One more night …

Noch eine Nacht schlafen, dann weiß ich Bescheid. Dieses Warten ist irgendwie doof. Aber wird jetzt auch noch rumgehen.

Nach dem verunglückten Sex mit dem Piraten, schlief ich mich in meiner Unterkunft erst mal aus und verbrachte den Tag dann weitestgehend mit googeln. Und nahm die Pille danach. Ich hatte Respekt von den Hormonhämmern. Und mein Hirn erst mal so: Hoffentlich wirkt das südafrikanische Zeug auch wirklich. Um mir im zweiten Moment zu denken: Warum sollte die Pille hier schlechter sein als zu Hause. Oh Mann… was denke ich nur. Und spielte in meinen Gedanken den Moment durch, wie ich im Dorf meiner Eltern mit einem dunkelhäutigen Kind ohne Vater ankomme. Das ließ mich wirklich schmunzeln. Aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Auch wenn ich mir relativ sicher war, dass es zyklusmäßig der falschen Moment gewesen wäre. Lieber auf Nummer sicher gehen.

HIV-Rate in Südafrika verhältnismäßig hoch. Aber auch wenn infiziert, muss nicht ansteckend sein. Ansteckungswahrscheinlichkeit bei heterosexuellem Verkehr relativ gering. Las mir auch alles über die anderen STIs durch und würde das im Auge behalten. Trug mir den Testtermin nach 6 Wochen in den Kalender ein. Und beschloss dann, es eh nicht ändern zu können und den Rest meines Urlaubs zu genießen. Ich hatte noch zwei Abende. Die würde ich beide mit Tatenda verbringen. Den ersten hatte er frei, den zweiten musste er arbeiten. Und ich bereue gerade sehr, dass ich diesen Eintrag nicht früher geschrieben habe. Mein Erinnerung ist schon sehr vage. Wir knutschten, würden wieder in der Kiste landen. Er zeigte mir ein Hotel, zwar kein Stundenhotel, aber schon eher so eine Pärchenausweichmöglichkeit, als normale Unterkunft. Ich schmunzelte kurz, wie selbstverständlich er wußte, wohin man gehen konnte. Aber als ich drüber nachdachte fiel mir auf, dass es gar nicht so sehr an Seitensprüngen liegen musste. Er wohnte zwar nicht im Township, aber auch dort wo er wohnte, teilte man sich mit mehr Familienmitgliedern eine Bleibe, als bei uns so üblich ist. Er hatte mir auch seinen Bruder vorgestellt, was ich sehr kurios fand. Aber das führt auch bei ganz normalen Paaren dazu, dass sie manchmal einfach einen Ort zum Ungestört sein benötigen.

Das Zimmer war sehr karg. Ein Bett und ein Tischchen. Wie immer musste ich über die Blicke des Rezeptionisten schmunzeln. Dass einer eine weiße Frau mit in diese Location bringt ist eher nicht so üblich. Ich würde da allein auch nicht hingehen. Aber ich war gewillt mich darauf einzulassen, keine deutschen Standards anzulegen. Ich erinnere mich an keine konkreten Details mehr. Außer dass der Sex besser war, als beim ersten Mal. Er schaffte es einen Gang runterzuschalten. Es langsamer angehen zu lassen. Mehr streicheln, nicht gleich reinstecken und durchnageln. So ganz einfach war es für meinen Kopf nicht durch die geplatzte Kondom-Geschichte vom Vortag, was ich nicht thematisieren wollte. Aber ich achtete darauf, dass alles Safe ist. Und wir verwendeten seine Kondome. Nicht, dass ich da wieder mit meinen zu kleinen europäischen Standard-Dingern ankomme. Er weiß besser was passt, als ich.  Sex war gut, aber auch sonst fühlte es sich menschlich einfach gut an zwischen uns. Was auch bleibt ist das Gefühl für ihn wirklich attraktiv gewesen zu sein, mit jeder Kurve meines Körpers. Es gibt Menschen mit denen hat man einfach gleich den richtigen Draht. Wir lachten viel und kuschelten zusammen. Eine schöne Urlaubsaffäre. Er ließ mich nicht gern gehen, merkte ich ihm an. Er fragte auch, wann ich wiederkommen würde. Aktuell sieht es eher nach nicht so bald aus.

Nach meiner Rückkehr schrieben wir noch eine Weile hin und her. Seit ein paar Tagen sehe ich auf WhatsApp nur noch einen Haken. Möglicherweise hat er mich blockiert. Versuche das entspannt zu sehen. Ansonsten habe ich immer noch Kontakt zu einer Freundin von ihm. Die kann ich notfalls mal fragen, was mit ihm los ist.

