Unbefriedigt befriedigt

Wie ich diesen Blogeintrag nennen würde, war mir nach dem Abend sofort klar. Zum Schreiben hat es ein wenig länger gedauert.

Während ich dies schreibe, spült mir Facebook drei Jobausschreibungen meines Noch-Arbeitgebers in die Timeline. Dann kann ich die Kündigung also doch persönlich nehmen. Das schmerzt und frustriert mich jetzt für einen Moment. Und dann schiebe ich es weg von mir. Mich zu grämen hilft mir nicht weiter. Nach vorne blicken. Ich werde etwas finden, das passt.

Ich hatte mehr als einen Monat keinen Sex gehabt. Eigentlich weiß gar nicht wie lange. (Von dem Blowjob mal abgesehen) Immerhin kann man mir aktuell nicht vorwerfen ich würde nur für mein Blog vögeln. Dafür ist es einfach wirklich zu wenig. Jedenfalls bekam ich meine Tage. Dabei war mir aufgefallen, dass ich seit dem letzten Mal keinen Sex hatte. Eine Freundin hatte mich gefragt, ob ich eine Woche später mit in einen Club gehen würde. Ich sagte unter Vorbehalt zu. Ohne hormonelle Verhütung konnte ich nicht absehen, ob meine Tage bis dahin auch wirklich weg waren.

Aber es klappte. Genau am Tag des Clubbesuchs war ich mit meiner Periode durch.  Als ich meine Freundin fragte, ab wann sie denn im Club sei, antwortete sie zu meiner Überraschung bereits ab Mittag. Das hatte ich so gar nicht auf dem Schirm gehabt, dass man dort ja auch untertags hingehen kann. Ich war untertags bereits anderweitig verabredet. Ich sagte mein Kommen für den späten Nachmittag/Abend zu. Meine Freundin ging mit ihrem Mann in den Club. Beim Blick auf die Eintrittspreise dachte ich mir, dass es für Männer eine ziemliche Verschwendung wäre, wenn ich alleine in den Club gehe. Also stellte ich auf meiner liebsten Rirarammel-Seite ein Dategesuch nach einem Begleiter für den Abend im Swingerclub ein. Sollte ich mich nicht gut mit ihm verstehen, war er immer noch viel günstiger in den Club gekommen als allein. Also egal wie der Abend läuft es wäre eine Win-Win-Situation.

Als Frau ein Date auf so einer Seite einzustellen ist eine spannende Sache. Innerhalb von 10 Minuten ploppten knapp 10 Anfragen auf. Da war dann alles dabei. Vom Klassiker „Penisbild“ mit dem Hinweis, dass das XXL-Gerät des Besitzers schon einsatzbereit sei. Bis zu schüchternen Anfragen, dass derjenige gerne zum ersten Mal einen Club von innen sehen möchte. Mein Interesse weckte das Profil eines Mannes, der in etwa in meinem Alter war und auch eher ein wenig querdenkermäßig daherkam. Weniger auf Sex aus zu sein schien, als einfach einen guten Abend in der Clubatmosphäre haben zu wollen. Da entschied ich mich also für ein Gespräch, statt für hart rammeln. Zumal es den Typ „hirnrausvögeln“ im Club mit Sicherheit sowieso geben würde, also muss ich ihn nicht auch noch mitbringen.

Richtige Entscheidung, da wir wirklich ein für mich bereicherndes Gespräch über den Abend führten. Er hatte sich viel mit sich selbst beschäftigt und damit was ihm guttut. Mit Energie. Mit Mann und Frau sein. Wir waren nicht immer einer Meinung, aber ich mag gerne auch andere Perspektiven hören. Auch er tut sich schwer mit einem klassischen Job. Hat sich sein Arbeitsumfeld so geschaffen, wie es zu ihm passt. Beruhigend irgendwie.

Er war erst zwei Mal vorher in einem Club gewesen. Die zwei Herausforderungen waren also, dass wir uns nicht wirklich kannten und er kein erfahrener Clubgänger ist. Ziemlich spät streiften wir durch den Club um zu sehen, ob noch etwas Spannendes im Gange war.  Auf den Matten war es schon ziemlich leer. Wir fanden eine kleine Ecke, die nicht von allen Seiten zugänglich war in einer kleinen Hütte im Garten. Sie war allerdings eher ziemlich hell, nicht dunkel wie in so mancher Spielhöhle. Er war so zurückhaltend, dass ich aktiver werden musste, als mir das lieb ist im Club. Wir saßen also da auf der Matte und wussten nicht so recht wie anzufangen. Den Moment gibt es meistens, wenn man sich nicht kennt und die eigenen Unsicherheiten nicht mit Alkohol weggetrunken hat. Meistens fängt man dann an zu knutschen und dann geht das Krampfige weg. Knutschen klappte, aber das Krampfige wollte nicht weggehen. Ich griff auf das zurück, worin ich mich wohlfühle und bot ihm einen Blowjob an. Das klappte soweit ganz gut, allerdings hatten wir mittlerweile noch drei Männer auf der Matte, die mitmachen wollten. Allerdings wusste er nicht, was ich will und umgekehrt. Den ersten Mann schickte ich noch weg. Wir hatten uns nicht darüber unterhalten. Fehler. Den zweiten Mann ließ ich gewähren. Das war sehr schräg. Nach ein wenig Fummeln hatte ich irgendwann Sex mit dem zweiten Mann. Aber ich bekam den Kopf nicht aus. Bei meinem Begleiter war die Lust komplett weg und auch der Mann der mich fickte hatte am Ende auch keinen Spaß dran. Wir schickten die Männer weg. Aber mein Begleiter hatte einfach keine Lust mehr. Er ließ nicht so Recht raus woran es lag. Bei mir hinterließ es erst mal ein schlechtes Gefühl, weil ich das erstmal automatisch auf mich bezog.

Wir gingen zurück an die Bar und philosophierten noch mal zwei Stunden weiter über das Leben. Landeten später nochmal auf einer Matte, auf der wir einfach redeten. Ein wirklich gutes Gespräch, das allerdings dem misslungenen Sex nicht auf den Grund ging.

Befriedigt vom Gespräch, aber sexuell unbefriedigt nach Hause gegangen.

 

 

Wenn das Leben Kopf steht, greift man auf Bewährtes zurück…

In meinem letzten Eintrag habe ich über das Trennungsgespräch geschrieben. Das hatte eine halbe Woche vor der Kündigung stattgefunden. Ein paar Tage später hat mich dann die schon verbloggte Kündigung erreicht. Mr. Bondage und ich waren nach dem Trennungsgespräch auseinandergegangen, in dem Gefühl, dass wir uns bestimmt wiedersehen werden, dass es aber ein wenig dauern könnte.

