Kein Sex für Intoleranz

Mein Date ist vor 5 Minuten gegangen. Unverrichteter Dinge. Besser ist das.

Ich hatte den Abend nicht verplant. Irgendwann ploppte über die Rirarammelseite eine Nachricht auf, ob ich Lust auf ein Date haben würde. Manchmal bin ich in Laune mich auf zufällige Begegnungen einzulassen, ohne ewiges hin und her schreiben. Ist oft cool gewesen, manchmal funktioniert es aber halt auch nicht.

Entgegen meiner Gewohnheit habe ich den neutralen Boden weggelassen und ihn zu mir auf den Balkon eingeladen. Nervt mich selber auch ein wenig. Aber mein Haus ist relativ anonym. Er weiß trotzdem er in meiner Wohnung war nicht mal meinen Namen. (Weil der Hausmeister lustigerweise den falschen Namen an meine Tür gehängt hat.) Aber ja, er weiß wo ich wohne. Lasse ich nicht zur Gewohnheit werden. Ich sagte er kann gern auf einen Ratsch und ein Bier kommen, ob ich für mehr in Laune bin, weiß ich nicht. Nur um mal die Fronten vorher zu klären.

Da stand er also da, tätowierter kurzhaariger Mann. Ganz normaler Typ, alles fein. Hat drei Bier mitgebracht. Wir gingen auf den Balkon genossen die Lichter der Stadt und redeten ein wenig. Eigentlich war mir nach wenigen Sätzen klar, dass wir nicht ganz dasselbe Bildungsniveau haben. Er war nicht dumm, aber anderes Milieu. Merkt man manchmal eben daran, wie jemand Dinge ausdrückt. Aber mir macht das ja nichts, ich finde immer erst mal jeden spannend. Jedenfalls tranken wir das Bier, das er mitgebracht hatte. Nach ein paar Schluck und ein klein wenig Gespräch, legte er mir dann gleich den Arm um die Schulter. Ich war über das Tempo erstaunt, aber hatte nichts gegen Kuscheln einzuwenden. Dann zwei Schluck Bier später macht er Anstalten mich zu küssen. Ich war erstaunt, aber ließ es zu. Ab da wusste ich eigentlich schon, dass vermutlich nicht so viel mehr laufen würde. Er gehörte zu den reinen Zungenküssern. Also Münder auf einander und die Zunge macht Dinge. Immerhin kreiste sie nicht im immer selben Takt in die immer selbe Richtung, aber so viel besser war das Küssen ohne Lippeneinsatz trotzdem nicht. Ich machte das ein bißchen mit, bis ich mich mit dem Verweis, dass ich noch meine Flasche Bier in der Hand halte aus dem Kuss befreite.

Danach nahm ich wieder das Gespräch auf. Mir war es einfach für etwaiges anderes noch zu früh und ich war mir eh nicht sicher was ich davon noch wollte. Ich hatte an keiner Stelle Angst nicht Herr der Lage zu sein. Also einfach mal weiter reden. Dann stellte er die fatale Frage, was ich denn beruflich mache und ich verriet ihm meinen Studiengang. Der Auftakt für die folgende politische Diskussion. Da waren schon wirklich wilde Theorien dabei. Aber ich ließ mich auf alle Diskussionen ein und hinterfragte immer, wie er denn darauf käme. Vom Wahlsystem in den USA gelangten wir irgendwann zur deutschen Politik. Und er stieg damit ein, dass die meisten keine Ahnung hätten und hier über viele Entscheidungen gar nicht diskutiert würde.., Wenn man nicht Mainstream sei, dann dürfe man doch gar nicht sagen was man meine… Nur die Mehrheitsmeinung würde akzeptiert, eben linksgrün.. (worauf hin ich fragte, welche Partei denn aktuell den Kanzler stellen würde).. Die Kanzlerin, die ja eingesperrt gehört, aber scheinbar gegen alle was in der Hand habe, weil niemand sie anklagt.. 2015… Da war mir dann wirklich klar aus welcher Ecke er kommt. Aber ich nahm ihn Ernst, diskutierte einfach sachlich alle Dinge, die er so sagte. Am Ende musste er mir immer mal Recht geben, zum Beispiel, dass auch er woanders hingehen würde, wenn er keine Perspektive hätte, dass es den Deutschen auch nicht gelungen war sich selbst von Hitler zu befreien, sondern die Alliierten gebraucht haben, als Entgegnung, dass die Syrer sich halt mal eben von Assad befreien sollen..

Eben die ganze Latte an Geschwurbel, das da so im Umlauf ist. Am wenigsten mochte ich den Überlegenheitsglauben weißer Menschen, der mitschwang. Aber wir diskutierten bis zum Ende sachlich. Aber er merkte auch, dass er die Diskussion nicht gewinnen würde. Ich hatte fast schon Spaß daran mich an all den kruden Thesen mit Argumenten abzuarbeiten. Ich hatte ihm auch nicht verraten, dass ich mal für ein Flucht- und Migrationsprojekt Vorträge gehalten und Diskussions-Workshops geleitet habe. Daher auch die Haltung, Argumente erst mal Ernst zu nehmen.

Irgendwann kletterte er von meinem Sofa, zog sich die Schuhe an und sagte, dass er nun besser gehen würde. Ich brachte ihn noch zur Türe und verabschiedete mich. Immerhin reichte es zur Erkenntnis, dass da nix mehr laufen würde zwischen uns. Und er nahm es mir ab ihn hinauskomplimentieren zu müssen. Jetzt trinke ich das übrige Bier. Auch wenn, die zufällige Begegnung nicht sehr erfolgreich war, eigentlich mag ich es mich auf ganz unterschiedliche Menschen einzulassen. Und wenn ich was Positives mitnehmen soll aus dem heutigen Abend, dann dass ich argumentativ noch auf der Höhe bin. Und kein Sex für Afdler.