Back to black

Erst mal hineinschlafen in den ersten Urlaub, der so ganz anders gestartet war, als gedacht. Nach dem Abend an dem ich Tatenda kennengelernt hatte, schlief ich erst mal bis Mittags. Dann ließ ich mir nochmal den Vorabend durch den Kopf gehen… Mich hat jemand in einer Bar angegraben. Ich muss das erst mal sacken lassen. Manche mögen nun schreien: „Pff, als ob das als Frau so ne Kunst wäre“. Also ich erinnere mich zumindest auf Anhieb nicht, wann ich das letzte Mal einfach so jemanden an einer Bar kennengelernt habe (außer im Swingerclub)…. Okay, okay, vielleicht scheitert es daran, dass ich mir nach Vorerfahrungen eingeredet habe, dass ich nicht der Typ Frau bin, denn man in einer Bar anquatscht und mich quasi nie mehr anquatschbar in einer Bar aufgehalten habe. Also dachte ich über seine möglichen Hintergedanken nach. Was kann nun dieser schwarze Barkeeper von mir wollen. Sex, jupp wäre möglich und auch wahrscheinlich. Jetzt gehöre ich ja nicht so zu den Frauen, die sich denken „Verdammt, der will nur mit mir vögeln“ Da muss ich eher immer darüber schmunzeln, was Männer einen Affentanz (Aufwand) vorher betreiben, um ihre Absichten Frauenkompatibel zu verpacken. Wenn der wüßte, dass er ausgerechnet eine Sexbloggerin aufgerissen hat. Darüber musste ich sehr lachen.

Ich habe die meisten Männer in letzter Zeit über den Joyclub kennengelernt, dabei waren entweder Vorlieben kompatibel oder intellektuelles Interesse vorhanden. Dass ich vor jemandem sitze und er mich einfach so aufreißt, dass überraschte mich und deswegen war ich noch eher vorsichtig. Ich hatte da auch ein paar „Der will am Ende nur irgendwie Geld von mir“ Gedanken“. Weniger aus rassistischen Gründe, denn aus der Unsicherheit über die eigene Attraktivität. Ich versuchte offen zu bleiben, aber meinen gesunden Menschenverstand nicht außen vor zu lassen. Tatenda und ich hatten uns für 15 Uhr verabredet. Er wollte mir die Gegend zeigen und er schrieb noch: „Cant´t wait to meet the sober you“ Haha, so betrunken war ich auch nicht. Mal sehen, wohin mich diese Reise führen wird.

Ich machte Sport (Gott, was bin ich stolz) und quatschte mit meinem Host. Und wir verquatschten uns. Das merkte ich, als Tatenda um 15 Uhr mein Handy anklingeln ließ. Haha, allen Vorurteilen zum Trotz war mein südafrikanischer Begleiter um Punkt 15 Uhr vor meiner Tür und ich (deutsch) noch nicht fertig und würde zu spät sein. Es stellte sich heraus, dass er selbst nur 100 Meter von mir entfernt wohnte. Was ein Zufall, so klein ist jetzt Kapstadt auch nicht. Er hatte einen Bekannten als Taxifahrer organisiert, der uns herumfahren würde. Ich war gespannt, wie das mit dem Zahlen laufen würde. Auf der anderen Seite war bisher alles bezahlbar gewesen, also entspannte ich mich ein wenig. Ich dachte, wir würden in der Stadt rumlaufen. Aber auch gut, mal sehen, wo wir am Ende landen. Wir fuhren raus aus der Stadt zu den Aussichtspunkten. Diese Stadt ist wirklich atemberaubend schön. Wir fuhren eine Küstenstraße entlang zum Chapmans Peak, und weiter zu einem Strand. Zwischen uns fühlte es sich gut an. Er kuschelte sich immer mal wieder an mich hin, wir knutschten ein wenig, manchmal hielten wir Händchen. Wir sahen wohl aus wie ein verknalltes Pärchen, wenn auch ungewöhnlich, denn ich hatte in Südafrika bisher nicht wirklich viele schwarz/weiß gemischte Pärchen gesehen. Der Taxifahrer war zu gleich Reiseführer und erklärte mir die Orte. Wir hatten alle Spaß. Tatenda zahlte alles was anfiel wie die Mautgebühren, so dass ich irgendwann schon ein schlechtes Gewissen hatte. Das war der perfekte Nachmittag. Die Herren verarschten mich Whitey immer ein wenig, weil ich Sonnencreme brauchte und mir was auf den Kopf setzten musste. Ich entgegnete, dass sie froh sein sollten, dass ich nicht meinen Polarbear-farbenen Bauch auspacken würde, sonst wären sie blind hinterher, weil er so weiß leuchtet. Als wir am Meer waren zog ich sofort meine Schuhe aus und lief ins Wasser. Meine schwarzen Begleiter blieben am Strand und schüttelten den Kopf darüber, dass ich voller Freude ins kalte Wasser ging. Kalt… Lol…