Als dann mein Leben mit der Kündigung eine überraschende Wende genommen hat, habe ich in einem Reflex auch ihm geschrieben. Auf Bewährtes zurückgegriffen. Er hat mein Leben nun doch schon eine Weile nicht nur als Affäre sondern auch als kritischer, wohlmeinender Ratgeber und Freund begleitet. Ich konnte gar nicht anders als ihm von dem einschneidenden Erlebnis zu erzählen. Er hörte zu und bot mir nach zwei/drei Tagen an, dass ich ihm beim Aufbau seiner Möbel gegen Bezahlung helfen könnte. Das klingt komisch. War aber genau richtig für mich. Ich baue wirklich gerne Möbel auf. Es gab mir die Möglichkeit gar nicht erst in ein Loch zu fallen, da ich gleich was zu tun hatte. Und wir verbrachten, wenn er aus der Arbeit kam Zeit miteinander. Als klar war, dass ich übernachten würde, fragte er mich, wo ich denn schlafen wolle. (Ich hätte auch das Gästezimmer wählen können)  Er respektiere die Trennung. Ich wollte da schlafen, wo ich immer geschlafen hatte – bei ihm im Bett.

Ich hatte das Bedürfnis ihm nah zu sein und ihm Nähe zu geben. Ich tat das worauf ich Lust hatte und das war ihn zu streicheln. Wir streichelten uns, gaben uns Nähe, knutschten ein wenig. Nicht mehr und nicht weniger.  So wachte ich also ein paar Tage nachdem ich mich getrennt hatte wieder in seinem Bett auf.

Gefühlt war ich schon mal an dem Punkt. Und wenn ich drüber nachdenke ist das schon irgendwie bekloppt und schräg. Und ein im Kreis drehen. Irgendwie richtig und falsch zur selben Zeit. Keine Ahnung was daraus wird. Keine Ahnung, was das nun ist (außer unglaublich inkonsequent :-)) Vielleicht einfach menschlich…

Zu doof für ein Trennungsgespräch

Der erste Kündigungsschock ist überwunden. Es nagt immernoch ein wenig, aber das dauert einfach. Wäre auch komisch wenn nicht. Ansonsten mache ich das beste aus meinem überraschend leeren Terminkalender und überlegem welche Sachen ich schon lange mal erledigen wollte.

Vielen Dank für euer Mitgefühl und die vielen Ratschläge, die mich erreicht haben. Mein Blog ist öffentlich und nachkarteln nicht mein Stil, deswegen halte ich mich bedeckt. Zwei Fakten sind, dass der Zeitpunkt für mich überraschend war und dass ich an dem Tag nicht alleine gekündigt worden bin. Ich habe mich nicht in der Lage gesehen, das mir angebotete Gespräch darüber zu führen. Und ja, so selbstreflektiert bin ich durchaus, einer der Gründe wird gewesen sein, dass mein Arbeitgeber aus verschiedenen Gründen mit mir unzufrieden war.  Daraus ziehe ich meine Schlüsse. Ich war ein loyaler Arbeitnehmer und ich werde ein loyaler Ex-Mitarbeiter sein. Viele Gespräche zeigen mir, dass Kündigungen öfter vorkommen und sich für die meisten eine Freistellung superunangenehm anfühlt. Mal sehen, was die ersten Bewerbungen so bringen. Das war nur das Update, aber nicht der eigentliche Blogeintrag.

Das Schlussmach-Gespräch.

Per Whats-App Schluss machen ist sehr einfach. Vor Allem wenn man immer genau dann sauer ist auf einen Menschen, wenn man ihn nicht sieht, weil man ihn nicht sieht (zu wenig sieht.) Die Zeit zusammen war eigentlich nie das Problem. Mr. Bondage war mir viel zu wichtig um mich Ghosting-mäßig einfach vom Acker zum machen. Also bot ich ihm an, dass wir uns nochmal auf ein Gepräch treffen. Wir verabredeten uns auf einen Biergarten-Besuch. Es waren schon so ein paar Tage vergangen, seit der Messe. Mein akuter Ärger war verflogen. Nur das Wissen, dass ich immer wieder heftige Eifersuchtsschübe hatte, was der Asymmetrie unserer Beziehung geschuldet war und ich mir sicher bin, dass sich die Asymmetrie nicht ändern wird.

Wir trafen uns im Biergarten. Er war wie immer ein sehr anständiger Kerl, der bevor er mich umarmte nachfragte, ob das für mich okay sei. Immerhin hatte ich ja quasi schon Schluss gemacht. Kein Überreden, sondern Rücksicht nehmen auf meine Gefühle. Und dann sitzen wir da und sind eben zwei Seelenverwandte. Und reden los wie immer. Gar nicht bewußt, sondern einfach weil das passiert wenn wir uns sehen. Offen, weil keine Geheimnisse. Den Austausch und den Rat des anderen schätzend. Über den Job, das Leben und alles andere. Ich kann das schwer beschreiben. Wie, wenn man alte Freunde trifft, wo sich niemand rechtfertigen muss. Man sieht sich und macht da weiter, wo man vorher aufgehört hat. Mit Ausnahme meiner besten Freunde ist er der erste Mensch, bei dem das so einfach ist.

Und irgendwann kam das Gespräch natürlich auch auf das Ende unserer Beziehung. Ich sagte ihm das alles, er hat sich das alles angehört. Keine Rechtfertigung. Verständnis für mich und meine Beweggründe. Keine Versprechungen, kein Überreden zu Bleiben. Dafür wäre er auch nicht der Typ. Ich sage alles was mir auf der Seele liegt. Aber es fühlt sich nach „alles ist wie immer“ an. Ich sprach meine Gefühle aus, war aber nicht sauer, eher froh ihn zu sehen und mit ihm zu reden. Das ist sehr bescheuert irgendwie. Wir gingen am Ende auseinander und sprachen drüber, dass wir uns dann wohl erstmal nicht mehr sehen würden. ich umarmte ihn zum Abschied. Aber es fühlte sich anders an nicht nach Trennung an, sondern nach wiedersehen. Danach alleine im Auto wußte ich eigentlich gar nicht mehr so genau, was das jetzt für ein Gespräch war. Formal ein Ende, dass sie aber nicht so anfühlt. Zum Schluss machen bin ich wohl zu doof. Keine Ahnung, wie es weitergeht. Oh mann, ich hab es nicht hinbekommen. (wollen wahrscheinlich). Besser gesagt, ich hab es verkackt…

 

Das Leben steht Kopf – dann nochmal alles auf Anfang

Affäre so halb beendet und gestern überraschend gekündigt worden. Da ich mich im Job eh nicht mehr wohlgefühlt habe, hatte ich mich zwischenzeitlich war schon anderweitig beworben, aber die Kündigung war trotz alledem überraschend. Jetzt bin ich noch einen Monat freigestellt und dann arbeitslos.

