Benutz mich – als Trostpflaster

Zur Zeit passiert viel in meinem Leben. Vielleicht weil ich Zeit hatte. Es tut mir ja wirklich leid, dass in meinem Leben so ein Kommen und Gehen herrscht. Ist wahrscheinlich gar nicht so leicht, bei den immer wieder neuen Männern den Überblick zu behalten. Manche haben sich auch einfach so schleichend verabschiedet, so dass ich nie über das Ende geschrieben habe. Manche verschwinden für eine Weile in eine Beziehung und melden sich dann wieder, manche sind für immer weg.

Ein neuer Mann ist in mein Leben gehüpft. Erst mal ganz unspektakulär. Er hat mich auf der Rirarammelseite nach einem Date gefragt. Seine Mail ist erst untergegangen. Aber er war schlau genug, das nicht persönlich zu nehmen und nochmal nachzufassen. Abendessen und quatschen – guter Ansatz. Gucken, ob man sich versteht, dann kommt der Sex, wenn es passt schon von ganz allein. Das mit dem Essen ist aber irgendwie versandet. Bis er mich auf einen Kommentar auf meiner Pinnwand hin, dass mein Wanderpartner abgesagt hatte anschrieb, dass er auch Lust hätte raus in die Natur zu gehen. Er unterfütterte das mit einem konkreten Tourenvorschlag und zack da klappte es mit dem Date. Es war perfekt. Einfach einen Tag draußen zu verbringen. In der Natur. Neben Sex, Reisen und Essen, mache ich das am allerliebsten, aber irgendwie zu selten.

Rein in die Bergschuhe, den Rucksack umgehängt und los ging es. Bin vermutlich eher ein langsamer (noch) Wanderpartner, aber zäh. Mein Wanderpartner war wenige Jahre älter als ich, sportliche Figur, dunkle Haare, hübscher Mann. Der Typ Rennradfahrer. Und wirklich nett. Mein Unsicherheit, dass er mich nicht attraktiv/spannend finden könnte, verflog schnell, da er den Eindruck erweckte an mir als Menschen interessiert zu sein. Wandern mit einem spannenden Gespräch. Das ist nur mit gutem Sex zu toppen. Fast.

Ich nenne ihn Mr. Montage, weil er einen nicht unerheblichen Teil seines beruflichen Lebens für seine Firma irgendwo anders verbringt. Er ist seit kurzer Zeit Single. Hat eine langjährige Beziehung hinter sich, die unter anderem an mangelndem Sex gescheitert ist. Irgendwann war er fremd gegangen, es ist rausgekommen und sie haben sich getrennt. Eine klassische Geschichte. Bis dahin gar nicht so ungewöhnlich. Aber irgendwann erzählte er mir, dass er beim googeln vor einiger Zeit auf meinen Blog gestossen war und dieser sein Interesse an Sex wieder geweckt hatte. Woraufhin er zum einen die Affäre angefangen, aber auch sich auf der Rirarammelseite angemeldet hatte. Und mich dann doch irgendwann angeschrieben hat. Das ist sehr verrückt. Ich fühle mich ein ganz klitzekleines bißchen schuldig. Und ein klitzekleines bißchen gläsern.

Auch meine Geschichte hat ja mit einem Buch begonnen, das meine Lust auf Sex wiedererweckt hat. Nur war das eben ein Weltbestseller. Bei ihm ist es mein Blog. Das finde ich sehr verrückt. Aber es macht mich auch ein kleinwenig Stolz. Dass meine Worte ein klitzekleines bißchen Einfluss auf das Leben anderer Menschen haben. An dieser Stelle lässt sich trefflich streiten, ob dieser Einfluss nun positiv oder negativ ist. Immerhin habe ich damit eine Beziehung auf dem Gewissen – Stand heute. Plötzlich war klar, dass er ziemlich viel über mich weiß und ich wenig über ihn. Der Mann mit der sehr überschaubaren Anzahl an Sexualpartnerinnen, der meiner Einschätzung nach eher ein Mensch für monogame Beziehungen ist, trifft sich mit der Sexbloggerin, die wenige Gelegenheiten in den letzten Jahren ausgelassen und der Monogamie abgeschworen hat. Verschiedener könnten die Welten nicht sein, die in uns aufeinander treffen. Aber das macht es auch spannend.

