Gestalked, gefickt, geghosted? Seine Hose ist noch bei mir.

Vor mir liegt seine Anzughose. Er ist allerdings nicht mehr da. Schade eigentlich. Immer wenn ich sie sehe, muss ich schmunzeln und an unser Abenteuer denken. Keine Sorge – er ist nicht unten ohne nach Hause gefahren. Er hatte Wechselklamotten mit dabei. Mr. Erfolgreich. Ein Date aus der Kategorie: Ich kann nicht glauben, dass du wirklich mich meinst. Er schrieb mich an, weil eine Bekannte von ihm über mein Rirarammelseiten-Profil gestolpert war und fand, dass wir zueinander passen könnten. Gemeint ist damit sicherlich eher frei als gebunden sein zu wollen und sich auszuprobieren. Er schaffte es jedenfalls meine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und wir begannen zu schreiben. Also er schickte Sprachnachrichten und ich schrieb. Ich war erst mal voll überfordert von seinem Mitteilungsdrang. Ich bekam immer Sprachnachrichten von ihm, er aber geschriebene Nachrichten von mir. Für Sprachnachrichten muss ich Laune haben.

Er war süß und nervig und süß und im Eroberungsmodus. Und mir war es eine ganze Weile einfach sowas von nicht Geheuer. Er musste schon einiges an Geduld investieren, bis ich im abnahm, dass er mich als Mensch kennenlernen will und nix im Schilde führt. Ich glaube er hatte nur den Malus, dass er zu gut aussah und sich so mein Vertrauen härter erarbeiten musste. Mit einer Engelsgeduld flirtete er an mich hin. Ich fühlte mich fast schon gestalked, weil er mir soviel schrieb. Bis ich irgendwann klein bei gab und sagte, dass wir uns zum Essen treffen könnten. Er wohnt ein paar Hundert Kilometer weg von hier, so dass er mutmaßlich bei mir übernachten würde. Also räumte ich mal halbwegs auf. Aber ich wollte mir trotzdem die Option offen halten ihn nicht mit zu mir zu nehmen, deswegen lotste ich ihn erst mal zum Restaurant und verriet ihm meine Adresse nicht.

Da stand er. Meine Fresse, was ein Hottie. Mr. Erfolgreich im Business-Anzug. Anfang 40, schlank, blaue Augen. Na da hoffte ich doch mal, dass er Gegensätze anziehend findet. Aber er war mal einfach richtig nett. Wir unterhielten uns gut. Hätten stundenlang weiterquatschen können. Aber ich war sowas von rattenscharf auf ihn. Ich hatte mir nen Drink gegönnt bei Essen, der tat sein übriges. Dann nahm ich ihn mit zu mir. Und musste ihm auf dem Weg zu meiner Wohnung noch erklären, warum ich vorher beim Treffpunkt so rumgeeiert hatte. Er hatte bei der Parkplatzsuche zufällig direkt vor meiner Haustür geparkt. Und rief mich von da aus an. Ich wollte, aber nicht dass er weiß wo ich wohne und ginge dann nicht ran, sondern schrieb ihm ne WhatsApp, dass er doch am Restaurant warten soll.

Rein in die Wohnung – rein ins Vergnügen. Einziges Problem, ich hatte meine Tage in der Endphase. Fast weg, aber eben nur fast. So doof für den Kopf. Irgendwann saßen wir auf meiner Couch. Quatschten ein wenig. Keine Ahnung wie wir den krampfigen Moment überwunden haben, aber dann küssten wir uns und die Welt blieb stehen. Ein bißchen beschwippst, seine Attraktivität und seine Art zu küssen ergaben ein Feuerwerk. Wenn ich nur daran denke, werd ich feucht. Selten einen Mann geküsst, der so sensationell küssen kann. So wie Justin Bieber Hailey küsst. Keine Ahnung, ob das außer mir sich mal jemand angesehen hat. Wenn seine Hand an deiner Wange und Kinn liegt und er dir das Gefühl gibt, als gäbe es nichts schöneres auf der Welt, als jetzt gerade dich zu küssen. Er küsst wie ich. Nicht, dass ich mich loben wollen würde, aber er hat nen ähnlichen Kussstyle. Es machte Lust auf mehr, aber dieses Tageding machte meinem Kopf Stress.