Wenn das morgen noch gut ausgeht, dann war es ein Wahnsinnsurlaub. Ich hab das Alleinreisen nicht eine Sekunde bereut und werde es mit Sicherheit wieder tun. Auch das hat mir viel gegeben, dass es so cool war, obwohl ich echt Respekt hatte vor dem Alleinreisen. Welt ich komme. Nicht mit dem Vorsatz überall zu vögeln. Aber offen auf Menschen zuzugehen.

Sex mit einem Piraten

Mir geht es gut, keine Sorge.  Vermutlich geht mir die Südafrika-Geschichte, die ich noch nicht fertig gebloggt habe, doch ein wenig mehr im Kopf um als gedacht.

Eigentlich habe ich soviel zu schreiben. Gut, dass ich diese Woche ein wenig Zeit dafür haben werde.

Heute ist sechs Wochen nach Südafrika. War heute bei der Aids-Beratungstelle und habe mir Blut abnehmen lassen. Die sind sehr gechillt da. Viel angenehmer, als bei irgendeinem Frauenarzt. Der meinte auch gleich, dass die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist bei heterosexuellem Kontakt. Keinen Vortrag über häufig wechselnde Sexualpartner. Einfach als gegeben hingenommen. Mein letzter Test ist nun schon eine ganze Weile her.  Es ist mehr so der Test für die letzten Jahre, mit einem aktuellen Auslöser. Für Chlamydien muss ich dann noch zum Frauenarzt. In zwei Tagen bekomme ich das Ergebnis. Gerade das Pflaster vom Blut abnehmen abgezogen: Die Ärztin hat es mal drauf. Ich ziehe definitiv meinen Hut. Man sieht nicht mal eine Einstichstelle.

Dann ist heute auch der Tag, an dem ich herausgefunden habe, dass ein Kollege aus der Arbeit auch einschlägig unterwegs ist. In der Kantine war mir aufgefallen, dass er eine Uhr mit einer Triskele trägt. Ich schmunzelte vor mich hin, denn das konnte kein Zufall oder Versehen sein. Zumal ich nach dem Essen mit ein wenig googeln so eine Uhr gefunden habe. Eindeutig einschlägig. Also schrieb ich ihm eine Mail und fragte ihn nach der Uhr und ob wir uns in Zukunft auf einschlägigen Veranstaltungen begegnen würden. Ich ließ für den Notfall zumindest offen, was einschlägig meint. Aber Volltreffer. Mit einem superbreiten Grinsen bog der Kollege um die Ecke und wir tauschten uns auf dem Gang unter großem Gelächter über sexuelle Vorlieben aus. Hach ja, was eine Wendung. Das ist so cool, dass es da jemanden auf Arbeit gibt, mit dem man über BDSM quatschen kann. Ich freue mich auf viele coole Gespräche mit ihm.

Jetzt versuche ich mal die Südafrika-Geschichte fertig zu erzählen. Am nächsten Tag beschloss ich mal einen Tag ohne Tatenda zu verbringen. Zumal ich nicht wie so ein Super-Fangirl wieder abends allein in seiner Bar sitzen wollte. Ich verbrachte den Tag am Hafen in Kapstadt. Aß gute Dinge, fuhr Riesenrad, lauschte einem Streetsinger-Girl, schrieb Postkarten und hatte einen ziemlich guten Tag. Ich liebe Hafenstädte und Foodmärkte. Es war perfekt. Am Hafen gab es die ziemlich nervigen Stände, an denen Verkäufer einem die Schiffsrundfahrten andrehen wollen. Mich nervt das angequatscht werden immer. Wobei ich eigentlich schon Lust hatte auf eine Rundfahrt. Aber ich konnte mich nicht so Recht entscheiden. Nahm den ein oder anderen Flyer mit. Soll ich eine Sunset-Tour machen oder nicht. Das war alles so auf romantisch getrimmt, dass ich  mir da alleine fast ein wenig doof vorkam. Kurz bevor die Schiffe ablegten, bot mir einer einen günstigen Preis und ich schlug spontan zu… und landete ausgerechnet auf dem freakigsten Boot von allen…  Piratenschiff.

Die machen untertags eher so Kinderbespaßungstouren. OMG, das konnte ja heiter werden. Wo bin ich da schon wieder gelandet, dachte ich mir noch. Dann legten wir ab. Einer der Piraten, Mitte 20, süßer Typ, quatschte mich an. Marci hieß er, kam immer mal wieder bei mir vorbei und unterhielt sich mit mir. Ich dachte anfangs, dass das Teil des Programms wäre. Warum sollte der sich auch sonst für mich interessieren? So geht das in meinem Kopf immer. Aber er machte mir auch das ein oder andere Kompliment und unterhielt sich offensichtlich nicht mit allen Gästen in dem Ausmaß, wie er es mit mir tat. Ich nahm das zur Kenntnis, freute mich über den kleinen Flirt. Genoss den Sonnenuntergang, das schöne Licht. Kurz vor Ende der Tour fragte er mich, ob ich am Hafen noch in einer bestimmten Kneipe auf einen Drink mit ihm gehen wollte. Huch, damit hatte ich ja gar nicht gerechnet. Ist das so wenn man alleinreist? Ich hatte überhaupt nicht intendiert nochmal jemanden kennenzulernen. Er sagte, dass er sowieso dort einen auf einen Drink gehen würden und wenn ich Lust hätte, könnten wir uns eine halbe Stunde nach dem Anlegen dort treffen. Verrückt. Ich hatte ja noch eine halbe Stunde Zeit um mir zu überlegen, ob ich das wollte, oder nicht.