Gestern war ich dann gleich auch noch zum ersten Mal in meinem Leben beim Arbeitsamt. So rein faktisch sieht mein Leben nicht sehr toll aus. 34, Single (ledig), keine Kinder, im ersten richtigen Job nach 9 Monaten gekündigt. Kein Anspruch auf irgendwelche Leistungen. So nüchtern betrachtet sieht das sehr düster aus. Schon vorher hatte ich in den letzten Wochen wieder alles in Frage gestellt. Mir vor allem auch die Frage gestellt, wo mein Platz im Leben ist. Ähnliche Situation wie ein Jahr vorher um die Zeit, bevor ich meinen ersten Job bekommen habe. Gehadert mit mir. Meine Freunde befragt, ob ich mich ändern muss. Ob ich verkehrt bin. Aber sie haben mich bestärkt, ich sei eben ein wenig unangepasst aber so in Ordnung, wie ich bin. Sie waren sich alle sicher, dass ich meinen Platz noch finden werde.

Die Kündigung hat gestern genagt, ich habe schlecht geschlafen, was selten vorkommt. Heute ist der Optimismus erst mal zurück. Ich habe noch eine weitere Bewerbung geschrieben. Vier sind raus. Mal sehen was passiert. Auch wenn ich mir sehr doof vorkomme, freigestellt, also nicht arbeitend und trotzdem noch Geld verdienend. Lauter nicht abgeschlossene halbfertige Dinge hinterlassen zu haben. Ich kann es nicht ändern, also schaue ich nach vorne. Nachdem ich in weiser Voraussicht meinen Lebensstil noch nicht verändert hatte und immer noch im Studentenzimmer wohne, ist es auch nicht sehr bedrohlich. Ich habe einen Monat Zeit einen Nebenjob für die Übergangszeit zu finden. Ich bin vorher auch klargekommen, also wird mir das jetzt auch gelingen. Mein Lebenslauf war vorher schon nicht gradlinig. Vielleicht bin ich in ein paar Monaten verzweifelt, sollte es mir nicht gelingen etwas Neues zu finden.

Ansonsten habe ich jetzt Zeit. Zeit für Sport, Zeit um Freunde zu besuchen. Zeit für ehrenamtliches. Zeit zu daten.

Nach Monaten ist es mir geglückt Mr. Tiefenentspannt mal wieder zu treffen. Auf ein Gespräch. Und siehe da, er ist aktuell vergeben. Damit fällt er mal von der Sexliste runter. Das heißt bedauerlicherweise erstmal keine sensationell geleckten Orgasmen mehr. Mir ist heute eh bewusst geworden, dass ich zwischen einen Monat keinen Sex hatte. Also ein Zyklus ohne Sex verstrichen ist. Das ist höchst ungewöhnlich für mich.

Wobei ich zumindest von einem Blowjob berichten kann. Im Auto. Irgendwann werde ich mal ein Buch zum Thema „Welches Auto für Sex besonders gut geeignet ist.“ BMWs sind aktuell nicht sehr Blowjobfreundlich. Zumindest wenn man vorne sitzt. Denn man kommt kaum über die fette Mittelkonsole drüber. Auf der Rückbank geht es grade so. Es war ein neuer Mann. Auf den ersten Blick der Typ konservativer Manager, unscheinbar, aber sehr nett. In meinem Alter überraschenderweise. Aber wie es sich für jemandem im Management gehört mit Familie. Ich unterhalte mich wahnsinnig gern mit ihm.

Bei unserem zweiten Treffen sind wir dann mit seinem Auto auf einem Parkplatz gelandet. Ich mag ja dieses jeder weiß worauf es hinauslaufen soll, aber man weiß trotzdem nicht wie man anfängt nervöse Reden um das zu überspielen-Ding. Er hatte mich schon vorgewarnt, dass er lange keinen Sex hatte und es wahrscheinlich schnell gehen könnte. Nach ein wenig Fummeln und knutschen, waren wir beiden gespannt, ob ich mit meinen Blowjobkünsten nicht zu viel versprochen hatte. Jedenfalls musste ich mich gar nicht sehr verausgaben. Kaum hatte ich steifgeblasen, kam er auch schon. Das war mal ein wirklicher Blowjob-Quickie. Hihi, das war einfach. Ich happy, er happy. Passt.

Aber wie bekomme ich jetzt wieder die Kurve von einem Blowjob-Quickie auf die existenziellen Fragen die mich eigentlich gerade umtreiben? Gar nicht.

Weil es mir noch wichtig ist…

.. muss ich das noch schreiben.

Mr. Bondage war immer ehrlich zu mir. Er hat (mit einer Ausnahme) nie etwas versprochen, dass er nicht halten konnte.

Das Problem waren meine Hoffnungen und Erwartungen, die sich nicht erfüllt haben.

Auch wenn es bitter ist, verstehe ich rational, warum er entscheidet, wie er es tut.

Er ist verheiratet, hat eine Partnerschaft mit seiner Frau. Die beiden haben sich auf ein Lebenskonzept geeinigt mit dem beide klarkommen und wollen. Nehmen die Verantwortung, die sie für sich gegenseitig haben, wahr. Er braucht also keine Partnerin. Die hat er schon. Das was fehlt ist der Bondage/BDSM/Sex-Teil.

Das hatten wir versucht. Semi erfolgreich. Ich musste beim ersten Spiel safeworden, weil es mir zu viel war. Bin nicht so weit und gefestigt in meinem BDSM-Dasein. Für mich sind Kleinigkeiten noch neu. Er kommt nicht zum Spielen, weil ich als SUB immernoch mit dem Finden meiner Rolle beschäftigt bin.

Er hat eine Familie und einen Job, der ihn sehr fordert. In der wenigen Zeit, die ihm bleibt hat er nicht die Muse sich mit meinen Anfängerproblemen auseinanderzusetzen.

Da gibt es eben noch seine SUB, die in etwa in seinem Alter ist, die das schon länger macht. Gefestigter in ihrem Sub-Sein. Die masochistischer und devoter ist, als ich. Besser zu seinen Vorlieben passt. Mit ihr läuft es einfacher, wenn er sich die Zeit zum spielen nimmt.

Fesseln. Wenn er Dinge tut, dann richtig. Geht gleich zum großen Meister nach Japan um zu lernen. Will es am liebsten Bühnenreif performen können. Ich bin gerne Ropebunny. Aber von den körperlichen Voraussetzungen her nicht so einfach fesselbar wie eine kleine Asiatin, aber auch nicht wie ein schlankes, biegsames deutsches Bunny. Man kann das mit mir tun, aber es ist komplizierter und aufwändiger. So gefestigt in seinem Rigger-Dasein ist er auch noch nicht, dass es ihm potentiell egal ist, wie sein Bunny aussieht, wenn die anderen alle Modelmäßige Frauen aufhängen. Und wie auch bei der BDSM-Geschichte ist es am Ende eine Zeitfrage.

Also war ich am Ende eine unkinky Freundin zum Reden, zum gelegentlichen Sex, zum Nähe geben. Wie eine Partnerin, aber eben hinter den anderen Dingen angestellt. Das hat so lange funktioniert, solange sich meine Erwartungen in Grenzen gehalten haben.

