Ein erstes Date … mit Folgen

Ich trinke Tee während ich diesen Eintrag schreibe. Tee den Er mir gekocht hat. Er. Mr Bergsteiger – nenne ich ihn jetzt hier mal. ich hab ihn vor nicht ganz vier Monaten auf einem Date kennengelernt. Es war ein ganz normales Date, wie ich unzählige die letzten Jahre gehabt habe. Von der Rirarammel-Seite. Wir hatten uns auf einen Drink in der Stadt getroffen. Eigentlich war ich überhaupt gar nicht in der Laune gewesen neue Männer zu daten. Im Job lief es nicht so granatig zu der Zeit. Man wollte meine Beförderung wieder rückgängig machen, Bewährungsfrist etc.. Ich hatte aufgrund des Stresses wieder ein paar Kilo zugelegt. Was hinsichtlicher der Lipödem-OP doppelt frustrierend ist, weil ich wog und wiege nun wieder dasselbe wie vor der OP. In diesem Gesamtzustand war ich eigentlich so unterwegs, dass ich bestehende Affären pflegte, aber keine neuen hinzufügen wollte.

Aber Mr. Bergsteiger hatte mir morgens um Neun eine wirklich sehr lange ausführliche Nachricht geschrieben und ich hatte ihm ziemlich frech mit zwei kurzen Sätzen geantwortet. Wir schrieben ein wenig hin und her. Er war so offen und erwartungsfrei, dass ich Lust hatte mich zu treffen. Und so machten wir für den Abend ein Date aus. Er sah auf den Bildern ganz okay aus, aber haute mich auch nicht vom Hocker. Anfang 50, sportlich, nett. Er war schon zwei Stunden vorher da, weil er losgezogen wäre. Ich kam erst relativ spät los und wir trafen uns 12 Stunden nach der ersten Nachricht. Da stand er dann und sah viel besser aus in echt als auf seinen Fotos. In echt trug er eine Brille, die ihm wirklich gut steht. Ich kam dort an und bereute schon mich verabredet zu haben. Aber nicht wegen ihm, sondern weil es mir einfach viel zu viele Menschen waren auf dem Festival. Ich kam an und erklärte ihm erst mal, dass ich mich noch akklimatisieren muss und mir das gerade zu viel ist. Völlig untypisch für mich.

Aber unser Gespräch bei einem Aperol und einem Burger lief gut. Wir hatten definitv einen Draht zueinander. Ich erzählte ihm gleich mal, dass ich definitv mit meinem Lebenswandel zufrieden bin und keine Beziehung suche und will. Er ist ein dreifacher Familienvater, der sich gerade zum zweiten Mal scheiden lässt.Beruflich erfolgreich beim einem Automobilhersteller Unterschiedlicher hätten unsere Lebenswandel gar nicht sein können. Ich war vom Land in die Stadt gezogen, er hatte den umgekehrten Weg gewählt. Irgendwann fragte ich ihn einfach, ob er mich heimfahren könnte. Der Weg zum Treffpunkt mit den Öffis hatte ewig gedauert. Ich schloss ein weiteres Treffen definitv nicht aus. Auf dem Weg zu seinem Auto bekam ich Lust ihn zu küssen und übernahm die Initiative. Ich hoffte, dass er auch Lust dazu hatte. Aber alle Indizien sprachen dafür. Wenn ich sowas initiiere bin ich mir immer meiner Sache immer ziemlich sicher.

Es war ein wirklich schöner Kuss. Auf mehr war ich an dem Abend überhaupt nicht eingestellt. Und Mr. Bergsteiger hatte mir eh erzählt. dass er gegen vier Uhr morgens zu irgendeiner Bergtour verabredet war. Also heimfahren lassen und gut ist. Ich war mir sicher ihn in ein paar Tagen auf mehr wiederzusehen. Vor meiner Haustüre angekommen fragte er mich, ob er denn nicht mithochkommen dürfe…. Öhh… puhh.. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, wie genau ich meine Wohnung verlassen hatte. Also es war nicht megaunordentlich, aber auch nicht so aufgeräumt, dass ich jemand neues mit rein nehmen würde. Ich diskutierte noch mit ihm herum, ob denn das eine gute Idee sei, schließlich müsse er doch für seine Bergtour fit sein. Wenig Schlaf mache ihm nix aus… Mein Bauchgefühl sagte ja, also nahm ich ihn mit hoch.

Ehrlicherweise erinnere ich mich nicht mehr an die Nacht. Ich glaube wir hatten auch Sex gehabt. Aber ich erinnere mich daran, dass ich sensationell gut mit ihm einschlafen konnte. Das fühlte sich sehr vertraut, nah und easy an. Die Nacht war kurz, aber schön kuschelig. Er musste gegen vier Uhr in der Früh los, weil er noch seine Sachen für die Bergtour packen musste.