Wir gingen in die Kneipe und er lud mich auf ein Bier ein. Er erzählte, dass er die meiste Zeit auf dem Schiff wohnt. Bezeichnete sich selbst als coloured, was ich bei uns unter Mischling (nicht wertend verstehen) einsortieren würde: weiße Mutter, schwarzer Vater. Nach eigener Aussage gebürtiger Capetowner. Er mag seinen Job (und ich mochte, wie cool er mit den Kindern umgegangen ist). Irgendwann ging es um Beziehungen… Und ich erzählte halt von meinen Leben und dass das mit der Monogamie nicht so mein Ding ist.. und er bekam immer größere Augen. Damit hatte er so gar nicht gerechnet. Er liebt seine Freiheit, Freundinnen haben ihn immer zu sehr eingeengt. Er muss sich wohl gedacht haben: Jackpot. Damit konnte er nicht rechnen, als er mich angesprochen hatte. Wie auch immer es kam, er fragte mich, ob ich die Nacht mit ihm verbringen wollte. Nicht auf dem Schiff, da sind keine Frauen erlaubt. Manchmal schläft er eine Nacht im Hotel.  Ob es okay wäre, wenn wir uns den Preis für das Zimmer teilen würden… Wollte ich das? Eine Nacht mit jemandem, den ich nicht kenne.

Wir gingen zum Schiff zurück um seine Sachen zu holen. Die Kollegen veräppelten ihn angemessen, ob des offensichtlichen Aufrisses. Aber auch er gab mir das Gefühl, nicht irgendso ein Aufriss zu sein. Es fühlte sich gut an. Ich mochte ihn. Lecker Kerlchen, nett, süß, zuvorkommend. Ich hatte quasi nix zum übernachten mit – nur so nen Tagesrucksack mit. Aber ich ließ mich auf das Abenteuer ein – mit dem Wissen, dass ich mir ja jederzeit ein Uber rufen konnte, dass mich dann nach Hause bringt. Ähnlich wie das Stundenhotel, war auch das Hotel eher nicht das Niveau auf dem ein Tourist jemals in der Stadt übernachten würde. Aber das Zimmer mietete man hier immerhin die ganze Nacht. Marci mietete sich manchmal hier ein, wenn er keine Lust aufs Schiff hat. Dann freut er sich über den Fernseher und das große Bett.

Als wir ankamen, ging er erst mal unter die Dusche. Ich machte es mir auf dem Bett bequem. Jetzt wo ich es schreibe, merke ich, dass es doch nun schon 6 Wochen sind. Ich habe keinen blassen Schimmer mehr, ob er gut küssen konnte. Ich glaube schon. Als er nur mit Handtuch aus der Dusche kam, zog ich mich bis aufs Höschen aus. Er fuhr voll auf meinen Hintern ab. Total schräg, da ich ja fast mein Leben lang mit meinen „zu“ großen weißen Hintern hadere. Und mich immer über die sehr gelungen Brüste gefreut habe. Er hatte nur Augen für meinen Hintern und geizte nicht mit Komplimenten. Das ging runter wie Öl. Bei den Details ist meine Erinnerung schon sehr blass. Er hatte keine Kondome mit. Ich hatte welche in meinem Rucksack. Gab sie ihm. Ich blies ihn – schöner Schwanz, ihm gefiel es. Wir hatten Sex, ich half nach und kam, er kam als er mich Doggy ordentlich durchgevögelt hat. Dann schliefen wir ein. Dasselbe in etwa morgens nochmal. Neues Kondom natürlich. Nur dass er dann beim Rausziehen sofort sagte, dass das Kondom gerissen war.