Es war spannend Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu entdecken. Ich erzählte ihm, dass ich ein Blog über Sex schreibe. Ich liebe dieses Breaking the rules of the game. Hihi. Da fängt also die weiße Frau plötzlich damit an, dass sie über Sex schreibt den sie selbst hat. Und dass sie einigermaßen viel Sex hat und auch gerne und mehrere Männer. Ich bin mir sicher, dass er sich überlegt hat, ob er nun im falschen Film ist, mit einer Frau im Arm, die wesentlich mehr ausprobiert hat, als er und das auch noch zugibt. Dass er verheiratet ist hatte er mir vorher schon gesagt. Er machte da gar keinen Hehl daraus. Ich sagte ihm, dass ich damit leben kann. Dass er das mit sich ausmachen müsse.

Irgendwann merkte ich, dass Tatenda nervös auf sein Handy guckte. Er musste am Abend wieder in der Bar arbeiten und lief Gefahr zu spät zu kommen. Das wollte ich nicht. Also fuhren wir zurück. Wir setzten erst Tatenda ab und dann mich. Da ich nicht wußte, ob er das mit dem Bezahlen geregelt hatte zahlte ich einfach mal den Taxifahrer. Keine Ahnung, ob der dann zweimal Geld bekommen hat. Ich war auch gar nicht genervt darüber was zu bezahlen, nur dass er mir nicht gesagt hatte was Sache ist. Zurück in der Unterkunft ließ ich den Nachmittag nochmal Revue passieren und so langsam machte sich das Gefühl breit, dass er mich wirklich deswegen angequatscht hatte, weil er mich attraktiv fand. Ich war einfach sein Typ. Und es ging mir ein bißchen so wie in der Karibik, wo ich mich schon sauwohl gefühlt hatte. Ich entsprach mit meinen Kurven immernoch dem Schönheitsideal vieler schwarzer Männer, mit dem Exotenbonus, dass ich weiß bin.

Am Abend waren wir dann wieder in der Bar verabredet. Er war schon ein paar Stunden im Dienst und ich kam nach. Ich setzte mich wieder zu ihm an die Bar. Alle Barkeeper grinsten mich an. Ich setzte mich so, dass ich mir das Getümmel in der Bar ansehen konnte. Ich genoss es ein wenig mit ihm zu flirten und an einem pulsierenden Ort zu sein. Ich durfte wieder nicht alle meine Getränke bezahlen. Irgendwann fragte er mich, ob ich Lust auf ihn hätte und wir denn zu mir gehen könnten. Ich verneinte, da ich die Unterkunft ja nicht für mich allein hatte. Zu ihm schied auch aus. Er fragte mich, ob ich mit ihm in ein Hotel gehen würde. Warum eigentlich nicht. Ich war gespannt, wo er mitten in der Nacht ein Hotel herbekommen würde und hatte noch so meine Zweifel, dass das was werden würde. Er wollte eine Pause machen und danach wieder in die Bar zurück gehen. Als wir uns draußen vor der Tür trafen, fragte ich ihn zuerst, ob er denn keinen Ärger bekommen würde, wenn er jetzt mit mir verschwindet. Er verneinte, da er sonst derjenige sei, der nie Pausen macht, konnte er das ganz gut mit den Kollegen ausdealen. Wir liefen los. Auch was, was ich sonst nicht gemacht hätte: Nachts durch die Straßen von Kapstadt laufen. Ich hätte ein Uber genommen. Er würde auf mich aufpassen, also alles okay. Wir gingen in ein „Hotel“. Es vermietet Zimmer stundenweise. Ich grinste, weil er wußte wo eines zu finden ist. Andererseits ist die Wohnsituation der meisten schwarzen Südafrikaner so beengt, dass ich davon ausgehe, dass die fast alle wissen, wo sie für ein paar Stunden hingehen können. Naja Stundenhotels kenne ich ja auch von innen. Der Standard ist hier allerdings schon nochmal ein ganz anderer. Tatenda fragte mich, wie lange wir wohl brauchen würden. Äh, keine Ahnung. Ich glaube er buchte dann eine halbe Stunde. Oh wow, na dann mal fix. Ich entschied mich, mich darauf einzulassen, mich nicht zu fragen, wann die Bettdecke das letzte Mal gewaschen worden ist, oder das Zimmer gewischt. Wenn es für ihn okay war hier, dann war es für mich auch okay. Wir kommen aus verschiedenen Welten, aber ich bin nicht anspruchsvoll (im Sinne von Zimmerstandart), bin backpacking und Zeltlager erprobt. Ich fragte mich eher, ob er an Verhütung gedacht hatte. Aber musste er gar nicht, wie sich rausstellte. Im Zimmer waren Kondome (wie bei uns im Club halt auch). Kostenlose Kondome war mir schon ein paar Mal aufgefallen in Südafrika. Finde ich gut.