Wir wechselten irgendwann ins Bett – ich Blowjob, er leckte mich. (Ich hatte mich vorher noch auf die Toilette verdrückt und den aktuellen Periodenstatus überprüft. Nix zu sehen.) Auch das kann er. Bei allem was nach dem Knutschen kam, war ich aber einfach nur so medium entspannt, so dass das in meiner Erinnerung schnell verblasst ist. Nebeneinander schlafen klappte auch ganz gut. Morgens musste ich irgendwas erledigen und ließ ihn weiterschlafen Er schlief wie ein Stein. Ich war zurück trank schon Kaffee, hatte schon geduscht und saß ungeschminkt vor ihm. Was ich im Nachhinein so ein wenig bereue. Das war vielleicht ein wenig too much Pureness für den Anfang 🙂

Irgendwann gegen Mittag fuhr er dann nach Hause. Der nächste Morgen nach der ersten Nacht ist immer unterschiedlich. Er war ein wenig reserviert. Kein Küsschen zum Abschied. Ich war mir nicht sicher, ob er mich wiedersehen wollen wird.

Während er vorher dauernd geschrieben hatte, war ich völlig euphorisiert nach unserer Nacht und schrieb relativ viel. Während er einsilbig wurde. Hupsi. Ich fühlte mich zeitweise geghosted und zwang mich dazu nicht mehr zu schreiben. Wir schreiben immernoch ein wenig. Aber es fühlt sich so an, als wäre es für ihn okay gewesen, aber mehr nicht. Nix was er sofort wieder haben muss. Mal sehen, ob wir uns nochmal wieder sehen. Jetzt muss ich erst mal seine Hose in ein Paket packen und ihm schicken. Schade eigentlich. Das fand ich mal ein grandioses Andenken.

Ich hab es wieder getan…

Der Wunsch wieder loszuziehen und wieder in mein „Seitenspringerinnen“-Leben zurückzukehren wurde immer größer. Aber auf der anderen Seite ging es nach jedem schon gefühlten Ende wieder zurück in die Beziehungskonstruktion mit dem Kollegen. Warum? Weil mir die Freundschaft zum ihm unbezahlbar wichtig geworden war. Dass ich täglich jemanden anrufen konnte nach der Arbeit um den Tag zu reflektieren war mir sehr wertvoll geworden. Es war eine Begleitung durch das Leben. Aber es gab eben nicht „nur“ Freundschaft. Das war ein sehr seltsame Situation. Erst hatte ich begonnen mich wieder mit dem ein oder anderen Mann aus früheren Zeiten zu treffen – zum Essen und Quatschen. Schon allein das war mir wirklich abgegangen. Das Daten, das Hineinblicken in andere Leben

Ich roch wieder Lunte. Die Qual zwischen der Freiheit und der Freundschaft wurde immer größer. Ich hatte mich sehr lange für die Beziehung/Freundschaft entschieden. Aber vermutlich war mir meine Zerrissenheit anzumerken. Und dann machte der Kollege den Cut. Dieses Mal hat er einen Schlussstrich gezogen. Er war mir zuvor gekommen. Mit einem kompletten Kontaktabbruch. Harte Umstellung. Sehr einsam. Es vergeht kein Tag an dem ich nicht an ihn denke und mich frage, wie es ihm geht und was er wohl gerade tut. Aber ich bin auch wieder losgezogen. Raus aus der Komfortzone. Ich musste los. Sonst wäre ich das Wochenende ohne Termine allein zu Hause gesessen. Gar nicht erst einigeln. Eher Verdrängen.

Es ging los nach Wien, in eine Stadt an die ich so viele Erinnerungen habe auch an Reisen mit Mr. Bondage. Wollte jemand treffen, mit dem ich schon lange mal verabredet war. Er musste aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen. Meine Zugtickets waren aber schon gebucht. So beschloss ich trotzdem zu fahren und stellte auf Joy noch eine Anfrage ein, ob jemand Lust hätte, das Wochenende touristisch (nicht sexuell) mit mir dort zu verbringen. Es trudelten nach und nach Angebote ein. Das ungewöhnlichste interessierte mich am meisten. Ein junger Mann knapp unter 30 schrieb mich an und bot mir an, dass ich das Wochenende bei ihm in seiner 24 qm Wohnung verbringen könnte. Er war beruflich eine Woche vorher in die Stadt gezogen. Er wirkte gebildet und an der Welt interessiert. Ich müsste Schlafsack und Feldbett mitnehmen, weil sein Bett nur für eine Person ausgelegt ist.