Dadurch, dass ich nun auch einen Vollzeitjob habe kommt der größte Vorteil den ich mitgebracht habe nicht mehr zum Tragen. Ich war zeitlich superflexibel. Das ist nun nicht mehr in dem Maße gegeben. Im Gegenteil durch viele ehrenamtliches Engagement muss man nun auch auf mich und meine Termine Rücksicht nehmen.

So, wie ich eigentlich mit allen Exfreunden klar komme, wird sich auch hier ein Weg finden wie wir miteinander umgehen können. Denn trotz aller Rationalität muss ich jetzt erst mal die kleinen Wunden auf meinem Herz heilen und feststellen, dass ich seit 5 Jahren Single bin. Krass lange ist das mittlerweile.

Thats the end…

… of Mr. Bondage.

Es werden Zeilen voller Liebe, Hass und Trauer.

Es war der Grund warum ich so lange nicht geschrieben habe.

Er war der erste, dem ich schöne Dinge erzählen wollte. Er war der erste an den ich dachte, wenn ich ein Wochenende wegfahren will. Bei dem ich mich ausheulen wollte wenn es mir schlecht geht. Die Schulter zum Anlehnen. Der Mann der soviel Macht über meine Lust hat, wenn er denn wollte. Der Mann, der mich nachhaltig für  Bondage begeistert hat. Einer der wenigen Seelenverwandten meinem Leben. Ich habe ihn geliebt. Ja, es war nie ausgesprochen, aber es war Liebe. Ich habe ihn geliebt. Polyamor und ich war okay damit.

Die große Asymetrie in unserer Beziehung hat Eifersucht entfacht, die einen hassenden Menschen aus mir macht, der ich nicht sein will. Er war meine Nummer Eins, ich die Nummer 5 in seinem Leben. Hinter seiner Frau (völlig okay), seiner Sub (ja, die hasse ich gerade wirklich und es nervt mich, dass die Eifersucht das mit mir macht), dem Fesseln und der Suche nach schönen Frauen. Praktisch war ich und nur dann von Bedeutung, wenn die Punkte Eins bis Vier gerade nicht relevant waren.

Es hat sich am Ende an zwei Punkten entzündet. Nach meinem Urlaub nahm er sich zu meiner Überraschung ebenfalls Urlaub. Hatte er dringend nötig. War komplett überarbeitet. Das würde ihm gut tun, freute ich mich erst noch für ihn. Eine Woche, die er mit seiner Sub wegfuhr. Gott, wie mich diese Scheißwoche mit Eifersucht gequält hat. Na klar mit ihr. Damit war mir meine Rolle nochmal deutlich geworden. Für mich blieben nur die wenigen Abende, an denen er sowieso abgekämpft von er Arbeit kommt. Na, danke. Das hatte mir nie viel ausgemacht, weil ich immer dachte, hauptsache Zeit miteinander verbringen, irgendwann wird er sich schon wieder Zeit für Dich nehmen. … Nicht. Das tut weh. Und nun war eben wieder die BoundCon in München, die Fetischmesse. Vor zwei Jahren waren wir dort zu dritt gewesen. Hat so semi gut funktioniert. Jedenfalls wollte seine Sub dann nie wieder was mit mir zu tun haben. Bitter, so schlimm fand ich es nicht. Aber ab da war für ihn klar, dass er ab jetzt immer mit ihr zu dieser Veranstaltung geht. Die in meiner Stadt stattfindet und ich der Gearschte bin. Das finde ich so albernen Kackscheiß. Ich muss allein auf die Messe, weil in einem normalen Verhältnis da hin gehen nicht läuft.

Ich hatte ihm in harten fiesen Worten  meine Eifersucht geschrieben. Er hat mir ehrlichweise geantwortet, dass er mir nur die Abende unter der Woche und gelegentlich einen Tag am Wochenende anbieten kann. Ich würde sagen anbieten will. Damit liegt die Entscheidung bei mir. Will ich das?

Dann ist da noch seine Sub, ich hasse sie. So sehr ich mich auch mühe, das Gefühl in meinem Kopf geht nicht weg. Ich bin erschrocken über mich selbst. Wie oft ich ihr in meinem Kopf auf der Messe begegnet bin und ihr einfach mal meinen Hass vor die Füße gereiert habe…. Sie hat gewonnen. Ich bin auf dem Abstellgleis. Toll für sie.

Ich bin noch nicht mal gut genug um die Nummer Zwei im Leben von jemandem zu sein. Das ist wirklich bitter. Er hinterlässt das Gefühl, dass ich einfach nicht schön bin. Nicht schlank und nicht hübsch genug.

Ich war heute auf der Messe und auf der Party danach. Ich habe die beiden gesehen. Sie mich auch. Ich habe ausgehalten, dass sie geknutscht haben, dass sie weiß, dass sie gewonnen hat. Er hat nicht mit mir gesprochen, sie haben mich nicht gegrüßt. Ich habe mir die Veranstaltung zurück erobert. Ich kann dorthin gehen, den Abend genießen und Spaß haben. Die beiden nehmen mir nicht alles.

Liebeskummer quält mich seit die beiden im Urlaub waren. Zusätzlich habe ich schwere Zeiten im Job. Damit bin ich an einem Punkt, wo ich mein Leben wieder grundsätzlich hinterfrage. Wer bin ich, was will ich und wo ist mein Platz im Leben? Das hatte ich vor einem 3/4 Jahr bei der Jobsuche auch schon. Jetzt wieder. Alles auf neu.

Er wird mir als Ratgeber fehlen und als Rigger. Es wird schwer werden jemandem auf dem Fesselniveau zu finden. Aber was hilft es, wenn ich für ihn nicht gut genug bin. Ich muss auf mich aufpassen.

