Orgasmus aus der Tiefe

Als ich erkältet war hatte ich mir zwei Tage lange so einiges an Schmerzmittel einverleibt. Außerdem ging es mir auch so elend, dass an Sex nicht zu denken war. (Auch wenn so mancher Kommentator Sex als Allheilmittel empfiehlt, manchmal ist das völlig unangebracht, zumal niemand mit einer Husten-Virenschleuder Sex haben sollte.)

Heute war ich dann den ersten Tag wieder arbeiten. Mir geht es noch nicht 100 Prozentig super, aber als ich auf meinen Lieblingskollegen getroffen bin, habe ich gemerkt, dass ich nach der Woche zu Hause ziemlich untervögelt bin. Jedenfalls saß ich dem Kollegen beim Essen gegenüber und habe mich vorgestellt, wie es wäre ihn in der Kantine einfach zu küssen und mit ihm Sex zu haben. Ich hoffe mal, dass er mir meine Gedanken nicht angesehen hat. Es gibt da so Momente, da ahne ich wie es Männern noch viel öfter geht. Meinen armen Kollegen schätze ich zu konservativ ein, zumindest wenn es um unverbindlichen Sex mit einer Kollegin geht. Und ja, ich weiß auch, „Never fuck the company.“

Ich hab diesen Abend frei. Aber ich bin ein wenig picky. Deswegen ziehe ich nicht in einen Club los. Mir stünde eher so der Sinn nach etwas Bewährtem heute Abend. Jemand der mich sicher zum Orgasmus bringt. Aber so ohne weiteres ist das nicht immer verfügbar. Also bleibe ich daheim und blogge.

Außerdem bin ich zur Zeit wieder mehr verliebt in Mr. Bondage. Ich hab das Gefühl, dass ich mich wiederhole. Dass die Dinge die ich schreibe schon mal dagewesen sind. Es ist in unserer Beziehung irgendwie Wellenförmig. Mal sind wir uns näher, mal entfernen wir uns von einander. Allerdings nimmt er auch wenn ich nicht permanent über ihn schreibe immer einen wichtigen Platz in meinem Leben ein. Er ist die Konstante. Immer da. Es macht, dass ich mich nicht einsam fühle. Ich glaube, dass wir uns nun 5 Jahre kennen. Und wenn wir uns sehen sind wir wie verliebte Teenager. Diese ungewöhnliche Art der Beziehung hält in gewisserweise die Spannung hoch. Da wir uns nicht so selbstverständlich haben. Da es immer wieder etwas besonderes ist, wenn wir uns sehen. Weil wir uns Zeit für einander nehmen müssen. Ich finde es erstaunlich, dass es immernoch knistert, nach fünf Jahren. Weil wir uns mit allen unseren Schrägheiten angenommen haben, durchaus auch nach Jahren des Kampfes. Aber seit wir uns akzeptiert haben ist es gegenseitige Wertschätzung und Liebe. Er hat sich dazu entschieden, seinen neuen Dienstsitz in meine Stadt zu legen. Er hat das nicht wegen mir gemacht, aber es hat ihm sicherlich die Entscheidung erleichtert, dass es ihn in meine Nähe bringt. Wir haben kurz andiskutiert, ob wir zusammen ziehen sollen. Aber es verworfen. Es wäre zu nah und schwierig für ihn andere Fesselpartnerinnen zu haben, sagt er. Vermutlich hat er Recht. Also lieber doch getrennt wohnen. Wieder öfter die Gelegenheit für Nähe zu haben, darauf freue ich mich.