FUUUUCKK.  Mir wäre es vermutlich nicht aufgefallen, hätte er nichts gesagt. Aber er sagte es gleich. Oh krasser Scheiß. Ausgerechnet in Südafrika. Das wäre der Moment, wo man den anderen vermutlich fragt, ob er HIV positiv ist, also vielleicht auch nicht. War das rassistisch oder nur mathematische Wahrscheinlichkeit. Ich war sehr gefangen in meinen Gedanken. Ich fragte ihn jedenfalls nicht. Ich wäre mir sehr blöd vorgekommen. Neben der HIV-Nummer galt es auch erstmal die Schwangerschaftsnummer zu lösen. Ich habe in Deutschland noch nie die Pille danach gebraucht. Aber jetzt in Südafrika. Na klasse. Erst mal googeln wie man die hier bekommt. Marci sagte, dass er das schon von seiner Schwester mal kannte. Er ging also mit mir zur Apotheke. Es war aber auch ein schräger Moment, als weiße ältere Frau mit einem jüngeren Mann in der Apotheke nach dem Ding zu fragen. Zumal ich ihn sprechen ließ, erstmal. Jetzt weiß ich, dass das Ding Morning-After heißt und werde das auch nie mehr vergessen. Ich bekam es nach dem Beantworten von ein paar Fragen relativ Problemlos. Aber ich hatte wirklich Respekt vor dem Hormonhammer.

Marci und ich tauschten noch Telefonnummern, dann ging ich heim. Müde und mit 1000 Gedanken im Kopf. Keine Ahnung, ob seine Nummer stimmt. WhatsApp hat er scheinbar nicht und angerufen habe ich noch nie. Ich wüßte ja wo man ihn findet,

Back to black

Erst mal hineinschlafen in den ersten Urlaub, der so ganz anders gestartet war, als gedacht. Nach dem Abend an dem ich Tatenda kennengelernt hatte, schlief ich erst mal bis Mittags. Dann ließ ich mir nochmal den Vorabend durch den Kopf gehen… Mich hat jemand in einer Bar angegraben. Ich muss das erst mal sacken lassen. Manche mögen nun schreien: „Pff, als ob das als Frau so ne Kunst wäre“. Also ich erinnere mich zumindest auf Anhieb nicht, wann ich das letzte Mal einfach so jemanden an einer Bar kennengelernt habe (außer im Swingerclub)…. Okay, okay, vielleicht scheitert es daran, dass ich mir nach Vorerfahrungen eingeredet habe, dass ich nicht der Typ Frau bin, denn man in einer Bar anquatscht und mich quasi nie mehr anquatschbar in einer Bar aufgehalten habe. Also dachte ich über seine möglichen Hintergedanken nach. Was kann nun dieser schwarze Barkeeper von mir wollen. Sex, jupp wäre möglich und auch wahrscheinlich. Jetzt gehöre ich ja nicht so zu den Frauen, die sich denken „Verdammt, der will nur mit mir vögeln“ Da muss ich eher immer darüber schmunzeln, was Männer einen Affentanz (Aufwand) vorher betreiben, um ihre Absichten Frauenkompatibel zu verpacken. Wenn der wüßte, dass er ausgerechnet eine Sexbloggerin aufgerissen hat. Darüber musste ich sehr lachen.

Ich habe die meisten Männer in letzter Zeit über den Joyclub kennengelernt, dabei waren entweder Vorlieben kompatibel oder intellektuelles Interesse vorhanden. Dass ich vor jemandem sitze und er mich einfach so aufreißt, dass überraschte mich und deswegen war ich noch eher vorsichtig. Ich hatte da auch ein paar „Der will am Ende nur irgendwie Geld von mir“ Gedanken“. Weniger aus rassistischen Gründe, denn aus der Unsicherheit über die eigene Attraktivität. Ich versuchte offen zu bleiben, aber meinen gesunden Menschenverstand nicht außen vor zu lassen. Tatenda und ich hatten uns für 15 Uhr verabredet. Er wollte mir die Gegend zeigen und er schrieb noch: „Cant´t wait to meet the sober you“ Haha, so betrunken war ich auch nicht. Mal sehen, wohin mich diese Reise führen wird.

