Unschuldige Rasur

Trotzdem mich in nächster Zeit sicher niemand nackt sieht, stand ich heute unter der Dusche und habe mich rasiert. Komplett. Weil es sich für mich am Besten anfühlt. Sobald es ein wenig stoppelig wird muss es weg. Ich kenne mich nicht mehr wirklich mit Schambehaarung. Das würde sich für mich völlig unnatürlich anfühlen. Nicht falsch verstehen: jeder kann das so tragen wie er/sie möchte, so lange es kein völliger Wildwuchs ist. Aber mein Hügel ist seit meinen 16. Lebensjahr glatt rasiert. (Falls ich die Geschichte schon mal erzählt habe tut es mir leid. ( 8 Jahre bloggen sind eine lange Zeit)

Mein erster Freund (der, der mir übrigens auch das Blasen beigebracht hat), der hatte ein Faible für glattrasiert. Ich erinnere mich noch daran, wie er mir in meinem „Kinder“Zimmer zu Hause bei meinen Eltern alle Haare abrasiert hat. Mit seinem Nassrasierer und ein wenig Rasierschaum (hat aufgepasst, dass der Rasierschaum nur an Stellen kommt, an denen er nichts ausmacht). Wie aufregend und seltsam. Vor ihm zu liegen mit weitgespreizten Beinen. ich war keine Jungfrau mehr, aber super viel Erfahrung hatte ich mit 16 auch noch nicht. Das Rasieren turnte ihn unglaublich an. Vorsichtig, aber geübt rasierte er mir nach und nach alle Haare ab. Mit einer kleinen Schüssel Wasser in der er den Rasierer immer eintauchte, um ihn sauber zu machen. In der hinterher meine Teenager-Schamhaare schwommen. Die ich erst mal unter meinem Bett versteckte. Man, macht komische Dinge wenn man ein Teenager ist.

Außer ihm habe ich nie jemanden mit nach Hause gebracht. Er war auch nur ein paar Mal da, weil er am anderen Ende Deutschlands wohnt. Ich war 16, er war 23. Die erste große Liebe. Kennengelernt in einem Chatroom, in Zeiten als man noch mit Modem gesurft hat. Schon über beide Ohren verknallt ohne ihn zu Gesicht bekommen zu haben. Wir haben stundenlang telefoniert. Bis er mich besuchen kam. Er holte mich von der Schule ab. Den Moment werd ich nie vergessen, wie wir uns auf der Raucherwiese meiner Schule zum ersten Mal gegenüber gestanden sind. Er war auch noch so hübsch, obwohl es mir völlig wurscht gewesen wäre wie er aussieht.

Ich habe damals angefangen auch so eine Art Tagebuch zu schreiben. Meine Erlebnisse und Gedanken festzuhalten. Ich hätte gerne die Texte von damals reinkopiert, aber ich finde die Datei nicht. Was ich echt tragisch finde. Muss mal suchen, ob ich die nicht doch noch wo finde.

Die rasierte Muschi fühlte sich jedenfalls sehr verboten an. Passte zu meiner Rebellion in dieser Zeit. Ein wenig vorher hatte ich mir heimlich ein Zungenpiercing stechen lassen. Wilde Zeiten. Im Schwimmbad habe ich mich immer zum Duschen in die Kabine versteckt, weil man eben damals noch nicht rasiert war. Und ich wollte mir die blöden Blicke ersparen. Seit diesem Moment habe ich nie wieder Schamhaare länger als Vier-Tagesstoppeln getragen. Seit 20 Jahren. Ich merke, dass ich jetzt langsam in ein Alter komme, wo Männer fragen, ob man nicht wieder ein paar gepflegte Haare tragen möchte. Sähe in der Tat ein wenig erwachsener aus. Aber nope: Irgendwie ist mir das so in Fleisch und Blut übergegangen, dass es für mich ebenso wenig verhandelbar ist, wie meine Haarfarbe. Sorry Jungs.

Dafür bin ich auch tolerant, was die männliche Intim-Behaarung angeht. Solange es kein Wildwuchs ist. Wild kräuslig buschig sprießend ist ein No-Go. Aber wenn gekürzt, teilrasiert oder ganz haarlos ist alles okay. Aber es gibt mittlerweile egal in welcher Altersgruppe fast keine Männer mehr, die sich gar keine Gedanken über ihre Schamhaar gemacht haben ist mein Eindruck. Von demher alles gut an der haarigen Front. Na, rasiert ihr auch allein zu Hause in Corona-Zeiten oder sind die 80er Jahre jetzt bei euch am Start?