Wir hatten ja nicht viel Zeit. Immerhin waren wir uns schon vertraut was Nähe angeht, deswegen war es nicht so krampfig plötzlich auf Sex umzuschalten. Apropos Sex – da schoss es mir durch den Kopf: Ich war gespannt, wie groß sein Schwanz sein würde und musste über mich und diesen Gedanken lachen. Was diese Pornos doch mit einem machen. Es gibt da ja quasi nur Big Black Cocks… Man verliert da ein wenig den Maßstab. Groß, aber nicht riesig würde ich seinen nennen. Wir zogen uns aus. Er liebte meinen weißen nackten Körper. Vor allem mein Arsch hatte es ihm angetan. Meine Brüste fand er gar nicht so spannend. Alles anders als zu Hause. Der Kontrast zwischen meinem weißen und seinem schwarzen Körper war groß, aber wir fanden es beide spannend. Er hatte sehr weiche angenehme Haut. Das Vorspiel fiel nicht allzu üppig aus. Wir streichelten uns ein wenig, knutschten, dann holte er ein Gummi und zog es sich über. Ich nutzte die Gelegenheit ihn noch in den Mund zu nehmen. Er mochte mein Piercing. Dann fickte er mich. Lange und standhaft – so viele Klisches. Ohne Nachhelfen würde ich nicht kommen, aber es passte nicht so Recht. Er konnte gut ficken. Es war einfach nur alles zu schnell für meinen Kopf. Also zu wenig Vorspiel, zu wenig „Wir-kennen-uns“, zu wenig „Ich weiß was er möchte, wie er tickt“. Ich hielt mich an meinen Vorsatz keine Orgasmen mehr vorzuspielen. Das brachte ihn fast zur Verzweiflung. Ich hatte trotz dem Spaß. Ich genoss es, so eine völlig unerwartete schräge Erfahrung zu machen. Er ermutigte ihn zu kommen. Dass es völlig okay sei für mich.

Viele Klischees, aber ich glaube er hat sich so ein wenig darauf verlassen, dass seine gute Ausstattung (Schwanz) und Technik (sportlicher Mann, ordentliches Gerät, da kann man gute Winkel ficken) ausreichen würden um es mir zu besorgen. Ich würde wetten, dass ihm die Mehrheit der Frauen auch einfach einen Orgasmus vorgespielt hätten und gut.

Es quälte ihn ziemlich, dass er es mir nicht besorgt hat. Auch Klischee: aber ich glaube dass es ihn insofern nervte, weil wenn schwarze Männer in einem Punkt weißen Männern im Schnitt überlegen sind, dann vermutlich in der sexuellen Performance. Jetzt hat er Sex mit einer weißen Frau und die kommt nicht. Er war echt krass niedergeschlagen. Es brauchte viel gutes Zureden um ihm zu erklären, dass es mir trotzdem gefallen hat, dass ich meistens beim ersten Mal nicht komme, dass es eine Kopfsache ist bei mir und dass Frauen wie Diesel sind, die vorglühen müssen. Und dass ich es jederzeit wieder tun würde.

Er brachte mich im Taxi nach Hause und fuhr dann zurück in die Arbeit. Wir würden uns wiedersehen und ich freute mich schon darauf.

Auch jetzt kann ich es noch nicht fassen, dass ich bereits an meinem zweiten Abend in einem südafrikanischen Stundenhotel gelandet bin. Mut oder Übermut – so ein wenig bekloppt bin ich ja schon.