Ich machte Sport (Gott, was bin ich stolz) und quatschte mit meinem Host. Und wir verquatschten uns. Das merkte ich, als Tatenda um 15 Uhr mein Handy anklingeln ließ. Haha, allen Vorurteilen zum Trotz war mein südafrikanischer Begleiter um Punkt 15 Uhr vor meiner Tür und ich (deutsch) noch nicht fertig und würde zu spät sein. Es stellte sich heraus, dass er selbst nur 100 Meter von mir entfernt wohnte. Was ein Zufall, so klein ist jetzt Kapstadt auch nicht. Er hatte einen Bekannten als Taxifahrer organisiert, der uns herumfahren würde. Ich war gespannt, wie das mit dem Zahlen laufen würde. Auf der anderen Seite war bisher alles bezahlbar gewesen, also entspannte ich mich ein wenig. Ich dachte, wir würden in der Stadt rumlaufen. Aber auch gut, mal sehen, wo wir am Ende landen. Wir fuhren raus aus der Stadt zu den Aussichtspunkten. Diese Stadt ist wirklich atemberaubend schön. Wir fuhren eine Küstenstraße entlang zum Chapmans Peak, und weiter zu einem Strand. Zwischen uns fühlte es sich gut an. Er kuschelte sich immer mal wieder an mich hin, wir knutschten ein wenig, manchmal hielten wir Händchen. Wir sahen wohl aus wie ein verknalltes Pärchen, wenn auch ungewöhnlich, denn ich hatte in Südafrika bisher nicht wirklich viele schwarz/weiß gemischte Pärchen gesehen. Der Taxifahrer war zu gleich Reiseführer und erklärte mir die Orte. Wir hatten alle Spaß. Tatenda zahlte alles was anfiel wie die Mautgebühren, so dass ich irgendwann schon ein schlechtes Gewissen hatte. Das war der perfekte Nachmittag. Die Herren verarschten mich Whitey immer ein wenig, weil ich Sonnencreme brauchte und mir was auf den Kopf setzten musste. Ich entgegnete, dass sie froh sein sollten, dass ich nicht meinen Polarbear-farbenen Bauch auspacken würde, sonst wären sie blind hinterher, weil er so weiß leuchtet. Als wir am Meer waren zog ich sofort meine Schuhe aus und lief ins Wasser. Meine schwarzen Begleiter blieben am Strand und schüttelten den Kopf darüber, dass ich voller Freude ins kalte Wasser ging. Kalt… Lol…

Es war spannend Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu entdecken. Ich erzählte ihm, dass ich ein Blog über Sex schreibe. Ich liebe dieses Breaking the rules of the game. Hihi. Da fängt also die weiße Frau plötzlich damit an, dass sie über Sex schreibt den sie selbst hat. Und dass sie einigermaßen viel Sex hat und auch gerne und mehrere Männer. Ich bin mir sicher, dass er sich überlegt hat, ob er nun im falschen Film ist, mit einer Frau im Arm, die wesentlich mehr ausprobiert hat, als er und das auch noch zugibt. Dass er verheiratet ist hatte er mir vorher schon gesagt. Er machte da gar keinen Hehl daraus. Ich sagte ihm, dass ich damit leben kann. Dass er das mit sich ausmachen müsse.

Irgendwann merkte ich, dass Tatenda nervös auf sein Handy guckte. Er musste am Abend wieder in der Bar arbeiten und lief Gefahr zu spät zu kommen. Das wollte ich nicht. Also fuhren wir zurück. Wir setzten erst Tatenda ab und dann mich. Da ich nicht wußte, ob er das mit dem Bezahlen geregelt hatte zahlte ich einfach mal den Taxifahrer. Keine Ahnung, ob der dann zweimal Geld bekommen hat. Ich war auch gar nicht genervt darüber was zu bezahlen, nur dass er mir nicht gesagt hatte was Sache ist. Zurück in der Unterkunft ließ ich den Nachmittag nochmal Revue passieren und so langsam machte sich das Gefühl breit, dass er mich wirklich deswegen angequatscht hatte, weil er mich attraktiv fand. Ich war einfach sein Typ. Und es ging mir ein bißchen so wie in der Karibik, wo ich mich schon sauwohl gefühlt hatte. Ich entsprach mit meinen Kurven immernoch dem Schönheitsideal vieler schwarzer Männer, mit dem Exotenbonus, dass ich weiß bin.

Am Abend waren wir dann wieder in der Bar verabredet. Er war schon ein paar Stunden im Dienst und ich kam nach. Ich setzte mich wieder zu ihm an die Bar. Alle Barkeeper grinsten mich an. Ich setzte mich so, dass ich mir das Getümmel in der Bar ansehen konnte. Ich genoss es ein wenig mit ihm zu flirten und an einem pulsierenden Ort zu sein. Ich durfte wieder nicht alle meine Getränke bezahlen. Irgendwann fragte er mich, ob ich Lust auf ihn hätte und wir denn zu mir gehen könnten. Ich verneinte, da ich die Unterkunft ja nicht für mich allein hatte. Zu ihm schied auch aus. Er fragte mich, ob ich mit ihm in ein Hotel gehen würde. Warum eigentlich nicht. Ich war gespannt, wo er mitten in der Nacht ein Hotel herbekommen würde und hatte noch so meine Zweifel, dass das was werden würde. Er wollte eine Pause machen und danach wieder in die Bar zurück gehen. Als wir uns draußen vor der Tür trafen, fragte ich ihn zuerst, ob er denn keinen Ärger bekommen würde, wenn er jetzt mit mir verschwindet. Er verneinte, da er sonst derjenige sei, der nie Pausen macht, konnte er das ganz gut mit den Kollegen ausdealen. Wir liefen los. Auch was, was ich sonst nicht gemacht hätte: Nachts durch die Straßen von Kapstadt laufen. Ich hätte ein Uber genommen. Er würde auf mich aufpassen, also alles okay. Wir gingen in ein „Hotel“. Es vermietet Zimmer stundenweise. Ich grinste, weil er wußte wo eines zu finden ist. Andererseits ist die Wohnsituation der meisten schwarzen Südafrikaner so beengt, dass ich davon ausgehe, dass die fast alle wissen, wo sie für ein paar Stunden hingehen können. Naja Stundenhotels kenne ich ja auch von innen. Der Standard ist hier allerdings schon nochmal ein ganz anderer. Tatenda fragte mich, wie lange wir wohl brauchen würden. Äh, keine Ahnung. Ich glaube er buchte dann eine halbe Stunde. Oh wow, na dann mal fix. Ich entschied mich, mich darauf einzulassen, mich nicht zu fragen, wann die Bettdecke das letzte Mal gewaschen worden ist, oder das Zimmer gewischt. Wenn es für ihn okay war hier, dann war es für mich auch okay. Wir kommen aus verschiedenen Welten, aber ich bin nicht anspruchsvoll (im Sinne von Zimmerstandart), bin backpacking und Zeltlager erprobt. Ich fragte mich eher, ob er an Verhütung gedacht hatte. Aber musste er gar nicht, wie sich rausstellte. Im Zimmer waren Kondome (wie bei uns im Club halt auch). Kostenlose Kondome war mir schon ein paar Mal aufgefallen in Südafrika. Finde ich gut.