Das war so verrückt cool, dass ich darauf am meisten Lust hatte. Auch wenn ich dann viel mehr Kram als geplant mitnehmen muss. Aber es klang genau so abenteuerlich wie ich es haben wollte. Ich packte mein Köfferchen, mein Feldbett und den Schlafsack und kam mir wie der große Abenteurer vor, als ich am Bahnhof in den Zug nach Wien stieg. Das ist die Freiheit, für die ich auf Nähe verzichte. Es scheint wohl so, als ob das eine oft der Preis für das andere ist. Er würde mich dort am Bahnhof abholen. Ich freute mich. Wenn er im schlimmsten Fall dann nicht da stand, dann müsste ich mir halt noch ein Zimmer irgendwo buchen. Viel zu verlieren hatte ich nicht. Wien ist immer lohnenswert. Und ich war mir sicher wir würden es zwei Tage ganz gut miteinander aushalten.

Nach knapp vier Stunden stieg ich etwas lädiert aus dem Zug wieder aus, weil ich in meine Sitzplatzreservierung ausgerechnet hinter einer Horde besoffener Halbstarker erwischt hatte. Auch mit Kopfhörern waren die nicht ganz auszublenden. Ich war erstmal froh angekommen zu sein. Und ich wurde abgeholt. Da stand er: jung, nur knapp so groß wie ich, schlank, sympathisch. Jab, das würde funktionieren. Als ich ihn sah, fiel mir auf, dass ich gegen meinen Grundsatz verstoßen hatte niemanden daten zu wollen, der jünger als mein kleiner Bruder ist. Und er war einfach mal unter 30. Hui, schon jung irgendwie. Mr. Uni, weil er an einer der Universitäten arbeitet. Ich ging erstmal davon aus, dass wir zwei schöne Tage haben würde, ob mit Sex wusste ich beim besten Willen nicht. Keine Ahnung auf was für Frauen er so steht. Aber es war auch erstmal gar kein Thema. Wir fuhren zu seinem Apartment, damit ich mein Zeug abgelegen konnte. Wie eine ziemlich moderne Studentenunterkunft. Möbliertes Zimmer, hochwertig eingerichtet, kuschlig klein. Spezialität: Glastüre zum Bad. Hui. Das ist natürlich eine Challenge, wenn man sich nicht kennt und ich sah mich im Geiste schon zwei Tage lang nicht groß aufs Klo gehen. Aber mal sehen, ob ich da eine Lösung finden würde für das Problem.

Ich baute mein Bett auf – womit das Zimmer dann nahezu voll war. Und wir gingen Essen. Da es schon spät war, gab es keinen weiteren Plan. Wir unterhielten uns gut. Ich war froh, dass ich wirklich losgefahren bin und mich auf das Abenteuer eingelassen habe. Nach dem Essen gingen wir zurück in die Wohnung. Er bot mir noch ein Glas Wein an und wir quatschten. Wir saßen auf seinem Bett nebeneinander. Irgendwann war klar, dass er wohl Lust hatte zumindest auf knutschen. Ich hatte ihm vorher schon gesagt, dass ich meine Tage habe und damit angedeutet, dass ich damit keine Lust auf jemanden haben, den ich noch nicht kenne. Irgendwann erbarmte ich mich in der keiner weiß wie er es nun anfangen soll-Situation und machte einen Witz und darüber und wir knutschten. Junges ungestümes Knutschen, nicht schlimm, aber mal wieder anders. Und streicheln und fummeln und irgendwann bot ich ihm nen Blowjob an.

Bei Männern seines Alters ist es wahrscheinlich eh schon selbstverständlich, dass sie gut rasiert sind und einen gepflegten Schwanz haben. Ich blies mich durch mein Repertoire und versuchte zu verstehen, was ihm davon gefällt. Was nicht sehr einfach war, weil er von den Reaktionen her nicht gut zu lesen ist. Wenig Reaktion. Er mochte, wenn man ihm leicht gegen die Eier drückt. Das war als einziges eindeutig zu verstehen. Aber sonst? Ich blies ausdauernd und hingebungsvoll. Die Lösung, er ist ein Kopfmensch ähnlich wie ich und bekam diesen nicht ausgeschaltet. Ich war mir die ganze Zeit nicht sicher, ob ich am Ende einfach nur nicht wirklich sein Typ war, für ihn die Gelegenheit aber eben gerade günstig war, er das wollte, aber irgendwie halt doch nicht. So wirkte es, ich habe ihn nicht gefragt. Vielleicht war er aber auch einfach nur supernervös, weil ich älter und deutlich erfahrener bin. Das kann auch sein. Am Ende machte er es sich selbst während ich seine Eier leckte.