Aber jetzt erzähle ich erst mal den Abend im Club fertig. Mr. Bondage hat gemerkt, dass ich mich nicht fallen lassen konnte. Da änderte er seine Taktik. Er löste das Seil aus dem Ring mit dem er meine Hände nach oben gefesselt hatte. Ein Stück neben der Fesselgelegenheit stand eine Bank. Also eher eine Art Tisch mit zwei seitlichen Bänken. Mir fällt gerade kein Wort dafür ein. Er zog mich dort hin und sagte, dass ich mich auf den Rücken legen sollte. Ich tat wir mir geheißen. Schon die Vorstellung einfach dort auf dem Rücken zu liegen war viel besser als mitten im Raum zu stehen. Ich legte mich auf den Rücken, meine Füße stellte ich seitlich auf die Bänke, so dass ich mit gespreizten Beinen da lag. Meine Hände band er mit hinter den Kopf. Ich kann mit gut vorstellen, dass er dem anderen Mann zeigen wollte, wie die Nummer mit dem Orgasmus geht. Jedenfalls holte er eine todsichere Waffe aus seinem Köfferchen. Den Stahldildo. Der Vorfreude in meinem Kopf war das schon sehr zuträglich, weil es verhieß immer sehr intensive Orgasmen. Manchmal vergesse ich auch, dass er meinen Körper nach den gemeinsamen Jahren auch einfach gut kennt. Der Dildo trägt seinen Teil bei, aber er weiß auch einfach, wie er meinen Körper bespielen muss. Ich war erstaunt, dass er mir sehr straight, ohne mich noch ein wenig mit Schmerzen zu piesacken einfach zum Orgasmus Dildofickte. Und ich kam quietschig laut, unüberhörbar. Der Orgasmus mit dem Ding braut sich immer ganz tief in meiner Vagina zusammen. Wenn er dann den Rhythmus halbwegs trifft, dann wird es immer intensiv – einer von den süchtigmachenden Orgasmen. Es sollte mich einfach viel öfter jemand mit gespreizten Beinen festzurren und mich mit so einem Ding bearbeiten. Funktioniert quasi immer. Nachdem ich mich wieder erholt hatte, wandten wir uns wieder dem Fesseln zu.

Wir standen dort mitten im Raum und Mr. Bondage fing an mich einzubinden. Es war gar nicht so leicht mich fallen zu lassen, weil ein ziemliches Kommen und Gehen herrschte. Die Zuschauer waren aber nicht leise, sondern kommentierten unqualifiziert vor sich hin. Für die normalen Swinger erschloss sich vermutlich mehrheitlich nicht der Sinn dessen, was wir tun. Eine Suspention ist ja nur so bedingt sexuell. Eher eine Kunstform mit Nähe. Ein Handwerk, dass man sich erarbeiten muss. Die Swinger haben sich immer gefragt, wozu er das tut, wenn er mich ja nicht zum Ficken verschnürt. Nur ein Pärchen war ganz leise die ganze Zeit am Zusehen Das auszublenden dauerte eine Weile. Ansonsten war die Suspension die er mir anlegte gut. Ich konnte eine ganze Weile fliegen. Nach der Suspension (ich hatte die Augen verbunden) während Mr. Bondage mich abfesselte, konnte ich das Pärchen ficken hören. Das was sie gesehen haben hatte sie wohl so angeturnt, dass es auf dem Bänkchen trieben. Na immerhin den beiden haben wir etwas anregenden geboten. Nachdem wir alle Seile wieder eingepackt hatten, gingen wir zurück an die Bar. Wir unterhielten uns mit verschieden Menschen. In einem Gespräch erzählte Mr. Bondage wahrheitsgemäß, dass wir kein klassisches Pärchen sind. Und ergänzte: aber „wir sind ganz schön verknallt ineinander“ Wow, das war das erste Mal, dass er das zu anderen sagte, als Beschreibung unserer Beziehung. Ja, so einen Satz merken wir Frauen uns. Später verbrachten wir noch ein wenig gemeinsame Zeit auf einer Matte und waren uns nahe.

Mr. Bondage hat sich mittlerweile eine Wohnung angesehen und wollte mich bei der Besichtigung dabei haben und meine Meinung wissen. Das freute mich sehr und ich ließ mich gerne als seine Freundin vorstellen. Bis er wieder in meiner Stadt wohnt, dauert noch ein wenig. Aber ich bin gespannt, wie es uns bekommt. Ob wir die Balance zwischen Nähe und Distanz schaffen.