Wir hatten ja nicht viel Zeit. Immerhin waren wir uns schon vertraut was Nähe angeht, deswegen war es nicht so krampfig plötzlich auf Sex umzuschalten. Apropos Sex – da schoss es mir durch den Kopf: Ich war gespannt, wie groß sein Schwanz sein würde und musste über mich und diesen Gedanken lachen. Was diese Pornos doch mit einem machen. Es gibt da ja quasi nur Big Black Cocks… Man verliert da ein wenig den Maßstab. Groß, aber nicht riesig würde ich seinen nennen. Wir zogen uns aus. Er liebte meinen weißen nackten Körper. Vor allem mein Arsch hatte es ihm angetan. Meine Brüste fand er gar nicht so spannend. Alles anders als zu Hause. Der Kontrast zwischen meinem weißen und seinem schwarzen Körper war groß, aber wir fanden es beide spannend. Er hatte sehr weiche angenehme Haut. Das Vorspiel fiel nicht allzu üppig aus. Wir streichelten uns ein wenig, knutschten, dann holte er ein Gummi und zog es sich über. Ich nutzte die Gelegenheit ihn noch in den Mund zu nehmen. Er mochte mein Piercing. Dann fickte er mich. Lange und standhaft – so viele Klisches. Ohne Nachhelfen würde ich nicht kommen, aber es passte nicht so Recht. Er konnte gut ficken. Es war einfach nur alles zu schnell für meinen Kopf. Also zu wenig Vorspiel, zu wenig „Wir-kennen-uns“, zu wenig „Ich weiß was er möchte, wie er tickt“. Ich hielt mich an meinen Vorsatz keine Orgasmen mehr vorzuspielen. Das brachte ihn fast zur Verzweiflung. Ich hatte trotz dem Spaß. Ich genoss es, so eine völlig unerwartete schräge Erfahrung zu machen. Er ermutigte ihn zu kommen. Dass es völlig okay sei für mich.

Viele Klischees, aber ich glaube er hat sich so ein wenig darauf verlassen, dass seine gute Ausstattung (Schwanz) und Technik (sportlicher Mann, ordentliches Gerät, da kann man gute Winkel ficken) ausreichen würden um es mir zu besorgen. Ich würde wetten, dass ihm die Mehrheit der Frauen auch einfach einen Orgasmus vorgespielt hätten und gut.

Es quälte ihn ziemlich, dass er es mir nicht besorgt hat. Auch Klischee: aber ich glaube dass es ihn insofern nervte, weil wenn schwarze Männer in einem Punkt weißen Männern im Schnitt überlegen sind, dann vermutlich in der sexuellen Performance. Jetzt hat er Sex mit einer weißen Frau und die kommt nicht. Er war echt krass niedergeschlagen. Es brauchte viel gutes Zureden um ihm zu erklären, dass es mir trotzdem gefallen hat, dass ich meistens beim ersten Mal nicht komme, dass es eine Kopfsache ist bei mir und dass Frauen wie Diesel sind, die vorglühen müssen. Und dass ich es jederzeit wieder tun würde.

Er brachte mich im Taxi nach Hause und fuhr dann zurück in die Arbeit. Wir würden uns wiedersehen und ich freute mich schon darauf.

Auch jetzt kann ich es noch nicht fassen, dass ich bereits an meinem zweiten Abend in einem südafrikanischen Stundenhotel gelandet bin. Mut oder Übermut – so ein wenig bekloppt bin ich ja schon.