Nach einem wirklich schönen Tag in der Stadt kamen wir am zweiten Abend in sein Zimmer zurück. Ich ging duschen und kam nur mit einem Handtuch bekleidet zurück ins Zimmer. Meine Tage waren die letzten paar Stunden weg. Ich ging davon aus, dass sie vorbei waren. Ich kuschelte mich zum Trocknen an ihn hin. Unter seine Decke auf das schmale Bett. Schönes Gefühl mit ihm zu kuscheln. Er fing an mich zu streicheln und auch zu lecken. Stellte sich nicht schlecht an. (Ergänze im Geiste – für sein Alter :-)) Es war klar, es würde auf Sex rauslaufen. Was auch mal kurz gut klappte. Bevor sein Kopf nicht mehr wollte und er einfach nicht mehr hart genug war. Alles nicht wild. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass es Nervosität war und nicht mangelnde Attraktivität. Ich versuchte ihn hochzublasen. Medium erfolgreich. Und musste dann noch lernen, dass er der mit Abstand kitzligste Mann war, mit dem ich jemals was hatte. Er war quasi nicht streichelbar. Zärtlich anfassen ging fast nicht. Nur deutlich streicheln. Was das ganze noch komplizierter machte. Aber auch amüsant.

Sehr erfolgreich war unser also Sex nicht, aber das war nicht tragisch. Ich machte es mir dann einfach selbst und ließ ihn dabei zusehen. Das machte ihn dann wieder hart und er kam auf meine Brüste. Ich mochte unser Wochenende und die Zeit bei ihm. Hab nichts bereut. Das Kloproblem konnte ich auch lösen. Es gab im Gemeinschaftsbereich des Hauses eine Toilette. Auf die hatte ich mich in Ruhe verzogen. Quasi mein Hoteltrick, wenn ich einfach nicht gehen kann, bei jemandem den ich nicht so gut kennen. Toilette in der Lobby. 🙂

In eine andere Welt eingetaucht…

Es hat sich gefügt. Auch wenn ich nach der Ankunft am Urlaubsort erst mal wirklich verschreckt war und Zweifel hatte, ob ich jemals allein wieder in meine Unterkunft zurück finden würde. Mitten in den verwinkelten Gassen der Altstadt. Eigentlich war ich mir am ersten Abend gar nicht sicher, dass ich mich am nächsten Tag allein in die verwinkelten Straßen raustrauen würde. Aber am nächsten Morgen bin ich einfach losgegangen. Habe mich rausgetraut. Und die Wege gemeistert. Wieder zurück gefunden. Jetzt würde ich sofort wieder nach Marrakesch fliegen.

Dort war in einer gayfriendly Unterkunft gelandet. Was mir bis zu meiner Ankunft nicht klar war, dann aber sofort. Das ist an sich nicht der Rede wert trotz dem es ein muslimisches Land ist. Aber die wenigen Tage haben mir Einblick in eine Welt verschafft, in der ich mich nicht allzu oft herumtreibe. Insofern fand ich es spannend. Ich bin dort auf eine mondäne gutbetuchte homosexuelle Elite getroffen. Beispielsweise: Älterer weißer Mann aus München trifft sich dort mit seinem jungen schwarzen Freund, der aus Dakar angereist ist. Beide mutmaßlich einigermaßen vermögend. Sie treffen dort Bekannte aus Südfrankreich. Zwei Tage später kommt noch ein junger Österreicher hinzu. Der wiederum eine Weile im Libanon gelebt hat, jetzt aber von seinem aktuellen Job aus Portugal angereist ist. Alle sprechen mehrere Sprachen, Reise-Erfahrungen werden Namedroppingmäßig beim Minztee rausgehauen. Da bin ich dann das kleine Licht trotz knapp 50 bereister Länder. So richtig anknüpfen habe ich bei den Jungs nicht können. Auch weil mir mutmaßlich das einschlägige Vokabular in Englisch gefehlt hat um alle Witze immer zu verstehen. Aber am letzten Abend bin ich mit den Jungs Essen gegangen. Mit fünf wirklich aufgerüschten Männern. Im dicken Jeep des Chefs. Was einigermaßen steil ist, wenn man damit durch die schmalen Gassen sich zwischen Eselskarren und kaputten Fahrrädern schlängelt. Ich hätte vorher mal fragen sollen, wo wir hingehen. Deutlich zu pragmatisch angezogen finde ich mich dann im Schickimicki-Fischrestaurant wieder, rechne in meinem Kopf kurz aus, was ich mir leisten können werde.