Um so erstaunter war ich, als er mich auf dem Heimweg fragte, ob ich noch mit zu ihm auf ein Abendessen kommen will. Mutig. Ich hatte damit gerechnet, dass wir nach der schönen Wanderung und dem guten Gespräch einfach wieder auseinander gehen, weil ich mich nicht fragen traue, weil mich hübsche Männer immer verunsichern. Plus ich ihm einfach mal eine Runde zu erfahren bin. Was es Männern erfahrungsgemäß gar nicht so leicht macht, die Initiative zu ergreifen. Ich hatte Lust, denn es fühlte sich danach an, als würde das den schönen Tag noch runder machen. Es war so herrlich unkompliziert alles. Er kochte, ich duschte, er duschte, Essen, reden, Couch. Irgendwann fragte er mich, ob ich übernachten wolle. Och, naja Lust schon, aber dann musste ich am nächsten Tag in der Arbeit mit Klamotten erscheinen, die ich noch auf der Rückbank im Auto zufällig finde. Denn ich in meinen Wander-Sportklamotten konnte ich natürlich nicht ins Büro gehen. Aber mein innerer Rockstar sagte „Scheiß auf das Outfit in der Arbeit und bleib“. Also blieb ich. Badetasche und ein frisches Höschen hatte ich noch im Auto liegen, weil ich von der letzten Reise die Tasche noch nicht aus dem Auto geräumt hatte. Hihi. Manchmal ist das ja glatt mal für was gut.

Bis dahin war noch gar nichts zwischen uns gelaufen und ich dachte, dass wir einfach kuschelnd einschlafen würden und gut. Aber auch das hätte mir was gegeben. Ich hatte keine Erwartungen. Er lieh mir ein Schlaf-Tshirt. Wir gingen ins Bett. Ich hatte Lust auf Nähe und kuschelte mich an ihn hin. Und dann doch. Aus Kuscheln wurde streicheln. Er ließ sich sehr bereitwillig von mir begrabbeln. Was einen sensationellen Body er doch hat. Rrrr. Perfekt trainierter Hintern. Wahnsinnsschultern. Leichter Waschbrettbauch. Nicht, dass das sonst den Ausschlag geben würde, aber wenn ein netter Typ, dann noch so ein Leckerbissen ist. Wohooo. Lottogewinn. Und er kann auch noch küssen. Fast schon der Jackpot.

Manchmal wenn ich Männer date, die mein Blog gelesen haben, sind die völlig gefangen in der Frage, was ich wohl über sie schreiben würde. Ich glaube, er hat nicht einen Gedanken daran verschwendet. Falls ihn mein mehr an Erfahrung irgendwie beeindruckt hat, dann hat er es sich in keiner Sekunde anmerken lassen. Ich hingegen konnte nicht abstellen, dass ich innerlich immer mal wieder schmunzelnd seinen Mut bewunderte. Sein Vertrauen auf das eigene Vermögen. So cool. Wir hatten ganz klassischen Sex. Vorspiel-Blowjob, er leckte und fingerte mich (Dabei merkte man, dass er aus einer Beziehung kam und bisher nicht seine Zeit damit verbracht hat, der ausfuchsteste Frauenkörperversteher zu werden) Das heißt nicht, dass er sich schlecht anstellte. Er konnte gar nicht aufhören zu knutschen. Dann fickte er mich. So gut. Er hatte einen Orgasmus, ich kam gefingert mit Nachhelfen. Der schönste Moment war falsch herum im Bett zu liegen danach und sich nah zu sein. Als wir dann eigentlich schlafen wollten, konnte ich meine Finger nicht von ihm lassen. Ich merkte, dass er schon wieder konnte und fing sofort erfreut an ihn zu blasen. Bis er mir gestand dass wir das einzige Kondom, dass er da gehabt hatte, ja gerade schon verbraucht hatten. Hihi. Na gut. Dann halt nur ein Blowjob. Am nächsten Morgen übermüdet in die Arbeit, in unzusammenpassenden Klamotten. Mit dem Grinsen über die letzte Nacht im Gesicht. So gut.