 

 

Der Barkeeper und ich…

Motel One Bar – kristallisiert sich zu meinem Lieblingsschreibeort heraus.

Seit dem geplatzten Gummi sind die ersten zwei Wochen nun schon vorbei. Also muss ich nur noch vier Wochen warten, bis ich mich testen lassen kann. Das Ganze ist durchaus mehr in meinem Hinterkopf präsent, als ich gerne hätte. Es legt über meine Reise doch so einen kleinen Schatten, erst mal.

Viele Gedanken, ich würde so gerne viel schreiben. Aber die knapp drei Wochen reisen, rächen sich insofern, dass die erste Woche wieder zu Hause krass vollgestopft war und ich einfach keine Zeit zum Schreiben hatte.

Weihnachtskilos waren weg, jetzt habe ich im Urlaub wieder zugenommen. Sehr frustig. Mal wieder eine neues Höchstgewicht. Es geht dann immer mal wieder runter um dann noch eine Schippe draufzulegen. Klassisches Jojo halt. Ohne eine eklatante Änderung in meinem Leben, die Wohnsituation und zeitliche Belastungen beinhaltet, werde ich daran auch nichts ändern können. Aber warum schreibe ich das? Ich hatte kurz überlegt, statt zu Schreiben in einen Club zu gehen, aber ich mag mich gerade selbst nicht. Das ist eine eher schlechte Voraussetzung, um sich auf Menschen einzulassen. Lieber mich mit Menschen umgeben, die ich schon kenne, die mich einfach hinnehmen oder mögen wie ich bin. Laune ist gerade mehr so kuscheln und einigeln, als ficken.

Ich schulde euch zwei aktuelle Themen: Zum einen noch den Artikel über die Reise, zum anderen hab ich gleich nach meiner Rückkehr mit Mr. Bondage einen Kink-Workshop besucht, der sehr spannend war und einen Artikel verdient. Worüber schreibe ich jetzt also zuerst? Immer diese harten Entscheidungen bei AperolSprizz.

Ich versuche mich in meinen ersten Abend in Kapstadt zurück zu versetzen. Die Urlaubsgefühle wieder zu erwecken. Ich bin also ganz alleine nach Kapstadt geflogen. Hatte mir eine Unterkunft gebucht, aber sonst noch überhaupt keine Pläne gemacht. Ich kam am an frühen Abend in der Wohnung an. Meine Gastgeberin verstand ihren Job und hatte mir eine ganze Liste an Empfehlungen für Restaurants aufgeschrieben. Ich war hungrig und musste zwangsläufig nochmal los. Und wollte auch los. Es wäre ja auch einfach zu schade Zeit in einer Wohnung abzusitzen, wenn man in einer der wunderbarsten Städte der Welt ist. Ich ging die Liste durch und entschied mich für eine Bar. Bestellte mir ein Uber und ließ mich dort hinfahren. Sobald es dunkel ist, bewegen sich weiße Menschen eigentlich nicht mehr anders fort, als mit Uber. Für deutsche Maßstäbe sind die Preise für Uber auch wirklich günstig. Und es ist sicher. Voll gute Erfindung für dort. Ich hatte mich für eine Bar entschieden. Ziemlich cooler Schuppen. Wahrscheinlich hätte ich mich in meiner Heimatstadt nicht in so einen fancy Laden getraut. Es war ziemlich voll. Also wurde mir ein Platz an der Bar geboten. Das mag ich eh ganz gerne. Von dort aus kann man eigentlich ganz gut Menschen beobachten.