Die zweite gemeinsame Nacht ein paar Tage später verbrachten wir bei ihm… Seitdem haben wir nun quasi keine Nacht mehr getrennt voneinander verbracht. Jeden Morgen bekomme ich Kaffee ans Bett gebracht. Meine Eltern, meine Freunde, meine Kollegen kennen ihn bereits. I am in love und vergeben. Ob monogam oder nicht, das schreibe ich im nächsten Eintrag…

„Wir sind zusammen“ oder ich bin reviermarkiert worden

Einen Monat nach dem wir uns auf dem Stammtisch kennengelernt hatten, gingen Mr. Bondage und ich wieder auf den Stammtisch. Ich freue mich jedes Mal auf die supernetten Menschen, die ich dort seit nun fast einem Jahr immer wieder treffe. Ist meist einfach ein netter Abend, völlig ohne ernsthafte Datingabsichten. Naja, mit der Ausnahme, dass ich ja Mr. Bondage auf dem letzten Stammtisch aufgegabelt hatte.

Jedenfalls war ich wieder dort, saß mit den netten Menschen am Tisch. Mr. Bondage kam etwas später nach. Es war für mich ein ungewohntes Gefühl, mit jemandem dort zu sein, mit dem ich ein Verhältnis habe. Fühlte sich nicht so unabhängig an wie sonst. Wir küssten uns zur Begrüßung. Während ich sonst mit den Mädels zusammen den Markt sondiere, ohne ernsthaft jemanden aufzugabeln, fiel das mit der Anwesenheit von Mr. Bondage weg. Außerdem hatten die beiden anderen aus meiner Stammtischclique, die mit mir am Tisch saßen, auch nur Augen füreinander. Irgendwann vorher hatte Mr. Bonadage bereits angemerkt, dass er eigentlich gar nicht wisse, warum er auf den Stammtisch gehe, denn schließlich hatte er mich ja schon gefunden. Ich sagte ihm, dass er ja nicht mitkommen müsse. Ich ginge dort ja nicht hin um jemanden kennenzulernen, sondern um die die ich schon kenne regelmäßig zu sehen. Irgendwie wollte er den Abend trotzdem mit verbringen und war dann eben dort aufgelaufen.

Als sich im Laufe des Abends dann ein Herr dem Tisch näherte und sich dann dazu setzte, kam ein Moment der mich sehr schmunzeln ließ. Der Herr saß neben mir und Mr. Bondage gegenüber. Als man sich gegenseitig vorstellte sagte Mr. Bondage dann den bemerkenswerten Satz, dass er und ich zusammen seien. AHA.. Das war mir neu. Ich musste schmunzeln. Ich fand es irgendwie süß, so dass nicht meine grundsätzliche Rebellion gegen Vereinnahmungstendenzen einsetzte. Also ließ ich diesen Satz einfach unwidersprochen stehen. Wir hatten uns nie ernsthaft über eine Art Beziehungsstatus unterhalten. Aber an diesem Abend hatte er mich einfach Reviermarkiert.

Ich merkte an der Tatsache, dass Mr. Bondage sich viel Zeit für mich nahm, dass ihm auch etwas an mir liegen musste und er seine Zeit gern mit mir verbringt. Für ihn ist es auch irgendwie einfacher einen Beziehungsstatus zu definieren. Es gibt seine Frau und ich bin eben seine Freundin. Er trifft auch noch andere Frauen, mit denen er spielt. Das ist völlig okay. Zumal ich ja auch noch andere Männer treffe. Aber ich habe unter den anderen Frauen eine besondere Rolle. Wir haben nicht nur Sex, wir spielen nicht nur, wir verbringen auch einfach so Zeit miteinander. Was ist denn Mr. Bondage denn nun für mich? Vermutlich wäre mein Facebookstatus richtigerweise „Es ist kompliziert“. Denn mein fester Freund so klassischerweise ist er ja nicht. Irgendwie gibt es keinen richtigen Beziehungsstatus. Meine feste Affäre. Aktueller Herzmann. Aber vermutlich muss man das auch nicht in so ein klassisches Beziehungsraster pressen.

Ich habe mir vorgenommen, nicht all zuviel darüber nachzudenken. Es einfach laufen zu lassen. Immer auch in dem Bewusstsein, dass ihn sein Beruf ganz schnell ganz wo anders hinführen kann. Was dann ist, darüber werde ich mir Gedanken machen, wenn es so weit ist. Momentan ist er in meiner Stadt, ich bin flexibel und wir schauen einfach von Woche zu Woche. Und nutzen unsere gemeinsame Zeit so gut es geht.