Ich hatte keine Ahnung, was aus dieser Nacht werden sollte. Ich fand ihn attraktiv, aber hatte Zweifel, dass er mit meinem Lebenswandel auch in stark abgeschwächter Form auch nur irgendwie klarkommen würde. Am Besten einfach auf uns zukommen lassen. Nach ein wenig holpriger Kommunikation sahen wir uns eine Woche später wieder. Er war überraschend reserviert. Wir kuschelten auf der Couch und sahen fern. Kein Kuss. Ich blieb wieder übernacht. Als wir ins Bett gingen, kuschelten wir. Und ich begrabbelte ihn wieder, wie schon beim ersten Mal. Knutschen und blasen. Er fingerte mich. Aber es flog nicht so recht. Er wirkte abwesend. Irgendwann stellte ich meine Blasebemühungen ein und kuschelte mich wieder an ihn hin. Dann schüttete er mir sein Herz aus. Seine Affäre hatte die Affäre heute wirklich beendet. Beziehungsweise den Versuche eine Beziehung aus der Affäre zu machen. Sie wollten das wohl beide, aber in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Er konnte nicht so schnell wie sie, weil er ja gerade erst aus seiner Beziehung kommt und auch Dinge wegen seiner Kinder nur langsam angehen will. Er war an diesem Abend also liebesverkummert und brauchte eine Schulter zum Anlehnen. Ich versuchte zuzuhören und nicht so superschlaubischlumpfige Ratschläge zu geben. Auch schön mal als Schulter zum Anlehen gebraucht zu werden. Auch wenn ich nun noch weniger Ahnung habe, was das mit uns eigentlich so ist und ob er das überhaupt will. Und warum er das beim ersten Mal wollte. Und damit meine ich auch den Sex. Es wird sich zeigen.

Wann hören Paare auf miteinander zu reden?

Vorneweg, ich hoffe nie und das gilt mit Sicherheit auch nicht für alle Paare. Ich schreibe hier Gedanken auf die mir im Laufe der letzten drei Jahre gekommen sind.

Ich habe in den letzten Jahren geschätzt 100 Männer gedatet (keine Sorge, da kam es bei Weitem nicht immer zu Sex). Dieser Umstand hat dafür gesorgt, dass ich mich mit vielen Männern recht offen über ihre Beziehungen unterhalten konnte. Ich nehme an, die meisten waren dabei relativ ehrlich. Es gab ja auch keinen Grund mich anzulügen, denn sie wollten ja keine Beziehung mit mir. Meistens wußten sie, dass es mir nichts ausmacht, wenn sie eine Partnerin haben. Sondern dass allein sie selbst das mit ihrem eigenen Gewissen ausmachen müssen. Ich hatte den Eindruck, dass sie oft auch froh waren, dass sie mal jemandem offen ihre Lebensumstände erzählen können, ohne sich rechtfertigen müssen. Sondern einfach mal abladen konnten, was sie so bewegt.

Die klassische Lebensgeschichte ist: Mann und Frau haben sich bereits in jungen Jahren kennen und lieben gelernt, geheiratet und eine Familie gegründet. Soweit passt das alles. Sie lieben ihre Frau und ihre Kinder, würden sie auf gar keinen Fall für eine Andere eintauschen wollen. Die Frau ist zu einer Art besten Freundin und Begleiterin fürs Leben geworden. Aber es gibt zwei verschiedenen Problemlagen. Problem 1: Das Interesse der eigenen Frau an Sex ist mit den Kindern sehr weit zurück gegangen, so dass es den Männern einfach zu wenig ist.