In der Bar arbeitete eine sehr bunte Mischung aus hippen Menschen sowohl schwarz, als auch weiß. Bisher waren mir eher schwarze im Service begegnet, deswegen war mir das aufgefallen. Hinter der Bar waren schwarze Jungs in sehr schicken Klamotten – Anzughose und Weste. Sie machten auch eine ziemliche Show beim Cocktails mischen. Aber das gefiel mir. Sie wußten, was sie taten. Hohes Niveau beim Barkeepen. Ich entschied mich für einen Cocktail und einen Salat. Und freute mich einfach drüber Menschen anschauen zu können, sowohl hinter als auch vor der Bar. Ich flirtete ein bißchen mit den Barkeepern, aber bildete mir nichts darauf ein. Das gehörte für mich einfach zum Bargeschäft dazu, dass sie die Solofrau vor der Theke ein wenig unterhalten. Umso überraschter war ich, dass als ich meinen Drink leer hatte, ich ungefragt einen neuen Drink bekam. Nicht denselben den ich schon hatte, sondern einen ähnlichen. Ich dachte kurz darüber nach, ob das nun so eine Abzockermasche war, wo ich am Ende so eine Riesenrechnung bezahlen muss. Die Preise waren für Südafrika zwar einigermaßen hoch, in meinem Münchenmaßstab aber gut zu verkraften. Einer der Jungs hatte den Drink hingestellt, ein anderer grinste mich an dabei. Spannend. Mal sehen, wohin das führen würde. Ich konnte es mir leisten und rechnete damit den Drink bezahlen zu müssen. Auch wenn es so wäre, nur halb so wild. Es würde dann vermutlich einfach dazu führen, dass ich am nächsten Abend nicht mehr in die Bar gehen würde, wo man mir ungefragt Drinks hinstellt. Ich unterhielt mich gut mit den Jungs uns sah mir das Treiben in der vollen Bar an. Menschen, sehr bunt gemischt. Alt, jung, hipp, reich, Künstler, Studenten. Ich langweilte mich keine Sekunde. Nach einer Weile quatschte mich eine andere Frau an, die ebenfalls wie ich allein an der Theke saß. Wir hatten ein nettes Gespräch. Sie hatte auch Lust mit den Barjungs zu flirten. Also taten wir das. Wir interessierten uns für zwei unterschiedliche Männer. Sehr praktisch. Ich bekam im Laufe des Abends noch zwei weitere Drinks einfach so hingestellt. Da war ich doch mal auf die Rechnung gespannt. Es war eigentlich ein sehr gelungener erster Abend in Kapstadt. Einziges Problem. Mein Handyakku hatte schlapp gemacht. Ich hatte mir gerade noch die Adresse meiner Unterkunft auf einen Zettel gekritzelt, bevor das Telefon entgültig ausging. Die Barkeeper boten mir an es zu laden. Irgendwann so gegen 1 Uhr wurde ich müde und wollte nach Hause. Ich fragte nach der Rechnung und ließ mir mein Handy wieder bringen. Es war nicht geladen. Was mich nicht sehr überrascht hat, da ich schon befürchtet hatte, dass sie kein USB-C Ladekabel da haben würden.

Mein Flirt brachte mir die Rechnung. Erste Überraschung. Es standen nur die Drinks auf der Rechnung, die ich bestellt hatte. Sie hatten mir also wirklich drei Cocktails ausgegeben. Verrückte Sache. Damit hatte ich so gar nicht gerechnet. Ich verdiene doch mehr als er…. Hoffentlich bekommt er keinen Ärger, wenn er einfach so Drinks ausgibt… Macht er das immer? Er kann doch nicht dauernd einsamen Frauen Drinks ausgeben….Was erhofft er sich dafür? Und warum ich? Viele Gedanken schossen durch meinen Kopf. Ich bezahlte und gab wirklich ein riesiges Trinkgeld. Er bot mir an, mir beim Taxiholen zu helfen. Uber ging ja nicht, da mein Handy leer war. Das Angebot nahm ich dankend an. Wir trafen uns draußen vor dem Restaurant wieder. Er heißt Tatenda. Kommt gebürtig aus Simbabwe. Ich gab ihm meine Handynummer. Drinnen hatte er mich nicht danach fragen dürfen. Er besorgte ein Taxi und verhandelte den Preis. Er bot mir an mit zu fahren und sich dann wieder zurück bringen zu lassen. Irgendwie verrückt. Aber ich hatte ein gutes Bauchgefühl. Jedenfalls saßen wir im Taxi. Er wußte, dass ich den ersten Abend in der Stadt war. Er bot mir an, dass er mir am nächsten Tag etwas von seiner Stadt zeigen würde. Das nahm ich dankend an. Wir fuhren nicht auf direktem Wege heim. Er ließ den Taxifahrer zum Signalhill fahren. Das ist die Superromantiknummer. Von dort aus hat man einen wunderbaren Blick über die Stadt. Da gucken die ganzen Pärchen immer den Sonnenuntergang. Ich war also noch keine 5 Stunden in der Stadt und stand kuschelnd mit dem Barkeeper auf dem Signalhill und blickte auf die Lichter Kapstadts. So verrückt. Damit hatte ich so gar nicht gerechnet. Ich hatte nicht vor jemanden so kennenzulernen.

Wir blieben nicht lange. Ich war angeheitert und wollte ins Bett. Er hatte sich in der Arbeit nur eine Pause genommen und musste zurück. Wir fuhren im Taxi zu meiner Unterkunft und ich wurde abgesetzt, bekam noch ein Küsschen und musste noch nicht mal mein Taxi bezahlen. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag um etwas Sightseeing zu machen. Das war schon ein sehr verrückter erster Abend als Alleinreisende. Ich hatte mich einfach offen auf Menschen eingelassen. Blieb mir ja allein auch nix anderes übrig. Nach nicht mal fünf Stunden hatte ich jemanden getroffen, der mir seine Stadt zeigt. Das ist so cool.