Ich möchte keinen privaten Kontakt mehr mit dir haben…

… Das hat bisher auch noch nie jemand zu mir gesagt. Naja bisher. Der Kollege Unscheinbar hat damit seinen endgültigen Kontaktabbruch nochmal bekräftigt. Sein Cut ist nun 5 Wochen her. Ich haben ihn zwischenzeitlich zwei/drei Mal gesehen, weil ich ab und an noch meine alten Kollegen zum Essen besuche. Schwierig für mich. Reagiere auf ihn einigermaßen pampig. Das ist eigentlich nicht so meine Art. Letzte Woche hatte ich dann Geburtstag und war ein paar Tage später in meiner alten Firma. Er war auch dabei. Die Kollegen haben mir gratuliert, er nicht., obwohl er daneben stand. Das war echt die Oberkränkung. Man kann ja eine Freundschaft beenden. Aber er hätte mir auch einfach als ehemalige Kollegin gratulieren können. Harter Moment.

Und als ich ihn dann nochmal wegen einer dienstlichen Sache angerufen hatte sprach er eben diesen Satz aus: Ich möchte keinen privaten Kontakt mehr mit dir haben. Huch, der hat mich wirklich getroffen. Da holt mich doch glatt der Liebeskummer ein vor dem ich eine ganze Weile erfolgreich weggelaufen bin. Aber naja, da muss man eben durch. Ablenkung ist meine Taktik. Manchmal bin ich drauf und dran die Kontakte zu meiner alten Firma ganz zu kappen, andererseits fände ich das auch doof, weil ich die anderen Kollegen ja mag. Also heißt es wohl aushalten, dass es ein wenig schmerzt, wenn ich ihn sehe.

Die Tatsache, dass ich in seinem Fall ein Energieräuber bin, beschäftigt mich. Sonst sind das doch immer nur irgendwelche anderen über die man so vor sich hin schimpft. Energieräuber böse egoistische Menschen die einen ausnutzen und Kraft kosten. Und nun bin ich so einer für jemanden.

Ich hab jemandem dem ich mag und des Meinung mir wichtig ist davon erzählt und er gab mir das ehrliche Feedback, dass ich kein guter Zuhörer sei. Das war hart. Aber das dreht sich nun schon ein Weile in meinem Kopf. Und er hat Recht. Ich habe mich in letzter Zeit ziemlich um mich selbst gedreht. Mich auf der einen Seite sicher auch zu wichtig genommen. Auf der anderen Seite war ich auch wirklich mit mir selbst sehr beschäftigt. Das soll keine Entschuldigung sein. Aber die berufliche Veränderung, das endliche einen Wohlfühlraum zu Hause schaffen und den eigenen Körper in den Griff bekommen, haben schon auch Energie und Kraft gekostet. Wahrscheinlich habe ich unter Anderem auch beim Kollegen mir dafür Kraft gezogen und sie ihm quasi abgezogen.

Darüber hinaus reflektiere ich Gespräche und merke, dass ich wirklich wenig Interesse an anderen gezeigt habe. Viel von mir erzählt, wenig zugehört, Menschen unterbrochen habe. Ich will und muss das ändern. Gar nicht so leicht. Aber ich versuche es mir zumindest immer bewusst zu machen in Gesprächen oder Chats. Online-Sex-Dating hat bestimmt auch seinen Teil dazu beigetragen. Man muss sich als Frau wenig Mühe geben im Kontakt mit den Männern. Man wird soviel angeschrieben, hat Auswahl, wenn es nicht fliegt mit dem einen, schreibt man halt mit dem nächsten. Es ist gar nicht so leicht, dass es nicht einfach beiläufig/beliebig wird. Da trägt der Markt nicht gerade dazu bei, dass man seine besten Seiten ausprägt.

Aber am Ende kann der grenzenlose Optimist in mir dem Schluss der Beziehung auch was positives Abgewinnen. Ein Schuss vor den Bug um mich wieder ein wenig einzunorden und mein Verhalten zu verändern.

Bei all der Energie die ich ihm geraubt habe, habe ich ihm nach eigener Aussage zumindest den besten Sex seines Lebens beschert. Damit kann ich ganz gut leben. Ich hoffe er auch.