Ich will das überhaupt nicht werten und die Schuld dabei auf gar keinen Fall den Frauen geben. Dazu habe ich zu wenig Einblick in die Lebensumstände. Ich würde schätzen, dass bei den Frauen der Löwenanteil der Familienarbeit hängen geblieben ist, was ein Knochenjob ist und sich – die zumeist beruflich ziemlich erfolgreichen Männer die ich getroffen habe – in den Job zurück gezogen haben. So sind beide einfach sehr eingespannt.

Szenario 2 das mir sehr häufig begegnet ist: Das Paar hat sich eben in sehr jungen Jahren kennengelernt. Da war für beide die Sexualität noch sehr unschuldig, sehr einfach. Im Laufe der Zeit, sagen wir nach 10 Jahren merkt ein Partner (oder vielleicht beide) dass da Vorlieben in einem Schlummern, die man ausleben möchte. BDSM, Bondage, ein Fetisch, ein Dreier, es kann alles mögliche sein. Und dann kommt der Knackpunkt. Das ist der Moment in dem sich 90 Prozent nicht trauen mit ihrem Partner darüber zu reden. Sie glauben, dass der Preis den sie dafür zahlen müssten zu hoch ist. Dass es nachhaltig negative Spuren in der Beziehung hinterlässt. Dass der Partner damit überfordert ist, es ablehnt, dann vermutet, dass der Partner sich das heimlich holt. Ist es wirklich nur Angst vorm Reden? Sie sind in dem Zwiespalt gefangen, dass sie ihre Bedürfnisse (irgendwie ja auch was egoistisches) ausleben möchten, dass aber nicht auf Kosten der Beziehung.

Das endet dann oft in einem heimlichen Ausleben. Macht die Sache nicht besser, denn das schlechte Gewissen bleibt und wenn es dann raus kommt, ist es noch viel schlimmer.

Das alles gilt nicht nur für Männer. Ich bekomme genug Mails auch von Frauen, die mir schreiben, dass sie beispielsweise gerne mal gespankt werden würden, aber glauben, dass der eigene Partner dafür überhaupt kein Verständnis hätte.

Wie kann man es schaffen, dass man nach Jahren, wenn man sich eigentlich auswendig kennt, noch offen über alles reden kann? Dass man sich eine Offenheit dem eigenen Partner gegenüber behält. Wie kann man ihm das Gefühl geben, dass er über alle Bedürfnisse reden kann und man dann gemeinsam schaut, ob es eine Lösung gibt, die beiden passt. Geht sowas? Wie kann man selbst bereit sein dafür, dass der Partner sich weiterentwickelt?

Ich habe mich in den letzten Jahren auf eine Entdeckungsreise begeben, was meine eigenen Bedürfnisse angeht. Meine Sexualität ist gereift. Ich tue mir jetzt leichter in eine Beziehung zu gehen, mit einer gewissen Offenheit meinem Partner gegenüber. Allerdings hätte ich wohl auch nicht gewußt, wie ich es meinem Exfreund nach ein paar Jahren hätte erklären sollen, dass ich gerne unsere Beziehung sexuell öffnen würde.

Hilft es wenn man den Partner fragt, ob es da noch Dinge gibt, die er gerne ausleben möchte? Wenn man ihm den Eindruck vermittelt, dass man sich für seine Bedürfnisse interessiert. Ich weiß es nicht.

Der einzige Mann, der mir einfällt, der das hinbekommen hat, ist Mr. Bondage. Aber auch nur, weil er es bei dem Druck in seinem Beruf nicht hinbekommen hätte, seine Neigungen heimlich auszuleben. Er hat sich vor gewagt und seine Beziehung hat es überstanden. Das ist aber leider der Ausnahmefall.

Was mich jedenfalls positiv überrascht hat war, dass Männer sehr offen gesagt haben, dass sie ihre Frau lieben. Und sie sich für die Richtige entschieden haben. Vielleicht sollte man genau daran denken, wenn der eigene Partner mit einem etwas kuriosen Bedürfnis aufwartet, dass er gerne noch ausleben möchte. Versuchen, sich gegenseitig die Möglichkeit zu geben sich in der eigenen Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Das Leben ist schließlich kein Stillstand. Nur weil man etwas mit Anfang 20 in einem bestimmten Blickwinkel gesehen hat, muss dieser Blickwinkel nicht immer derselbe sein. Entwickelt euch zusammen jeder für sich. Das wünsche ich mir.