Did I go black? – Part II

Wir stiegen vor der Einfahrt in den Hafen aus. Die Mitfahrer werden sich sicherlich ihren Teil gedacht haben. Der Gedanke ließ mich schmunzeln. Im nächsten Moment freute ich mich über meinen Mut die Komfortzone verlassen zu haben.
Sugardaddy, der den Tag über als Tourguide fungiert hatte, sagte mir lächelnd, dass wir jetzt mit seinem Bus unterwegs sein würden. Wie sein Bus? Ich war verwundert. Er war schließlich den ganzen Tag als Tourguide unterwegs gewesen und nicht als Fahrer. Er hatte einen Bus zur Verfügung, mit dem fährt er Touren, wenn nicht gerade ein Schiff am Hafen anlegt. Es sei nicht sein eigener Bus, bedauerte er. Und dass er davon träumte mal seinen eigenen kleinen Bus zu haben um damit selbständig zu arbeiten. Ich schmunzelte. Ein Bus wie praktisch. Ich hatte schon überlegt, falls dieser Nachmittag auf Sex hinauslaufen würde, wo wir dann wohl landen würden. Aber diese Frage hatte sich in diesem Moment erledigt. Also ab in den Bus. Wie cool. Jetzt hatte ich meinen eigenen Tourguide in einem riesigen Bus für mich ganz alleine.
Nachdem wir den ganzen Tag schon so intensiv geflirtet hatten, lag Sex in der Luft. Aber ich sprach das Thema nicht an. Ich fand es viel spannender, wie er dieses Thema angehen würde. Sugardaddy war eigentlich vergeben und erweckte nicht den Eindruck dauernd am Aufreißen zu sein. Wir setzten uns also in seinen Bus und er schlug vor, dass er mich nun auf ein Bier einladen würde. Also düsten wir los zum Supermarkt. Ich lächelte und dachte mir, dass er doch ein schlaues Kerlchen ist. Die Frage, wie er wohl die Nummer mit den Kondomen lösen würde hatte sich damit nun auch erledigt. Und in der Tat kam er mit zwei Tüten wieder aus dem Supermarkt zurück. Er öffnete mein Bier, wir stießen an. Er würde uns ein ruhiges Plätzchen suchen. Ich bat ihn nicht allzu weit vom Schiff wegzufahren. Mehr aus Angst, dass ich auf Grund einer Panne im schlimmsten Fall zu spät an den Hafen kommen würde. „Baby do not worry. I am a good one“, Daran hatte ich keine Zweifel. Und dass mich jemand Baby nennt, ohne das es aufgesetzt, sondern nur lässig klingt, machte mich unheimlich an.
Er erhörte meinen Wunsch so sehr, dass ich wirklich lachen musste. Wir fuhren zu einem abgelegenen Platz keine 500 Meter vom Schiff weg mit bestem Blick auf selbiges. Gott sei Dank hatte der Bus getönte Scheiben. Natürlich hinterfragte ich auch das ein oder andere Mal an diesem Nachmittag, ob das alles schlau ist, was ich da so anstelle. Niemand weiß wo ich bin. Kurz schweiften meine Gedanken ab und malten sich aus, wie wohl die Bild-Zeitungsschlagzeile zu meinem Verschwinden lauten würde. Aber eigentlich war ich mir sicher, dass mir nichts passieren würde. Er war den ganzen Tag ein netter Mensch und Gentleman gewesen. Dann setzte ich mich noch mit meinen Vorurteilen auseinander, die ich bezüglich Sex mit schwarzen Männern hatte. Und ich fragte mich andauernd, ob ich das gerade wirklich tue. Ob das wirklich passiert. Aber ich fühlte mich wohl in seiner Nähe. Es war erstaunlich wie gut unser Draht zueinander war. (Für alle Vorurteile in meinen nächsten Sätzen entschuldige ich mich hiermit schon mal) Die Kombination aus schlau, gutaussehend und einer Lässigkeit, die ich bei weißen Männern manchmal vermisse, machte ihn sehr attraktiv. Dazu das Selbstbewusstsein sich der eigenen Potenz sicher zu sein. Zumindest fühlte es sich so an, als wüsste er ganz genau, dass er es mir ordentlich besorgen kann. So wie ich eben weiß, dass ich Blowjobs kann. 

Er stellte den Bus ab und kam zu mir nach hinten.  Wir stießen an und tranken einen Schluck. Ich könnte gehen. Aber ich wollte nicht. Ich wusste, dass es auf Sex hinauslaufen würde. Und ich blieb. Ich wollte ihn.
Er sagte mir, dass er Lust auf Sex habe und fragte, ob ich das auch will. Ich bejahte. Dann küsste er mich mit seinen vollen Lippen. So ganz aus der Nähe fiel mir auf, wie abgetragen sein Hemd war. Er suchte mit seinen Händen nach meinen Brüsten. Zog mir das T-Shirt aus. Holte meine Brüste aus dem BH. Saugte an meinen Nippeln. Ich konnte ihm ansehen, dass ihm gefiel was er sah. Ich war komplett ungeschminkt vom Baden und hatte total zottelige Haare. Aber er gab mir das Gefühl attraktiv zu sein, dass er auf meinen Körper und mich abfährt. Gott, ich fühlte mich so sexy. Wahrscheinlich hatte ich total hässliche bequeme Unterwäsche an. Ich habe es vergessen und es war so unglaublich egal. Er fing an sich ausziehen. Oh Boy, was ein Körper. Das war mir den Tag über in seinen lockeren Klamotten gar nicht so bewusst gewesen. Gute Gene. Da kam ein Sixpack zum Vorschein. Ich bin ein fucking Glückspilz. Wo ist der Haken, da musste doch einer sein, dachte ich.
Ich zog mich auch aus. In meinem Kopf ploppten die Bilder von riesigen schwarzen Pornoschwänzen auf und ich hatte wirklich kurz Angst, dass er auch so ein Gerät haben würde. Er zog seine Shorts aus und zum Vorschein kam eine beeindruckende Latte. Aber zum Glück nur groß und nicht riesig. Und wenig Haare, also irgendwie andere als bei weißen Männern. Küssen, Streicheln. Seine Haut war so unglaublich weich und zart. Wow. Ist das wohl bei allen schwarzen Männern so? Ich konnte mein Hirn nicht ausschalten. Und siehe da er zauberte aus der zweiten Tüte die Kondome. Ich habe es doch gewusst, dass er sie im Supermarkt gekauft hatte. 🙂 Keine Diskussion über Safer Sex, juhu. Zog sich den Gummi über. Ich war gespannt in welcher Position er das nun anstellen wollte. Aber wenn die Ausstattung groß genug ist muss man sich da auch nicht ganz so viele Gedanken machen.
Wir vögelten im Stehen, vorne im Bus, von hinten auf der Rückbank: In zig Positionen. Er würde nicht eher aufhören, bis ich gekommen war. Am Ende lag ich auf dem Rücken neben dem Fahrersitz auf der Ablage. Es war geil, aber die Gedanken in meinem Kopf fuhren Achterbahn. „Oh Baby, You are so beautiful.“ Ich konnte nicht recht abschalten. So viele Komplimente. Er wollte es mir besorgen. Auf dem Rücken liegend half ich dann nach. Währenddessen stieß er seinen geilen Schwanz in mich hinein. Ich berührte seine Körper, streichelte seinen Knackarsch. Und kam. Und war dankbar, dafür, wie das Leben manchmal so spielt. Natürlich war er noch nicht gekommen. Er fragte, ob er es mir noch mal besorgen solle. Ich verneinte lachend. Im Hinterkopf auch immer die Uhr. Weil ich ja auch pünktlich aufs Schiff musste. Da stand er vor mir mit seiner Latte und ich fing an zu blasen. Es gefiel ihm. Trotzdem dauerte es. Ich blies geduldig, wollte mich revanchieren. Dann kam er und ich war happy.
Während wir uns wieder anzogen, fragte er mich unvermittelt, ob ich denn Kinder habe. Ich war verwirrt und musste innerlich schmunzeln. Die Kondome in Jamaica werden doch hoffentlich ihren Zweck erfüllen. Was eine passende Frage, wenn man gerade Sex hatte mit einem Mann, den man gerade erst ein paar Stunden kennt. Ich verneinte wahrheitsgemäß. Wenn du mal Kinder willst, komm wieder und ich mache dir ein paar wunderschöne schokofarbene Babys. Haha,  ich hatte kurz das Szenario vor Augen, wie ich den Damen im Dorf meiner Eltern erkläre, woher das Baby kommt. Ich soll also nicht zum Vögeln wiederkommen, sondern zum Vermehren. Immerhin der erste Mann in meinem Leben der Kinder mit mir will. Kann ich nun auch einen Haken hinter machen
Das war wohl ein kultureller Unterschied. Das ein Mann ganz versessen drauf ist seine Gene in der Welt zu verteilen. In meinem Kopf war das ein schwarzer-Mann-Potenz-Ding. Ich musste sehr über diesen Moment schmunzeln. Sehr kurios. Auch wenn ich mich für meine Vorurteile gleich wieder schäme. Nachdem wir beide befriedigt waren, aber noch Zeit übrig war, bis ich wieder auf dem Schiff sein musste, fragte er mich, ob ich noch was essen wollte. Klar hatte ich Bock. Wir fuhren mit seinem Bus zu einem Laden wo er gern Essen geht. Schon das allein, war wahrscheinlich cooler, als das, was die meisten Mitreisenden heute erlebt hatten. Da essen, wo die Jamaikaner essen. Ein Grill mit Hühnchen. Er lud mich ein. Wie krass. Obwohl er wahrscheinlich nicht besonders viel Geld hatte. Wir setzten uns in seinen Bus und es schmeckte sehr lecker. Ich war happy. Es war ein überragender Tag gewesen. Als er mich zum Hafen zurückfuhr tauschten wir Nummern. Er hoffe, dass ich eines Tages wieder komme mit mehr Zeit. Ja,  das wäre schön. Ich fragte ihn, ob ich ihm das Geld vom Essen wiedergeben dürfte. Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Müsse ich nicht, aber er würde es annehmen.
Mit dem breitesten Grinsen überhaupt checkte ich wieder auf dem Schiff ein. Und hatte Mr. Logistik gegenüber ein schlechtes Gewissen. Ich erzählte es ihm nicht. Hätte es fies gefunden. Ich hatte das zwar gar nicht geplant. Es war einfach so geschehen. So verrückt. Viele Zufälle. Ohne Sonnenbrand wäre es nie passiert.

