ich ihn erkannte. Ausgerechnet einen Mann, den ich auch kannte, der schon Teil meines Blogs gewesen ist….

30 Kommentare zu “Die BDSM-Szene und ich

  1. ja, auf meiner ersten Veranstaltung ging es mir ähnlich. Manche machten ein ganz deutlich auf dominant oder devot, bei manchen konnte ich es nicht erkennen, bei manchen hatte ich mich auch geirrt.

    Spannend fand ich ja die Männer, da waren richtig gute dabei mit denen ich gerne ein Bier getrunken hätte.

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  2. Es ist doch aber auch nicht zwingend schlecht, zu einer „Szene“ zu gehören… Denn auch da gibt es doch himmelweite Unterschiede und Nuancen… Nischen und einen Platz für jede Spielart… 🙂

    Aber schön, dass Du weiter neugierig bleibst und ausprobierst. Und das mit dem Halsband, kann ich Dir aus der Erfahrung sagen – irgendwann findest Du „Deins“ … Dass Du dann auch gerne trägst… 🙂

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  3. Ohje die BDSM Szene, grad die in München, also so ne Szene im eigentlichen Sinne gibts keine, es gibt zwar welche die sich für die Szene halten, aber die kochen auch nur mit Wasser, und die wenigsten von denen würden auch öffentlich zugeben das sie auf BDSM stehen, war mal lange Zeit ein Teil dieser Szene bis ich gemerkt hab was für ein bigotter verlogener Haufen des ist, seit dem leb ich recht gut ohne diese vermeintliche BDSM Szene.

    Die Fete klingt interessant, venezianische Masken, hübsche Frauen, hmm, fällt mir spontan die Sub Rosa Dictum ein, würd zumindest passen, auch zur Info das die Karte horrend Geld gekostet hat. Wenn ich du wär, was ich ja nicht bin, würd ich dieser BDSM Szene nicht all zu viel beimessen, so toll ist die nicht …..

    Was das sich ausleben angeht, geniess die Zeit ….

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