Ich bin mit Ryanair geflogen, die Unterkunft war nicht teuer, aber auch nicht supergünstig (ich hatte aber auch das günstigste Zimmer im Riad). War aber ziemlich abgebrannt jetzt am Jahresanfang. Wollte nicht viel Geld ausgeben. Ehe ich mich versah bekam ich eine Margarita in die Hand gedrückt und es standen Unmengen an Tapas auf dem Tisch. Reiche Marrokaner schlürften hier ihre Cocktails, ältere Herren sind mit jungen attraktiven Damen beim Essen. Ich mit meiner Bauchtasche und den praktischen Klamotten die ins winzige Handgepäck gepasst haben. Am Ende ist das Preisniveau wie in meiner Heimatstadt, es wird gehen.

Ich muss schmunzeln wo einen das Lebens so hinführt, wenn man sich darauf einlässt. Sauge die Atmosphäre auf, aus einer Welt in der ich mich nicht dauernd rumtreibe. In Gedanken tausche ich mit der jungen Dame. Sehe mich dort sitzen in einem Kleid, das ich nicht habe, in Highheels, die ich nicht besitze. Schiebe den Escortgedanken schnell wieder beiseite. Und beschließe, dass ich mal einen Knigge-Kurs besuchen sollte, damit ich die Regeln und Umgangsformen kenne, wenn es mich hin und wieder in einen Laden dieser Preisklasse verschlägt. Damit ich mir am Ende nicht wie in ungehobelter Klotz vorkomme. Habe auch ein First an diesem Abend: Zum ersten Mal Austern gegessen.

Die Herren amüsieren sich prächtig. Als wir zurückkommen verkrümel ich mich zügig in mein Zimmer und überlasse ihnen das Spielfeld, für was auch immer sie tun wollen. Die Herren interessieren sich ja sowieso nicht für mich, aber auch sonst hatte ich nicht eine Sekunde an Sex gedacht in einer Gesellschaft, die von Frauen wie mir nicht sehr viel hält. Deswegen war für mich Sex für die wenige Tage sowieso kein Thema.

Kurzer Ritt zum aktuellen Stand…

Langeweile im Flugzeug auf dem Weg nach Marrakesch. Alleinreisend – als Frau. Ich habe mir vorher nicht viele Gedanken gemacht. Jetzt sitze ich im Flugzeug, mit meinem winzigen Handgepäck und hoffe, dass es alles schon irgendwie werden wird. Auch einer der Momente aus meinem Leben, wo ich einfach mal gemacht habe. Nicht lange überlegt, den billigen Ryanair Flug einfach gebucht. Im Vertrauen, dass es sich schon fügen wird. Und es ist nicht meine erste Soloreise. Aber es kostet mich trotzdem jedes Mal wieder Überwindung.

Jetzt habe ich noch 1 1/2 Zeit bis zur Landung. Mit meinem Lesestoff bin ich schon durch. Also kann ich schreiben – Zeit rumkriegen. Gut für euch 🙂

Zum Jahreswechsel habe ich einen neuen Job angefangen, obwohl ich meine Kollegen und meinen Job sehr mochte. Aber es gab nicht wirklich eine Weiterentwicklungsperspektive. Mein Chef hat immer mal wieder Ideen aufgerissen, aber sie genauso schnell wieder fallen lassen. Ich war rein formal einfach überqualifiziert für meinen Job und er wollte mir das nicht bezahlen. Untypisch eigentlich für mich, da ich ein schlechter Trenner bin. Aber ich hab einen neuen Job angenommen. Auch für den bin ich überqualifiziert. Aber mit Aufstiegspotential. Dachte ich. Bis ich dort angefangen hatte. Jetzt bin ich in einem sehr konservativen Umfeld, in einem Job, der mich aktuell zu Tode langweilt. Aber ich bleibe noch ein paar Monate, dann geht mein Chef in Rente und ich bewerbe mich auf seine Stelle. Wenn das nicht klappt, dann ziehe ich weiter. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich in dieser Firma eine Affäre mit einem Kollegen (oder mehreren) anfangen werde, geht gegen Null. Nix mit heimlichen Blowjobs während der Arbeitszeit.