Wie funktioniert mein Körper eigentlich?

Ausgehend von Aurelies kritischen Anmerkungen habe ich mir eine ganze Nacht Gedanken gemacht, warum es mir so schwer fällt auch gleich beim ersten Mal zu sagen, dass mir etwas nicht gefällt oder was zu verbessern wäre.

Neben dem klassischen Grund, dass man eben nicht weiß, wie jemand auf Kritik reagiert, wenn man denjenigen nicht so gut kennt, sind mir noch ein paar andere Dinge  eingefallen. Übrigens: Wenn jemand etwas richtig gut macht, dann habe ich keine Probleme damit das zu sagen. So in der Art: „Nicht aufhören, nur nicht aufhören, mach einfach das Gleiche weiter“

Wenn ich kritisiere, dann soll es wenigstens konstruktiv sein. Das führt mich im Falle von Sex zu zwei Problemen. Zum einen fange ich bei jemandem, den ich nicht besonders gut kenne, an darüber nachzudenken,  wie ich es wohl ausdrücken könnte. Das Hauptproblem ist, ich fange an zu denken… Der Kopf ist an.  Wie fasst er das jetzt wohl auf? Wie drücke ich es diplomatisch aus? Das heißt, dass ich es auch sein lassen kann  Kritik zu üben. Zumindest in dem Moment, nicht generell gesehen. Denn wenn schon vorher nichts dabei rum kam, mangels Technik, dann kommt danach nichts mehr dabei rum wegen Kopf-an.

Zum Anderen müsste ich ja dann was Konstruktives sagen.. Also „mach das doch so und so“ und nicht „mach das nicht so“.. „Nicht so fest“ lasse ich mir als Kritik, die leicht über die Lippen kommt, noch eingehen.. Aber darüber hinaus müsste ich dann halt wissen, was er ich ihm denn konkret raten könnte. Aber ich weiß es einfach nicht. Ich kann es nicht beschreiben. Ja, ich weiß, wie ich es mir selbst mache. Aber ich habe da eine eingefahrene Technik, die eh keiner nachmachen kann. Und was die Männer gemacht haben, die erfolgreich waren, das weiß ich gar nicht so genau.  Flache Zunge, spitze Zunge, Kreisbewegungen? Ich habe keine Ahnung. Denn da habe ich mich fallen lassen. Ich habe nicht aufgepasst und mir gedacht „Ooh der kreist jetzt mit seiner Zunge um meinen Kitzler und dann variiert er wieder“. Ich weiß  nur, er hat das, was er gemacht hat, gut gemacht. Sehr gut. Es würde für eine grobe Anweisung a la „ich komm am ehesten wenn du mich leckst und fingerst gleichzeitig“ reichen. Aber irgendwie will mir das, wenn er nicht danach fragt beim ersten Mal und vor Allem währenddessen nicht über die Lippen kommen.

Deswegen hatte ich ja auch ziemlich viel Respekt beim Sex mit Frauen. Ich fand es auch nicht leichter an einer Frau rum zu machen, nur weil ich den gleichen Körper habe. Bei Männern habe ich jahrelange Übung. Da hat der ein oder andere sicher auch wenig genossen, was ich da so angestellt habe. Ich hab mich ausprobiert, mir ein Repertoire an Techniken angeeignet. Und das Wissen, dass doch jeder anders tickt und es manchmal einfach nicht zusammenpasst, sexuell.

Neben Reden, bleibt noch zeigen. Ich bin aber auch nicht so ein Körperkontaktmensch. Das klingt ein wenig komisch, wenn man über Sex schreibt. Aber die Vorstellung den Mann beim ersten Mal am Kopf zu packen und ihm zu zeigen, was ich will, die taugt mir so gar nicht. So ticke ich einfach nicht. Es macht mir zwar nichts aus, wenn ich am Kopf gepackt werde, aber das liegt wohl doch an einer gewissen Devotheit. Ansonsten finde ich am Kopf anfassen deutlich intimer als nur Sex. Da muss ich nochmal drüber nachdenken.