If you go black you never go back. – Das wird so nicht stimmen, aber die Neugier auf schwarze Männer ist größer geworden.

Did I go black

Da habe ich mir jetzt ganz schön was eingebrockt. Über was cooles lustiges schreiben, wenn man so semigut gelaunt ist. Aber da ich ja einen Cliffhanger stehen lassen habe, kann ich auch schlecht das Thema wechseln.

Kleiner Stress in der Arbeit, ein wenig Eifersucht, ein Telefonat von letzter Nacht.. ich könnte zehn Blogartikel schreiben…

Puuhh.. Ich versuche es und hoffe, dass ich dem Erlebnis gerecht werde.

Jamaika. Mr. Logistik und ich verließen das Schiff zum Landgang. Und trafen am Ausgang das ältere Ehepaar, mit dem wir uns schon auf dem ersten Jamaika-Landgang ein Taxi geteilt hatte. Ich freut mich sehr, denn ich war gern mit den beiden unterwegs. Wir hatten keinen Ausflug gebucht, sondern wollten wieder auf eigene Faust losziehen.  Als wir gerade am Infostand angekommen waren und die Preise der Taxis und Busse sondierten, sagte Mr. Logistik plötzlich, dass er wieder aufs Schiff zurück wollte. Er war am Vortag zu lange in der Sonne gelegen und hatte einen ziemlichen Sonnenbrand. Der Rucksack auf seinen Schultern schmerzte und er hatte keinen Bock. Ich war überrascht. Aber mit zurück aufs Schiff war für mich keine Option, zumal das endlich mal ein wirklich langer Landgangstag war. Er drehte also noch im Hafenterminal um und ging wieder aufs Schiff. Da war ich nun ganz alleine unterwegs. Ich freute mich trotzdem auf einen bestimmt lustigen Tag mit den beiden.

Wir entschieden uns mit dem Bus bis in die Stadt zu fahren und dort mal weiter zu gucken, ob sich da eine günstige Taxifahrt ausgehen würde. Am Hafen wollen einem alle immer ihre Touren andrehen, das wollten wir vermeiden und erst mal in die Stadt.

Der Bus wurde voll gemacht. Es passten etwa so 20 Menschen rein. Dann ging es los. Ich bin ja ein altes Fluchttier, also hatte ich mir den Einzelplatz direkt am Eingang geschnappt. Dann ging es los. Am Ausgang des Hafenbereichs hielt der Bus nochmal und ein Jamaikaner stieg ein. Dunkelrote Hose, weißes Hemd, Krawatte. Ein Tourguide. Er verkaufte die Hin- und Rückfahrttickets. Sehr witziger Kerl. Stellte sich unter dem Namen Sugardaddy vor. Verbreitete gute Stimmung. Sugardaddy, hahahaha, er war weder alt noch reich. Ein klein wenig älter als ich vielleicht. Aber den Namen konnte sich jeder merken, von dem her schlau gewählt. Sugardaddy, weil er die Zuckersüßen Angebote dabei hat. Er bot zusätzlich zu Hin- und Rückfahrt gegen einen kleinen Aufpreis noch eine kleine Rundtour mit dem Bus an. Er stand die ganze Zeit direkt vor mir in der Tür. Wir verstanden uns auf Anhieb gut. Die witzigen Sprüche flogen hin und her. Außerdem sprach der Rest wieder nicht besonders viel Englisch, also übersetzte ich hin und wieder oder übernahm eine Vermittler-Rolle. Wir fuhren also in die Stadt setzt die ab, die nur in die Stadt wollten. Am Ende waren wir etwa 10 die mit ihm auf die Rundfahrt gingen. Wir fuhren auch. Sugardaddy und ich flirten die ganze Zeit. Es ging mit gut. Er war smart und lässig, witzig. Ein schöner schwarzer Mann, mit einem darüber hinaus noch ganz ansehnlichen Körper, auch wenn das für mich das fast am wenigsten relevante war. Keine Rastas 🙂

Er machte mir Komplimente. Wirkte so, als würde er nicht dauern mit einer Touristin so intensiv flirten. Was ich beim Durchschnittsalter der Mitreisenden auf dem Schiff auch gar nicht so unwahrscheinlich finde. Ich hatte auf der ganzen Reise schon so unglaublich viele tolle Komplimente bekommen. Das tat so gut. Balsam für die Seele. Meine Offenheit und das Interesse an den Menschen wurde belohnt. Ich war sehr glücklich. Der Flirt mit Sugardaddy setzte dem ganzen noch einen drauf. Ich fühlte mich als unabhängige schlaue selbstbewußte Frau geschätzt. Das Gefühl gab er mir.