Keine Clubbesuche, keine wilden Vögeleien: 2019 war ruhig dahingehend. Nicht ohne guten Sex, im Gegenteil, Sex mit Zuneigung und Vertrauen. Aber anders als die Jahre davor. Dazu kommt, dass mir mittlerweile zwei Ärzte ein Lipödem diagnostiziert haben. Ich glaube, dass mein sehr durcheinander geratener Hormonhaushalt eine Folge von nahezu 20 Jahren hormonelle Verhütung ist. Mit 15 habe ich angefangen die Pille zu nehmen, später dann stattdessen einen Verhütungsring. Als mein Frauenarzt in Rente ging, hatte ich erstmal keine Lust mir einen neuen zu suchen und dann einfach aufgehört mit den Hormonen. Jetzt mit ein wenig Abstand wird mit das Ausmaß des Ganzen bewusst.

Zuerst hatte ich Angst vor unerwünschten Haaren überall, weil plötzlich Haare an allen Stellen schneller und dunkler wuchsen. Dann habe ich nahezu 10 Tage lang meine Periode. Manchmal schon nach 2 1/2 Wochen wieder. Mit so viel stärkeren Blutungen als früher. Und zuletzt hatte ich das Gefühl meine Beine, vor Allem an den Knien, werden immer dicker, obwohl ich von der Zahl auf der Waage nicht zugenommen habe.

Irgendwann sind mir Berichte von Frauen mit Lipödem begegnet, der krankhaften Fettverteilungsstörung. Da klingelte es. Mehrere der klassischen Merkmale trafen auch auf mich zu. Neigung zu blauen Flecken, schmerzende Beine und dass sich trotz gesunder Ernährung die Beine sichtbar verändert haben und vor Allem Abnehmen nahezu unmöglich ist. Jetzt weiß ich das zwar, bestätigt von zwei Ärzten. Und auch dass ich nicht der Typ für Lymphdrainage und Kompressionstrümpfe bin. Aber warten bis ich Knieprobleme und sonstige Folgeerscheinungen kriege, will ich auch nicht. Liposuktion, also Fettabsaugen ist nach heutigen Stand die einzige Behandlung, die Verbesserung bringt. Doc 1 aus meiner teuren Stadt hätte dafür 2 bis 3 OPs für jeweils 9500 Euro angesetzt. Doc 2, der auch einen guten Ruf hat, aber in der günstigeren Provinz liegt schlägt eine OP für 12500 Euro vor. Jetzt habe ich mal die harten Rahmenbedingungen auf dem Tisch und kann mir überlegen, wie ich damit umgehe. Übrig haben tue ich das Geld jedenfalls nicht.

Was hat das mit meinen Blog zu tun? Ich merke, dass ich mir das Selbstbewusstsein hinsichtlich meines Körpers erst wieder erarbeiten muss. Fast so ein bißchen wie am Anfang meiner Seitenspringerinnen-Zeit. Deswegen zieht es mich auch noch gar nicht wieder in einen Club. Zur Zeit habe ich eher Lust auf ein Gespräch beim Essen, wo es erstmal um die Person geht, den Menschen zu ergründen. Woraus sich, wenn man sich gegenseitig interessant findet, ja vielleicht Sex ergibt. Ich bin noch nicht wieder bereit für einen Club-Besuch bei dem die Optik die entscheidendere Rolle spielt. (Oder vielleicht auch nicht, wenn reine Verfügbarkeit ausreicht :-)) Aber Gevögelt werden aus reiner Verfügbarkeit war mir meistens zu wenig.

Was mir in der monogame Phase am meisten gefehlt hat, war erstmal nicht der Sex, sondern viel mehr das Daten. Aber ohne potentielle Aussicht auf Sex oder eine Beziehung datet man ja eher erstmal nicht. Ich liebe es in die unterschiedlichsten Leben kurz eintauchen zu können, Gelegenheiten ergreifen zu können ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. So habe ich das vergangenes Wochenende gemacht, bei einem Abstecher nach Wien….