Was ich kann und schon öfter angewandt habe ist,  dass er mir dabei zusehen darf, wie ich es mir selbst mache. Ich glaube nicht, dass er dann lernt, wie er mich anfassen muss, weil das würde so nicht funktionieren, aber er kann zumindest meine Reaktionen abschätzen, merkt dass ich ein eher leiser Typ bin. Dabei fällt mir die Erweiterung zu meinem Tattoo ein. Ich würde mir auf den Bauch schreiben: „Je weniger Geräusche ich mache, desto besser. Wenn du mich irgendwann gar nicht mehr stöhnen hörst und mein Körper komplett angespannt ist, dann nur NICHT aufhören.. Dann kommt er gleich, der Vulkan. Keine Sorge.“

Führt jemand vor dem ersten Mal Sex ein Gespräch in dem er erstmal erklärt, wie er so tickt? Eine Art Bedienungsanleitung: „Also du, was ich noch sagen wollte, ich stöhn eher leise. Da kommt nicht so viel Geräuschfeedback. Trotzdem ist alles gut.“ Die Männer sind oft schon verunsichert, weil ich so wenig Geräusche mache, was dazu führt, dass sie wild rumprobieren. Das führt dann dazu, dass ich zumindest mehr Geräusche von mir gebe, als ich es eigentlich tun würde.. Aber dann auf das Geräuschemachen konzentriert bin. Teufelskreis.. Nur weil die Pornofrauen immer so laut sind. Also doch das Gespräch? Ich hab noch nie einen Mann gehabt, der mir vor dem ersten Mal gesagt hat, dass er eher leise ist und ich mir nichts dabei denken soll.. Wenn ich ihn nicht lesen kann, dann frage ich hinterher, was ich hätte besser machen können. Aber ich werde von den Männern nicht immer gefragt.

Vielleicht liegt der Kern des Übels auch tiefer vergraben. Weil ich gar nicht weiß, ob es an mir oder an ihm liegt, Das gilt zumindest mal für Sex. Da liegt der Verdacht nahe, dass es nur an mir liegt. Ja, ich weiß wie ich es mir selbst machen kann. Das habe ich in meiner Teenagerzeit gelernt. Meine ganz spezielle Technik entwickelt.  Irgendwann funktionierte auch, dass mich Männer zum Orgasmus lecken, nicht bei jedem aber es ging. Das weiß ich. Aber ich hab bis heute noch nicht rausfinden können, warum ich nicht reproduzierbar bei reinem Sex ohne Nachhelfen kommen kann. Liegt es am Kopf oder am Körper? Ich habe keine Ahnung. Ich beneide manchmal breakpoint, die mühelos bei reiner Penetration kommt.  Zumindest suggerieren mir das ihre Blogeinträge.  Bin ich verkehrt?

Ich bin vielleicht fünf Mal in meinem Leben einfach so gekommen. Natürlich ein unbeschreibliches Glücksgefühl, aber ich kann nicht sagen, was in den jeweiligen Situationen anders war. Ich kann es nicht reproduzieren. Vielleicht auch ein Grund, warum ich mich gerade so ausprobiere. Was muss passieren, dass das geht? Irgendwie muss es an mir liegen. Andere Frauen kommen doch auch einfach so. Wieso ich dann eigentlich nicht?  Man muss da ja auch „mitarbeiten“ in irgendeiner Weise. Arbeite ich falsch mit? Manchmal weiß ich auch einfach nicht, liegt es jetzt an mir oder an ihm. Kann ich mal wieder nicht entspannen, oder stellt er sich doof an.

Ich habe mal gelesen, dass Frauen Probleme haben beim Sex zu kommen, weil sie es sich immer in der gleichen Art und Weise selbst machen. Nicht variieren.. zum Beispiel nicht im Liegen, sondern im Stehen. Das heißt der Körper hat sich wohl dann auf den gleichen Reiz eingefahren. Klingt plausibel, finde ich.