Nach zwei Stunden war die Rundfahrt zu Ende und auch wir stiegen aus. Wir wollten an den Strand und später mit Sugardaddy wieder zurückfahren. Es waren drei Zeitpunkte für die Rückfahrt angeboten. Das ältere Pärchen und ich wir gingen an einen Strand für Einheimische. So ziemlich als die einzigen Weißen. Als ich mich so umsah, wurde mir klar, warum ich das Gefühl hatte bei den Jamaikanern ganz gut anzukommen. Die meisten Frauen waren doch eher kurvig. Das bin ich ja auch. Mit dem für Jamaika-Exotenbonus, dass ich weiß bin. Whitey, wie sie mich so schön riefen.

Wenn mich früher im Urlaub jemand von der Seite angequatscht hat, dann wäre ich in vielen Fällen dem ganzen mit Ignorieren aus dem Weg gegangen. Jetzt ließ ich mich auf kleine Flirts ein, mit dem Wissen dass ich auch in Englisch schlagfertig genug bin. Ließ  mich auf Gespräche ein, bereute keines davon. Ich fühlte mich sehr bei mir. Sehr leicht. Keine Selbstzweifel.

Nach einer Weile am Strand wollten die beiden schon den vorletzten Bus zurück zum Schiff nehmen. Das fand ich schade. Mir war auch eigentlich der letzte Bus noch zu früh.  Der letzte Bus ging schon um 16 Uhr, wir mussten aber erst bis 19:30 auf dem Schiff sein. Naja, mal sehen dachte ich. Wir liefen zum vereinbarten Treffpunkt und ich hoffte sehr, dass wir Sugardaddy dort wieder treffen würden. Ich hatte Bock auf Flirten. Und juhu er stand da und wartete auch auf den Bus. Und auch er freute sich. Ich erzählte ihm, dass die anderen beiden schon zurück wollten, dass mir das aber zu früh sei. Ich würde den letzten Bus dann nehmen und solange noch mit ihm abhängen. Er kümmerte sich darum, dass die Fahrgäste in den Bus kam und fuhr aber dann nicht mit zum Hafen sondern blieb mit mir an der Promenade. Er war bei den anderen Guides bekannt wie ein bunter Hund. Und er musste sich wohl auch den ein oder anderen Spruch gefallen lassen, dafür, dass er offensichtlich mit mir Zeit verbrachte. Es war ihm egal. Sollen sie doch reden, kommentierte er.

Wir spazierten und redeten. Es ergab sich ein interessantes tiefgründiges Gespräch über Gott und die Welt. Auch irgendwann über Sex. Ich hielt mit meiner Einstellung nicht hinter dem Berg. Hihi, da erzähle ich ihm auch noch das grundsätzlich gerne Sex habe und so mehrere Männer am Start. Ohne Hintergedanken, einfach weil es ein Teil von mir ist. Hätte er mich irgendwann im Laufe des Gesprächs platt angegraben oder zu Sex überreden wollen, dann wäre ich gegangen. Aber das tat er nicht. Wir landeten in einer Einheimischen-Bar, in die ich mich mit dem älteren Ehepaar vorher nicht reingetraut hatte, weil ein unglaublicher Lärm aus der Bar gekommen war. So als ob sich Menschen prügeln und andere anfeuern. Lustiges Missverständnis. Der Lärm hatte einen einfachen Grund wie ich lernen sollte. Die Männer spielten an zig Tischen ein Spiel – Domino. Ja, so habe ich auch geguckt. Domino, das Steinanlege-Spiel. Der Gewinner muss schreien und auf den Tisch hauen.

Wir tranken ein Bier. Ich bezahlte. Ich genoss einfach die Zeit und Situation. Das Land pur zu erleben. In einer Bar zu sitzen, mich zu unterhalten. Was zu lernen. Wir mussten ja nach einer Stunde wieder zurück an der Bushaltestelle sein, denn er musste ja schließlich noch arbeiten. Die letzte Tour zurück ich stieg mit ihm ein. Er fragte mich, ob ich noch Zeit mit ihm verbringen wollte. Mein Bauch gab grünes Licht und er sagte, dass wir am Hafeneingang aussteigen würden. Im Nachhinein wurde mir klar, dass er für mich auf sein Trinkgeld verzichtete indem er mit mir vorher ausstieg und den Bus mit den übrigen Gästen allein in den Hafen fahren ließ. Krass, vor allem wenn man davon lebt. Ich war sehr gespannt, was wir noch anstellen würden..

 

 

Once you go black, you never go back…

Ich habe eine Weile überlegt, ob ich diesen Eintrag schreiben werde, oder nicht. Aber mein Vorsatz war immer, mich nicht davon leiten zu lassen, wer eventuell mitlesen könnte und trotzdem das Aufzuschreiben, was ich erlebt habe.

Anfang des Jahres war ich ein wenig urlaubsreif und hatte im Bekanntenkreis aber niemanden, der mit mir in den Urlaub gefahren wäre. Die Pärchen fahren lieber als Pärchen, Mr. Bondage mit dem ich am allerliebsten wegfahren würde, verbringt seinen Urlaub natürlich mit seiner Familie. Für eine Alleinreise hatte ich keine Muse. Also suchte ich über die Rirarammelseite eine Reisebegleitung. Nicht, weil ich auf Sex aus war, aber ich habe das Gefühl bei Menschen, die ich über die Seite kennenlerne, kann ich einfach ich sein und muss mich nicht verstellen.

Es ergab sich, dass mich ein Mann anschrieb und fragte, ob ich mit ihm eine Kreuzfahrt in der Karibik machen würde. Woooah, krasser Scheiß. Er wollte nur den Aufpreis, den die Reise zu zweit mehr kostet, als sie allein gekostet hätte. Ich konnte mein Glück nicht fassen. Wir trafen uns um herauszufinden, ob wir uns sympathisch sind oder nicht. Mr. Logistik. Großer, stattlicher Mann mit Glatze. Sechs Jahre älter als ich. Ein unglaublich netter, zuvorkommender Mensch. Er ist ein netter Mensch, ich bin ein netter Mensch. Das Bauchgefühl sagte schnell, dass wir problemlos einen Urlaub miteinander verbringen können. Also wurde gebucht. Ich konnte mein Glück nicht fassen. Er gab mir nie das Gefühl dafür eine Gegenleistung außer einen schönen Urlaub zu haben zu wollen. Ich wäre allerdings auch nicht mitgefahren, wenn er Sex dafür erwartet hätte. Ich schloss Sex nicht aus. Es würde sich zeigen, ob es sich danach anfühlte oder nicht.