Fazit –> Hausaufgaben: Weiterüben mit mir. Ich hab mir mal vorgenommen zu trainieren. Mal unter der Dusche, mal im Stehen, mich fallen lassen. Aber nicht nur meinen Körper noch besser kennenlernen, sondern vielleicht auch den von anderen Frauen, mal sehen ob es sich ergibt und die Chemie stimmt. Ach ja und darüber reden üben, auch beim ersten Mal..   Und einen „erfolgreichen“ Mann fragen, was er gemacht hat. Dann bleibt mir auch das Tattoo erspart 🙂

Alles wieder wie vorher?

Der Alte Mann und ich trafen uns an einem Vormittag in einem Cafe. Das Treffen war mir so wichtig, dass ich dafür sogar die Uni schwänzte. Er war schon da, sah wirklich gut aus, wie immer, und wir begrüßten uns mit einer Umarmung, wie immer.
Ich war nach zehn Tagen Funkstille einfach froh ihn zu sehen und ihm eigentlich auch nicht böse, wenn gleich mich schon interessiert hätte, warum er das gemacht hat. Aber ich wollte auch nicht darauf herumreiten und nachbohren. Ich hoffte viel mehr, dass er es mir von sich aus erzählen würde. Aber das tat er nicht. Wir hatten sofort wieder den Draht zu einander, den wir vorher auch hatten und unterhielten uns gut. Über alles mögliche. Und irgendwann auch über ein Buch, dass wir gemeinsam laßen. Also er hatte es schon fertig, ich war mitttendrin. Es war „Die perfekte Masche“ von Neil Strauss. Das Buch geht über die Pick-Up-Artists, die es zur Kunst gemacht haben Frauen aufzureißen. Darauf hatte der Alte Mann in seiner Email vor der Funkstille auch angespielt.

Als wir darüber redeten, formierte sich in meinem Hirn eine Erklärung für sein Verhalten. Mich beschlich das Gefühl, dass er eine Technik an dem Buch an mir ausprobiert hatte. Er hatte mir einen Dämpfer verpasst mit der Mail und dann hatte er mich warten lassen. AHHH, ich will nicht manipuliert werden. Keine Ahnung, ob das nur ein natürlicher Verfolgungswahn nach Lesen des Buches ist oder ob was dran ist. Ich habe ihn nie danach gefragt.

In der Zeit in der er sich nicht gemeldet hat, hatte er wohl auch einfach viel gearbeitet, an einem Projekt, dass ihn schon lange begleitet. Irgendwie kam das Gespräch nie so wirklich die Schweigephase und ich hatte keine Lust den Moment zu zerstören. Ich genoss die Zeit mit ihm einfach. Auch wenn ich nicht schlau wurde aus ihm. Und ja er hat wohl auch noch andere Frauen am Start und ja ich war ein wenig eifersüchtig, was aber nur der Tatsache geschuldet ist, dass ich nicht weiß, woran ich bin.

Aber ich erzählte ihm noch von meinem kaputten Motorroller, der nicht mehr anspringen wollte. Darauf hin packte er mich in sein Auto und wir fuhren zu mir und er nahm sich mal schnell zwei Stunden Zeit um meinen Roller zu reparieren. Ich war total baff und konnte mein Glück überhaupt nicht fassen.
Es war megaspannend ihn beim Reparieren zu beobachten. Er erklärte mir alles und er erklärt wirklich gut. Der Alte Mann ist sehr grazil in seinen Bewegungen. Es ist eine Freude ihn zu beobachten. Er sitzt da in seinen schicken Klamotten vor meiner Haustüre und repariert meine Vespa. Unglaublich. Eine Werkstatt wäre nicht in meinem Budget drin gewesen. Er nahm an Ende noch meine Batterie mit, um sie aufzuladen..

Mehr als einen Kaffee hinterher wollte er als Gegenleistung nicht haben. Wir hielten uns ein paar Minuten im Arm, dann verschwand er wieder. Mal sehen wie lange diesmal.