Ende März ging es los. Die zwei Wochen waren wirklich unglaublich schön. Auch wenn ich immer noch nicht so recht zu den Menschen auf so einem Kreuzfahrtschiff passe. Aber man kann sich das ja schön machen. So ein Schiff ist groß, da findet man schon Ecken, die einem gefallen. Und auch Landgänge kann man ja selbst gestalten. Es würde den Eintrag sprengen wenn ich all die schönen Sachen auflisten würde, die wir unternommen haben.

Wenn ich was auf der Reise gelernt habe dann das ich wirklich gut Englisch spreche. Ich kann mittlerweile einfach reden, ohne übersetzen zu müssen. Ich habe vermutlich besser Englisch gesprochen als 95 Prozent der anderen Passagiere. Damit konnte ich das tun, was ich am liebsten tue, mich mit Menschen unterhalten. Zum Beispiel mit den einheimischen Tourguides quatschen. Die fanden es wiederum gefühlt auch ganz cool, dass sie jemand versteht, Witze reißt und mit ihnen quatscht.

Am besten hat das in Jamaika geklappt. Ich komme mit der sehr entspannten Lebensweise der Jamaikaner sehr gut klar. So ein kleinwenig habe ich mich in dieses Land verliebt. Wir waren zweimal in Jamaika. Schon beim ersten Aufenthalt quasselte der Tourguide mit mir über Sex. Also erzählte mir wie der Hase so in Jamaika läuft. Ich war völlig unschuldig und hatte das Thema nicht angefangen. Auch wenn mir das jetzt keiner glaubt. Aber strahle wohl aus, dass man mit mir über so was quatschen kann. Dieser erste Tourguide der uns für ein paar Stunden rumkutschierte gab mir am Ende der Tour den legendären Satz „Once you go black you never go back“, vermutlich als eine Art Vorwarnung mit auf den Weg. Ich mag ja das unerschütterliche Selbstbewusstsein mancher schwarzen Männer hinsichtlich ihrer sexuellen Performance.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ich das auf der Reise ausprobieren würde ging gegen Null. Zum einen war ich ja in Begleitung verreist und zum anderen war ich bisher in meinem Leben immer sehr vorsichtig was Sex im interkulturellen Kontext angeht. Ich wollte Missverständnissen, was Erwartungshaltungen angeht aus dem Weg gehen und da ich das in anderen Kulturkreisen schlechter einschätzen kann oder es früher manchmal an einer Sprachbarriere haperte, habe ich das bisher eigentlich nie zugelassen. Also nahm ich den Satz des Tourguides schmunzelnd hin und dachte nicht weiter darüber nach.

Mr. Logistik und ich kamen gut miteinander klar. Auch wenn unsere Interessen durchaus auseinandergingen. Für mich war es das größte, wenn ich einfach an Seetagen unter Deck lesen konnte, er hing lieber auf Deck an der Bar rum. Wir machten Dinge zusammen, aber auch allein. Das war für mich ganz okay so. Zu Beginn der Reise hatte ich erst mal meine Tage bekommen. Ganz super. Ein Nachteil des Nicht-Mehr-Verhütens. Da stand Sex auch erstmal nicht zur Debatte. Aber so nach und nach merkte ich, dass vermutlich nichts zwischen uns Laufen würde. Es fühlte sich einfach nicht danach an. Er war mir als Mensch (nicht sexuell!) zu devot. Zu nett. Ein Kreuz mit den netten Männern. Er braucht mit Sicherheit auch eine eher dominante Frau an seiner Seite. Das wäre ich schon, so als Menschentyp. Aber ich brauche Kontra, eine Herausforderung. Ich weiß, dass ist für nette Männer immer blöd, wenn es am nett scheitert. Und man kann ja nett nicht einfach abstellen und nett sein ist ja auch was Gutes. Aber manchmal fliegt das eben nicht. Zur Beruhigung, ich bin ja auch nett und ich kenne das andersrum genauso gut. Ich bin auch zu wenig zickig, meist grade raus. Das ist auch keine Herausforderung im Regelfall.

Ein ganz klitzekleines bisschen Fummeln hat sich dann allerdings aus einer Massage heraus doch noch ergeben. Er bot sich an mich einzucremen und ich genoss es und ließ mich drauf ein. Ich war gespannt, wie mutig er sein würde. In dem Moment hätte er vermutlich auch Sex haben können, wenn er es darauf angelegt hätte. Das konnte er aber nicht wissen. So endete es in einer Massage mit Happy End für mich. Mich hat schon auch so ein kleinwenig mein schlechtes Gewissen gequält, dass ich ihm nichts zurückgegeben habe. Aber es ergab sich nicht der Moment, wo es für mich gepasst hätte. Ich hätte mich schon zwingen können, aber das habe ich nach meiner letzten Beziehung abgelegt. Es soll ehrlich sein. Und nicht vorgegaukelt.

Dafür habe ich den Hotelmanager des Schiffes in seiner schicken Uniform dauernd anstarrt. Ich kann nix dafür. Fieses Uniform-Ding. Da hatte ich schon immer eine Schwäche für. Der hat auch geschnallt, dass ich ihn lüstern anstarre – man könnte es auch Blickstalking nennen. Ich war jedenfalls nicht mutig genug ihn ansprechen.

Nicht sehr spannend der Urlaub, was das Thema Sex angeht. Dachte ich. Bis wir zum zweiten Mal in Jamaika Halt machten…

Verdammter Cliffhänger 😊

Über die Devotheit

Ich bin heute über einen Artikel im Jetzt-Magazin der SZ über BDSM gestolpert. Und habe überraschenderweise etwas über meine Neigung gelernt, das ich bisher noch nicht wußte. http://www.jetzt.de/besitz/bdsm-einblick-in-eine-beziehung

Vorneweg: Ich mag Friedemann Karig und auch über Coco aus dem Artikel habe ich schon einen Videobeitrag gesehen.

Die Aussage, an der ich hängen geblieben bin:

„Eine andere Theorie besagt, dass devote Frauen beim Masturbieren den ganzen Körper anspannen müssen, um zum Orgasmus zu kommen. Und deshalb die Fesseln, den Druck von außen genießen.“

Ja, das stimmt auch bei mir. Vielleicht muss ich nicht den ganzen Körper anspannen, aber Teile davon auf jeden Fall.  (Aber ich bin ja gefühlt auch so semidevot) In meinem Blog beschreibe ich das immer mit  „Ich muss nachhelfen“, mein Körper muss mitarbeiten durch Spannung und Entspannung. Für den richtigen Rhythmus sorgen. Dass ich ohne komme, ist eher selten, zufällig. Wenn alles passt. Ist die Devotheit nur das Mittel um zum bekommen, was einen befriedigt? Gibt es Frauen, die einfach so kommen? Leicht? Immer?

Viele Fragen, die ich mir heute Abend noch durch den Kopf gehen lasse.